Tag der Arbeit in Deutschland : Gewerkschaften fordern stärkere Betriebsräte

In ganz Deutschland ziehen Menschen auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Dem DGB zufolge sind rund 340.000 Menschen dabei.

Claudia Malangre
Arbeitnehmer und Gewerkschafter demonstrieren in Nürnberg. Dort hielt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seine Hauptkundgebung in Nürnberg ab.
Arbeitnehmer und Gewerkschafter demonstrieren in Nürnberg. Dort hielt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seine Hauptkundgebung...Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Gewerkschaften haben angesichts der anstehenden Umbrüche in der Arbeitswelt zum „Tag der Arbeit“ mehr Rechte und eine stärkere Mitbestimmung für Arbeitnehmer angemahnt. Dazu gehörten neben flächendeckenden Tarifverträgen auch starke Betriebs- und Personalräte, betonten führende Gewerkschaftsvertreter und Politiker auf zahlreichen Mai-Kundgebungen. Nur so lasse sich beispielsweise die Digitalisierung meistern, die in den kommenden Jahren in Büros und Fabrikhallen den Berufsalltag von Millionen Beschäftigen verändern werde.

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Gewerkschaften sagen der Tarifflucht den Kampf an
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Nach Angaben des DGB nahmen bundesweit rund 340.000 Menschen an knapp 500 Veranstaltungen der Gewerkschaften teil. Und das nicht nur in Berlin.

Bei der Gewerkschaftsforderung nach Tarifverträgen für möglichst alle Arbeitnehmer sieht der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, vor allem die neue Bundesregierung in der Pflicht. Bei der DGB-Hauptkundgebung in Nürnberg sagte Hoffmann, nur mit Tarifverträgen lasse sich verhindern, dass einzelne nicht-tarifgebundene Unternehmen „mit Dumpinglöhnen Schmutzkonkurrenz betreiben“. Den Absichtserklärungen in der Koalitionsvereinbarung müssten nun Taten folgen, sagte er vor rund 6500 Zuhörern.

Auch aus Sicht von IG Metall-Chef Jörg Hofmann erfordern die bevorstehenden Umwälzungen Mitbestimmungsrechte und ein starkes Tarifsystem. Auf einer DGB-Kundgebung in Kassel sagte er: „Das sind die wichtigsten Hebel dafür, dass keiner unter die Räder kommt und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt wird.“ Deshalb müsse auch die Politik für eine stärkere Tarifbindung sorgen. „Macht das Tarifsystem stark. Dann bleibt auch das Land stark“, sagte Hofmann laut Mitteilung.

In Köln statuierte Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall "Gute Arbeit und möglichst viele Gewinner - das ist wichtig für die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft."

Der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske forderte zum Tag der Arbeit in Braunschweig die Politik auf, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. „Wir brauchen mehr staatliche Investitionen in die Daseinsvorsorge, in bezahlbaren Wohnraum, in Bildung und Erziehung, in die Alterssicherung. Da muss die Koalition jetzt zügig umsetzen, was sie sich vorgenommen hat“, sagte der Gewerkschaftschef. Dabei dürfe die Politik aber nicht stehen bleiben, sondern müsse weit darüber hinaus gehen, wenn sie die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger stärken wolle. „Investitionen in die gesellschaftliche Infrastruktur sind auch Gerechtigkeitspolitik“, sagte Bsirske.

"Immer öfter schwappt die Arbeit in den Feierabend"

In Stuttgart erklärte die IG Bau, die sozialen Probleme wie Wohnungsnot oder Armutsrenten müssten gelöst werden, um die AfD und andere Rechtspopulisten zurückzudrängen. "Die Probleme brennen den Menschen auf den Nägeln", sagte IG-Bau-Vize Harald Schaum.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnte in Münster vor gesundheitlichen Folgen unregelmäßiger Arbeitszeiten. "Immer öfter schwappt die Arbeit in den Feierabend, ins Wochenende, in den Urlaub", sagte sie bei der dortigen Mai-Kundgebung. "Mit der Gesundheit der Beschäftigten treibt man kein Schindluder und macht keine Experimente."

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Die Linke warf der Bundesregierung Untätigkeit bei Arbeitnehmerrechten vor. "Die Große Koalition ändert nichts an Niedriglöhnen und Tarifflucht", erklärte Parteichef Bernd Riexinger. Ebenso wie die Linke forderte auch Juso-Chef Kevin Kühnert die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf zwölf Euro. (mit AFP, dpa)

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