Sieg über den IS : Ein Comeback der Ideologie ist wahrscheinlich

Mit dem Aus für den Islamischen Staat in Ost-Syrien endet eine Ära. Doch grundlegende Probleme sind ungelöst. Ein Kommentar.

Thomas Seibert
Ein Fahrzeugkonvoi mit Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), auf dem Weg von Al-Rakka (Syrien) in den Irak.
Ein Fahrzeugkonvoi mit Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), auf dem Weg von Al-Rakka (Syrien) in den Irak.Foto: AP/dpa

Der militärische Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) in Ost-Syrien markiert den Beginn eines neuen und gefährlichen Kapitels: Künftig dürften sich die Spannungen zwischen der Türkei und den USA im Osten Syriens verschärfen, weil es ab jetzt um die Zukunft der Kurden dort geht.

Auch stellt sich die Frage, wie ein Comeback der Dschihadisten wirksam verhindert werden kann: Schließlich profitierte der IS vom Kollaps staatlicher Ordnung und von der Unterdrückung ganzer Bevölkerungsgruppen in Syrien, Irak, Libyen und Jemen. Keines dieser grundlegenden Probleme ist gelöst.

Zudem nehmen US-Experten an, dass der IS ein Vermögen von hunderten Millionen Dollar und Befehlsstrukturen neu aufgebaut hat. Im Irak könnten diese Ressourcen von den Extremisten für ihre Zwecke eingesetzt werden. Viele sunnitische Iraker fühlen sich unter der schiitischen Zentralregierung wie Bürger zweiter Klasse – Wut und Chancenlosigkeit spielen den Dschihadisten in die Hände. Ein ähnliches Potenzial könnte sich in Syrien entwickeln, wenn der Bürgerkrieg ohne gerechte Friedenslösung endet.

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