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Terrorgefahr : Anschläge auf Flughäfen in Stuttgart und Paris befürchtet

Arabisch aussehende Männer sollen Airports ausgespäht haben. Zudem warnte der marokkanische Geheimdienst die Behörden. Die Polizei sucht nach vier Verdächtigen.

Massiv verstärkt wurde die Polizei am Flughafen Stuttgart.
Massiv verstärkt wurde die Polizei am Flughafen Stuttgart.Foto: imago/Arnulf Hettrich

Dass islamistische Terroristen Flughäfen angreifen, haben Brüssel, Istanbul, Moskau und weitere Großstädte erlebt. Deutschland blieb bislang verschont; eine Attacke des Syrers Jaber Albakr auf den Flughafen Berlin-Tegel wurde 2016 vereitelt. Dennoch ist die Gefahr womöglich weiterhin nahe. Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass der Stuttgarter Flughafen zweimal für einen Anschlag ausgespäht wurde. Vergangene Woche und am Mittwoch habe eine Überwachungskamera arabisch aussehende junge Männer gefilmt, die sich an der Sicherheitsschleuse aufhielten, ohne einen Flug antreten zu wollen und ohne Reisegepäck, sagten Sicherheitskreise am Donnerstag dem Tagesspiegel.

Auch am Freitagmorgen waren deshalb an mehreren Flughäfen der Region verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in Kraft. Dies betraf den Flughafen Stuttgart und die Airports Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Mannheim. Die Bundespolizei habe am Mittwochabend die Spezialeinheit BFE plus am Flughafen eingesetzt, um einem Anschlag vorzubeugen, erfuhr der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen. Die schwer bewaffnete Spezialeinheit wurde nach den verheerenden Anschlägen aufgestellt, die islamistische Terroristen 2015 in Frankreich verübt hatten. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg bildete jetzt eine „Besondere Aufbauorganisation“, um die möglichen Ausspähversuche aufzuklären.

Die Behörden sind besonders wachsam, da es auch in Paris den Verdacht gibt, Islamisten hätten vergangene Woche den Flughafen Charles de Gaulle ausgespäht. Eine Überwachungskamera habe dort ebenfalls arabisch aussehende junge Männer gefilmt, die an einem Terminal mit einem Fahrzeug kamen und das Gebäude fotografierten, sagten Sicherheitskreise.

Polizei und Nachrichtendienste in Frankreich und Deutschland glichen die Bilder aus den Kameras in Stuttgart und Paris ab. Nach einem Bericht des Südwestrundfunks (SWR) wurden zwei in Paris aufgefallene Männer dann auch am Stuttgarter Flughafen gesichtet. Sie seien durch die Videoaufzeichnungen identifiziert worden.

Vater und Sohn fielen in Paris und Stuttgart auf

Die Polizei sucht mittlerweile nach vier Personen. Sicherheitskreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Informationen des SWR. Mindestens einer der Verdächtigen gehört nach dpa-Informationen zum radikalislamischen Milieu. Zwei der Gesuchten seien Vater und Sohn und stammten aus Nordrhein-Westfalen, hieß es. Sie seien am Flughafen Charles de Gaulle aufgefallen.

Französische Polizeikreise bestätigten auf dpa-Anfrage Informationen der Zeitung „Journal du Dimanche“ (JDD), wonach die Männer in einem Mercedes-Sprinter mit deutschem Kennzeichen unterwegs waren. Der 48 Jahre alte Autobesitzer stand laut „JDD“ in der deutschen Behördenliste mit „Gefährdern“. Auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dies habe eine Kennzeichenabfrage ergeben.

Das zuständige Polizeipräsidium in Reutlingen wollte den SWR-Bericht nicht kommentieren. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart äußerte sich am Donnerstag auf Anfrage nicht, ebenso wenig die Bundesanwaltschaft.

Hintergrund der Zwischenfälle mit Drohnen unklar

Der Verdacht auf geplante Anschläge von Islamisten wurde noch verstärkt durch einen Hinweis des marokkanischen Geheimdienstes. Darin hieß es, Islamisten hätten bei Facebook über einen Anschlag im deutsch-französischen Grenzgebiet gesprochen. Es soll auch von Flughäfen die Rede gewesen sein. Der Hinweis habe dazu beigetragen, die Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen in Baden-Württemberg zu erhöhen, sagten Sicherheitskreise. Ein konkreter Anschlagsplan sei bislang allerdings nicht bekannt.

Bei den Zwischenfällen mit Drohnen am Londoner Flughäfen Gatwick bleibt der Hintergrund unklar. Es sei nicht auszuschließen, aber wenig wahrscheinlich, dass Terroristen die Flugkörper hätten aufsteigen lassen, sagten Sicherheitskreise. „Das waren wohl eher Hobbypiloten“, hieß es. Mittwoch und Donnerstag wurde der Flugverkehr in Gatwick unterbrochen, weil Drohnen über das Gelände flogen. Mehrere Zehntausend Passagiere mussten stunden lang warten.

Sicherheitsexperten warnen allerdings schon lange vor Anschlägen mit Drohnen. Die Terrormiliz IS hatte im Kampf um die irakische Großstadt Mossul mit zahlreichen unbemannten Flugkörpern, die mit Sprengsätzen bestückt waren, die irakische Armee attackiert. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sagte kürzlich dem Tagesspiegel, die Polizei bereite sich auf „Szenarien“ vor, in denen Terroristen Drohnen nutzen.

Unterdessen wird der Verdacht stärker, für den Mord an zwei skandinavischen Studentinnen in Marokko seien militante Islamisten verantwortlich. „Der radikale Islam ist wegen des Profils des festgenommenen Verdächtigen und der drei gesuchten Männer nicht ausgeschlossen“, hieß es in marokkanischen Polizeikreisen. Die Studentinnen aus Dänemark und Norwegen waren am Montag am Berg Toubkal gefunden worden. Die Täter hatten eine Frau erstochen, die andere wurde enthauptet. (mit dpa)

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