• Türkischer Präsident auf Staatsbesuch: Was Erdogans islamistischer "Rabia-Gruß" bedeutet

Türkischer Präsident auf Staatsbesuch : Was Erdogans islamistischer "Rabia-Gruß" bedeutet

Vier Finger gereckt und den Daumen angewinkelt: Wie der türkische Präsident Erdogan in Berlin mit dem "Rabia-Gruß" allen Islamisten ein Zeichen gab.

Erdogan grüßt mit seinem islamistischen Rabia-Gruß, ein Anhänger antwortet mit dem faschistischen Wolfsgruß.
Erdogan grüßt mit seinem islamistischen Rabia-Gruß, ein Anhänger antwortet mit dem faschistischen Wolfsgruß.Foto: Kemal Hür

Wie der Journalist Kemal Hür auf seiner Facebook-Seite berichtet, zeigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag auf seiner Fahrt durch Berlin seinen Anhängern den sogenannten „Rabia-Gruß“. Dieser Gruß, bei dem vier Finger in die Luft gereckt werden und der Daumen angewinkelt auf die Handfläche gepresst wird, ist das Symbol der islamistischen Muslimbrüder, Erdogan hat ihn schon öfter verwendet. Auf den Bildern von Kemal Hür ist zu sehen, wie Anhänger mit dem sogenannten „Wolfsgruß“ reagieren. Der Wolfsgruß, im Vordergrund des Bildes zu sehen, ist das Erkennungszeichen extremistischer türkischer Nationalisten, der sogenannten „Grauen Wölfe“.

Erdogan will vermutlich auch außerhalb der Türkei gegenüber Muslimen deutlich machen, dass er den Islamismus unterstützt.

Entstanden ist der Rabia-Gruß 2013 in Kairo, als das ägyptische Militär eine Sitzblockade der islamistischen Muslimbruderschaft auf dem Rabia-al-Adawiya-Platz gewaltsam auflöste. Dabei starben Schätzungen zufolge über 1000 Menschen. Das Militär hatte gegen die demokratisch gewählte Muslimbruderschaft geputscht. Von da an wurde der Rabia-Gruß zum Erkennungszeichen der Islamisten.

Oft auch als "R4bia" dargestellt

„Rabia“ bedeutet unter anderem „vier“ auf Arabisch. Das Symbol wird deshalb häufig auch als „R4bia“ dargestellt. Es wurde offenbar gewählt, weil das Massaker in Kairo am 14. August stattfand. Für viele Beobachter zeigt Erdogan mit diesem Gruß, dass er auch zur arabischsprachigen Welt steht, obwohl er die Türkei repräsentiert. Dahinter verbirgt sich möglicherweise ein Großmachtanspruch, der alle Muslime umfassen soll, auch die in der arabischen Welt, mit der er sich verbünden möchte.

Auch nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 demonstrierte er mit seinen vier Fingern seinen Sieg. Muslime von Tunesien über Ägypten bis in den Irak wissen, was das Zeichen bedeutet.

Mit der offiziellen Einstufung der Muslimbruderschaft als Terrororganisation durch die Militärregierung Ägyptens am 25. Dezember 2013 wurde die Verwendung des Rabia-Zeichens in Ägypten unter Strafe gestellt. Als Strafmaß für das Verwenden des Rabia-Zeichens in sozialen Medien wurden am 27. Dezember 2013 fünf Jahre Haft verkündet.

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Der ägyptische Fußballspieler Ahmed Abdel-Zaher wurde am 11. November 2013 von seinem Verein, Al Ahly Kairo, wegen Vermischung von Sport und Politik gesperrt, weil er das Handzeichen in einem Spiel am vorigen Tag verwendet hatte. Der ägyptische Sportminister Taher Abu Zeid äußerte in einer Stellungnahme, dass er erwarte, dass Abdel-Zaher von der Egyptian Football Association genauso gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt werde wie der ägyptische Wushu-Kämpfer Mohamed Yousuf Ramadan, der beim Empfang der Goldmedaille bei den World Combat Games Ende Oktober in Sankt Petersburg ein T-Shirt mit dem Rabia-Symbol getragen hatte. (Tsp)

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