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Thomas Kemmerich (FDP) bei einer Plenarsitzung des Thüringer Landtags.
© picture alliance/dpa

Thüringer Liberalen-Chef macht weiter: Thomas Kemmerich tritt erneut als FDP-Landesvorsitzender an

Im November will der Thüringer Skandal-Politiker erneut FDP-Chef in Thüringen werden – obwohl ihm der Bundesvorsitzende Christian Lindner davon abrät.

Von Paul Starzmann

Der Thüringer FDP-Vorsitzende und ehemalige Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich will im Herbst erneut als Landeschef seiner Partei antreten. „Ich werde im November für das Amt das Landesvorsitzenden kandidieren“, sagte der 55-Jährige am Dienstag dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). „Die Partei wird entscheiden.“

Damit stellt sich Kemmerich erneut gegen FDP-Chef Christian Lindner, der seinem Parteikollegen zuletzt von einer erneuten Kandidatur abgeraten hatte. „Mit Blick auf das Ansehen der FDP insgesamt“ hatte Lindner Ende Juli im Interview mit dem ZDF Kemmerich empfohlen, den Landesvorsitz nicht erneut anzustreben.

Der Thüringer Parteichef, der auch Vorsitzender der fünfköpfigen Fraktion im Thüringer Landtag ist, will davon aber offenbar nichts wissen.

Kemmerich wird zum FDP-Dauerproblem

Kemmerich hatte zuletzt inner- und außerhalb der FDP massive Kritik für seine fehlende Abgrenzung nach rechts außen auf sich gezogen. Anfang Mai hatte der 55-Jährige in Gera bei einer von Rechtsradikalen mitorganisierten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen eine Rede gehalten. Nach Kritik daran gestand er den Auftritt als Fehler ein und ließ seinen Posten als Beisitzer im FDP-Bundesvorstand ruhen.

Bis Jahresende, so sagte er damals, wolle er entscheiden, welche Rolle er „künftig in der Partei noch ausfüllen kann und will“. Nun ist klar: Er sieht seine Aufgabe weiterhin als Chef der Thüringer FDP.

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Für die Freidemokraten wird die Causa Kemmerich damit zum Dauerproblem, das seit Februar kein Ende nimmt.

Damals ließ sich der FDP-Politiker mit Stimmen von Union, FDP und auch der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten wählen. Das stürzte nicht nur die Liberalen in eine schwere Krise, sondern wirbelte auch die Bundespolitik durcheinander – in der Folge trat Annegret Kramp-Karrenbauer von ihrem Amt als CDU-Chefin zurück. FDP-Chef Lindner drängte Kemmerich zum Rückzug. Der gab sein Amt nach nur drei Tagen auf.

Dass er dazu in der Öffentlichkeit bislang nie Stellung genommen hat, wurde auch in seinem eigenen Landesverband kritisiert. Kemmerich habe sich „völlig verrannt und eingegraben“, hieß es aus dem Erfurter FDP-Kreisverband, dessen Vorsitzender Kemmerich ist.

Die Bananenschale der AfD

„Die AfD hat mir eine Banane hingeworfen und ich bin darauf ausgerutscht“, sagte Kemmerich nun rückblickend. Er habe nicht damit gerechnet, dass die AfD-Fraktion ihre Stimmen geschlossen an ihn – und nicht an ihren eigenen Kandidaten – geben würde. Dass er als Ministerpräsident antrat, erklärt Kemmerich heute damit, dass die CDU keinen Kandidaten ins Rennen schickte.

Der damalige Thüringer CDU-Chef Mike Mohring hätte antreten sollen, sagte Kemmerich dem MDR. „Als er es nicht tat, war ich der Kandidat der bürgerlichen Mitte.“

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Ob Kemmerich bei der für kommendes Jahr vorgesehenen Thüringer Landtagswahl erneut als Spitzenkandidat antritt, ließ er offen. Im Wahlkampf 2019 hatte der FDP-Politiker viel Unterstützung von der Bundespartei bekommen. Kemmerich, der gerne in Cowboy-Stiefeln als seinem „Markenzeichen“ auftritt, galt in der FDP damals als „kantiger Typ“ mit klaren Botschaften und Charisma. Viele Parteikollegen lobten Kemmerichs Wahlkampf.

Lindner nannte es im Oktober noch ein „Privileg, so eine Persönlichkeit in unseren Reihen zu haben“. Das dürfte der Parteichef inzwischen deutlich anders sehen.

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