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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Aufzeichnung der Rede.
© Jesco Denzel/Bundespresseamt/dpa

Rede zur Coronavirus-Krise: Steinmeier nennt Pandemie „eine Prüfung unserer Menschlichkeit“

Der Bundespräsident wendet sich in einer ungewöhnlichen TV-Ansprache ans Volk. Er lobt die Disziplin der Bürger, ruft aber auch zu Geduld und Solidarität auf.

Von Robert Birnbaum

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Deutschen eindringlich zu Selbstdisziplin und Solidarität in der Coronavirus-Krise aufgerufen. „Noch ist die Gefahr nicht gebannt“, warnte Steinmeier am Karsamstag in einer am Abend von mehreren Fernsehsendern ausgestrahlten Ansprache. Aber wann und wie die Einschränkungen gelockert werden könnten, „darüber entscheiden nicht allein Politiker und Experten. Sondern wir alle haben das in der Hand, durch unsere Geduld und unsere Disziplin – gerade jetzt, wenn es uns am schwersten fällt.“

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Der Bundespräsident dankte den Helfern für ihren Einsatz, aber auch allen Bürgern dafür, dass sie sich an Abstands- und Besuchsverbote halten. „Ich bin tief beeindruckt von dem Kraftakt, den unser Land in den vergangenen Wochen vollbracht hat“, sagte Steinmeier nach dem vorab verbreiteten Redetext. „Jeder von Ihnen hat dadurch Menschenleben gerettet und rettet täglich mehr.“

Er wünsche sich, dass dieser Zusammenhalt auch nach dem Ende der Pandemie bestehen bleibe. „Die Solidarität, die Sie jetzt jeden Tag beweisen, die brauchen wir in  Zukunft umso mehr!“ Der Umgang mit der Virus-Gefahr sei „eine Prüfung unserer Menschlichkeit“.

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Steinmeier weiter: „Wir wollen keine ängstliche, keine misstrauische Gesellschaft werden. Sondern wir können eine Gesellschaft sein mit mehr Vertrauen, mit mehr Rücksicht und mehr Zuversicht.“ Zugleich äußerte sich der Bundespräsident optimistisch: „Wir können und wir werden auch in dieser Lage wachsen“, sagte der Bundespräsident.

„Wir stehen jetzt an einer Wegscheide“, sagte Steinmeier weiter. „Schon in der Krise zeigen sich die beiden Richtungen, die wir nehmen können.“ Es gehe um die Frage, ob jeder für sich agiere, „Ellbogen raus, hamstern und die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen“. Oder ob das neu erwachte Engagement für den anderen und für die Gesellschaft erhalten bleibe, „die geradezu explodierende Kreativität und Hilfsbereitschaft“.

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Er wisse natürlich auch, dass sich alle nach Normalität sehnten. Das heiße aber nicht, möglichst schnell „zurück in den alten Trott, zu alten Gewohnheiten“ zu kehren. „Die Welt danach wird eine andere sein“, sagte der Bundespräsident. Es gehe darum, aus der Krise zu lernen.

Hintergrund zum Coronavirus:

Eindringlich mahnte Steinmeier zugleich Solidarität in Europa an. „Deutschland kann nicht stark und gesund aus der Krise kommen, wenn unsere Nachbarn nicht stark und gesund werden“, warnte er. 30 Jahre nach der Einheit und 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sei Deutschland zur Solidarität „nicht nur aufgerufen – wir sind dazu verpflichtet!“

Die Ansprache war einer der seltenen Fernsehauftritte eines Bundespräsidenten in einer akuten Krise. Normalerweise wendet sich das deutsche Staatsoberhaupt nur zu Neujahr, bei großen historischen Jubiläen oder zur Unterstützung caritativer Organisationen direkt an die Zuschauer. Ausnahmen waren etwa Horst Köhlers Ansprache zur vorzeitigen Auflösung des Bundestags 2005 oder Heinrich Lübckes Ansprache aus Berlin nach dem Mauerbau 1961.

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