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Türmer bleibt Juso-Chef: „Ich will, dass die wieder Angst vor uns haben“
Der Juso-Bundesvorsitzende Philipp Türmer wurde am Freitag mit einem Ergebnis von 66,7 Prozent wiedergewählt. In seiner Bewerbungsrede kamen insbesondere Vermögende nicht gut weg.
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Philipp Türmer bleibt Bundesvorsitzender der Jusos. Der 29-Jährige wurde am Freitagabend auf dem Bundeskongress des SPD-Parteinachwuchs in Mannheim mit einem Ergebnis von 66,7 Prozent gewählt. 196 Delegierte stimmten für ihn, 79 dagegen, 19 enthielten sich. Es gab keine Gegenkandidaten.
Türmer führt die Jungsozialisten bereits seit zwei Jahren. Damals setzte er sich mit einem Ergebnis von 54 Prozent knapp gegen Sarah Mohamed aus Nordrhein-Westfalen durch. Zum Vergleich: Türmers Vorgängerin Jessica Rosenthal wurde 2021 mit über 73 Prozent gewählt, Kevin Kühnert 2019 mit rund 89 Prozent.
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In seiner weniger als 20-minütigen Bewerbungsrede sprach der SPD-Politiker zunächst mit gedämpfter Stimme über seine eigene Politisierung und soziale Ungleichheit. „Ich hatte das Privileg Eltern zu haben, die immer Zeit hatten“, sagte Türmer. Ein Schulfreund habe die gleichen Veranlagungen, Talente und Stärken gehabt wie er, aber keine elterliche Unterstützung. „Als ich zu den Jusos gekommen bin, ist er ins Jugendgefängnis gegangen“, sagte er: „Diese Ungerechtigkeit hat mich wütend gemacht.“
Anschließend kritisierte er die weiter geringe soziale Mobilität. „Der Satz ,jeder kann es schaffen’ ist Bullshit.“ Immer noch würden Geschlecht, Herkunft und finanzielle Mittel einen Unterschied machen. „Es verfestigt sich eine neue Klassengesellschaft“, sagte Türmer. Im Laufe seiner Rede wurde er immer lauter, sein Ton schärfer und der Applaus größer.
„Das große Los in der Erbenlotterie“
Wiederholt arbeitete er sich an wohlhabenden Menschen ab. Vielen gehe es nur darum, die eigenen Privilegien und den eigenen Reichtum zu rechtfertigen. Die gesellschaftlichen Konflikte verliefen zwischen „denjenigen, die von ihrer Arbeit leben müssen, und denjenigen, die das große Los in der Erbenlotterie gezogen haben“.
Wenn sich die Reichen für Barbarei entscheiden, dann „fuck you“, unsere Antwort heißt Sozialismus.
Philipp Türmer, alter und neuer Juso-Vorsitzender
An die Adresse der Vermögendsten im Land sagte er: „Ich will, dass denen das Lachen im Hals stecken bleibt und die wieder Angst vor uns haben.“ Die Annäherung des Lobbyverbandes „Die Familienunternehmer“ an die AfD verurteilte Türmer. „Wenn sich die Reichen für Barbarei entscheiden, dann ,fuck you’, unsere Antwort heißt Sozialismus.“
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer gratulierte Türmer zu seinem Wahlergebnis. „Du führst den Verband sehr erfolgreich“, sagte der SPD-Politiker in seinem Grußwort auf dem Bundeskongress. „Du hast ihm eine starke Stimme gegeben.“ Er dankte Türmer für seine „irre Präsenz“.
Im Mannheimer Rosengarten findet an diesem Wochenende unter dem Motto „Zukunft wird mit uns gemacht“ der Juso-Bundeskongress statt. Neben den Wahlen des Bundesvorsitzenden und seiner Stellvertreterinnen und Stellvertreter wollen die Jungsozialisten auch ein Arbeitsprogramm für die nächsten zwei Jahre beschließen. Am Samstag werden die SPD-Parteivorsitzende und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf erwartet.
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