US-Präsidentschaftswahl : Ex-Starbucks-Chef Howard Schultz als Kandidat?

Warum die Demokraten eine Kandidatur des früheren Kaffeehaus-Unternehmers bei der Präsidentschaftswahl 2020 fürchten.

Vielleicht bald Kandidat: Howard Schultz, ehemaliger Starbucks-Chef.
Vielleicht bald Kandidat: Howard Schultz, ehemaliger Starbucks-Chef.Foto: Elaine Thompson/AP/dpa

Drei Monate lang will er reisen. Quer durchs Land. Er will die Stimmungen erspüren, und natürlich will er seinen eigenen Marktwert testen. Denn Howard Schultz ist Unternehmer, durch und durch. Mehr als 20 Jahre lang hat er erfolgreich Starbucks geleitet, hat die sieben kleine Läden umfassende Kaffeehauskette in Seattle zu einem Weltkonzern mit mehr als 350.000 Mitarbeitern aufgebaut. Nun hat er ein Buch geschrieben – und erwägt eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2020. Nach der dreimonatigen Tour, bei der er sein am Montag erschienenes Buch „From the Ground Up: A Journey to Reimagine the Promise of America“ vorstellt, will er entscheiden, ob er antritt.

Das gefällt nicht jedem. Denn der 65-Jährige, der sich selbst als „lebenslanger Demokrat“ bezeichnet und in den vergangenen Wahlkämpfen Barack Obama und Hillary Clinton unterstützt hat, würde als „unabhängiger Zentrumskandidat außerhalb des Zwei-Parteien-Systems“ antreten, wie er in der Sendung „60 Minutes“ sagte. Weder Donald Trumps Republikaner noch die oppositionellen Demokraten kümmerten sich darum, „was im Interesse des amerikanischen Volks nötig ist“. Die beiden großen Parteien würden sich nur mit „Rachepolitik“ beschäftigen, und sie seien im übrigen gleichermaßen für die hohe Staatsverschuldung verantwortlich.

Der gigantische Schuldenberg von 21 Billionen Dollar regt den Self-Made-Milliardär, der in einer Sozialwohnung in Brooklyn aufgewachsen ist, ganz besonders auf. In der „New York Times“ beklagte er, die Demokraten seien zu weit nach links gerutscht, wenn sie mit kostenlosem Studium und Krankenversicherung sowie einem Job beim Staat für alle werben würden. „Wie sollen wir das bezahlen, ohne pleite zu gehen?“ Diese Erzählung sei so falsch wie die von Trumps Mauer.

Er spalte das Lager der Trump-Gegner, heißt es

Das demokratische Establishment reagiert erwartungsgemäß empört. Der Präsidentschaftskandidat Julian Castro sagte dem Sender CNN, träte Schultz wirklich als Unabhängiger an, könne sich Trump größte Hoffnung auf eine Wiederwahl machen. Und Neera Tanden, Präsidentin des Center for American Progress und einst Beraterin von Hillary Clinton, brachte auf Twitter gar einen Starbucks-Boykott ins Spiel. Sie fürchten, dass ein unabhängiger Kandidat die Trump-Gegner spalte und die Demokraten wichtige Stimmen koste.

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Schultz weiß, dass er Ärger auf sich zieht, auch von engen Freunden. Aber sein Lager argumentiert damit, dass viele liberale Wähler nach einem politischen Zuhause suchten. Und verweist auf Umfragen wie die des Gallup-Instituts: Darin bezeichnen sich 39 Prozent als unabhängig und nur 34 Prozent als Demokraten.

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