• Sklaverei und Rassismus: Es gibt keine besseren oder schlechteren Menschen, nach Hautfarbe sortiert

Sklaverei und Rassismus : Es gibt keine besseren oder schlechteren Menschen, nach Hautfarbe sortiert

Sklaverei war Teil der Menschheitsgeschichte - und ist keine Frage der Hautfarbe oder einzelner Kulturen, meint Harald Martenstein.

Sklaverei war in vielen Gesellschaften lange üblich und hat sie unterschiedlich geprägt. Das Südstaatenepos "Vom Winde verweht" von 1953 wurde vom Streamingdienst HBO wegen Schönfärberei von Sklaverei und dem klischeebeladener Bilder von Schwarzen zeitweise aus dem Programm gestrichen .
Sklaverei war in vielen Gesellschaften lange üblich und hat sie unterschiedlich geprägt. Das Südstaatenepos "Vom Winde verweht"...Foto: Warner Bros. Home Entertainment/dpa

Versklavung ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte gewesen, das macht die Sache nicht besser, sondern schlimmer. Afrikaner waren dabei beides, Opfer und Täter. 2007 erschien darüber im „Spiegel“ ein langer Text mit dem Satz: „Sklaverei war in vielen afrikanischen Kulturen selbstverständlich.“ 2008 erschien dazu eine Art Standardwerk: „Der verschleierte Völkermord“ des Anthropologen Tidiane N`Diaye, auf Deutsch bei Rowohlt. Der Sklaverei in Afrika und der islamischen Welt seien wahrscheinlich 17 Millionen Menschen zum Opfer gefallen, ganze Reiche ließen in Afrika Sklaven die Arbeit tun.

Auch Europäer waren beides, Täter und Opfer. Wer wann auf welcher Seite landete, hing vor allem vom militärischen Kräfteverhältnis ab. Zwischen 1530 und 1780 erbeuteten Muslime an der Mittelmeerküste und sogar in England etwa eine Million christliche Sklaven. Die Schiffe, gerudert von meist weißen Galeerensklaven, landeten nachts. In italienischen Kirchen standen Spendendosen „Für die armen Sklaven“, mit dem Geld versuchte die Kirche, Einzelne freizukaufen. Das änderte sich, als die Europäer militärisch zu stark wurden, von da an gingen arabische Sklavenfänger vornehmlich in Afrika auf Jagd.

Bei vielen Naturvölkern galt das Wort „Mensch“ nur für die eigene Ethnie.

Ich erwähne das nicht, um die Verbrechen der Europäer kleinzureden. Ich will zeigen, wie falsch es ist, diese Verbrechen an einer Hautfarbe festzumachen oder exklusiv einer einzigen Kultur zuzuordnen. Sätze wie „Die Weißen haben den Rassismus erfunden“ oder „Es gibt keinen antiweißen Rassismus“ entspringen aktivistischen Wunschphantasien.

Rassismus hat leider fast die gesamte Geschichte begleitet. Bei vielen Naturvölkern galt das Wort „Mensch“ nur für die eigene Ethnie. Wer den Rassismus aus der Welt schaffen will, sollte wissen, dass niemand gegen dieses Gift immun ist. Es gibt keine besseren oder schlechteren Menschen, die man nach Hautfarbe sortieren könnte.

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Ich habe mich gefragt, warum in den USA infolge der Sklaverei heute relativ viele schwarze Menschen leben, in der arabischen Welt aber fast keine. Ein Grund dafür könnte sein, dass schwarze Männer und Jungen dort häufig kastriert wurden, auf so bestialische Weise, dass die meisten Jungen daran starben. So steht es in Michael Manns „Geschichte des Menschenhandels“. Man tat das weniger, um die Gefangenen an der Vermehrung zu hindern, sondern um sie als Subjekte zu vernichten. Sie sollten sich totarbeiten, wunschlos und hoffnungslos.

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