Update

SoKo „Rechts“ ermittelt in Dortmund : Journalisten erhalten Briefe mit weißem Pulver

Zwei Journalisten, die über die rechtsextreme Szene in Dortmund berichten, haben Drohbriefe erhalten. In der Form ist es der erste Fall im WDR.

Das Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln.
Das Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln.Foto: Oliver Berg/dpa

Zwei Journalisten, die über die rechtsextreme Szene in Dortmund berichten, haben Briefe mit weißem Pulver erhalten. Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund. Die Soko „Rechts“ habe die Ermittlungen übernommen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. „Wir werden alles versuchen, den Verursacher der Briefe ausfindig zu machen – und natürlich auch diese Bedrohungen und Einschüchterungsversuche gegenüber den Journalisten zu unterbinden.“

Der Inhalt der Briefe stellte sich als Backpulver heraus. Als Absender wurde ein antifaschistisches Recherche-Netzwerk angegeben. Einer der Briefe war an das Landesstudio des Senders adressiert worden. Der angeschriebene Reporter beobachtet die Neonazi-Szene intensiv und hat bereits in der Vergangenheit Drohungen erhalten.

Dortmund-Dorstfeld gilt als "Hotspot" der Neonazi-Szene

Das WDR-Studio Dortmund berichtet regelmäßig über die Themen Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus und Neonazismus in Dortmund. Insbesondere der Stadtteil Dorstfeld gilt als einer der „Hotspots“ der deutschen Neonazi-Szene. Der zweite Brief war an einen freien Journalisten mit ähnlichem Themenspektrum adressiert. Spezialisten der Feuerwehr holten den Umschlag aus seinem Wohnhaus und untersuchten den Inhalt.

In dieser Form war das der erste Fall im WDR, wie der Sender auf Anfrage mitteilte. Die Frage, wie der Sender seine journalistischen Mitarbeiter schützen kann, wurde eher allgemein beantwortet: „Dem WDR ist die Sicherheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr wichtig. Je nach Lage werden entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter unternommen.“

12 700 gewaltbereite Rechtsextremisten

Die Bundesregierung sprach in einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion von 12.700 gewaltorientierten Rechtsextremisten in Deutschland. Es zeichnet sich ab, dass wie in den vergangenen Jahren schon, eine Mehrheit in der Szene auf Gewalt fixiert ist – gegen Flüchtlinge und andere Migranten, gegen Muslime, gegen politische Gegner, gegen Polizisten, Journalisten und alle anderen, die als „Feind“ abgestempelt werden. (mit dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!