Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Britischen Kuchen essen, Boeing 737 Max fliegen – und Assange anklagen. Antworten des Kolumnisten auf vier Fragen des Tages.

Auf einer Demonstration in Sydney, Australien, fordern Mitmarschierende die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Auf einer Demonstration in Sydney, Australien, fordern Mitmarschierende die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange.Foto: imago

Wir trauen uns ja kaum, das B-Wort noch zu verwenden, aber es gilt die Chronistenpflicht: Hält WmdW die erneute Brexit- Fristverlängerung für richtig?

Nicht nur das, sondern für unverzichtbar. Wir verlängern um ein Jahr, dann um ein zweites, drittes… Das macht alle glücklich. Die „Brexiteers“ sind zufrieden, weil London auf dem Weg nach draußen ist. Die Europhilen freuen sich, weil Britannien erst einmal drin bleibt. Alle essen ihren Kuchen und können ihn trotzdem behalten. Genial! Wieso sind die Großkopfeten in Brüssel und Westminster nicht selber darauf gekommen?

Zum ersten Mal wird eine staatliche Militäreinheit als Terrororganisation eingestuft, nämlich die iranischen Revolutionsgarden von der Regierung Donald Trump. Was folgt daraus?

Hier geht es vorweg nicht um die Revolutionsgarden als Speerspitze der Expansion und Schutztruppe des Regimes. Die Gardisten beherrschen einen großen Teil der iranischen Wirtschaft. Ihr Netzwerk in der Türkei und in der UAE (den Emiraten) hilft Teheran die Finanzsanktionen zu umgehen und Geld im großen Maßstab zu waschen, das wiederum militärische Operationen in Syrien, Irak und Libanon finanziert. Jetzt wollen die USA Ankara und Abu Dhabi „überzeugen“, diese Kanäle auszutrocknen. Sonst drohen ihnen ebenfalls Sanktionen.

Mal was Praktisches: Hätte WmdW noch irgendwo ein Flugzeug, das er der Bundesregierung borgen könnte? Wir sind es leid, über gestrandete Minister zu berichten.

Es gibt eine ganze Flotte stillgelegter Boeing 737 Max. Um die Pleite zu umgehen, arbeitet Boeing fieberhaft an einer neuen Software, die das Flugzeug nicht in den Sturzflug zwingt. Das lässt sich recht einfach reparieren, und um das Vertrauen der Kundschaft wiederzugewinnen, wird Boeing die Flieger mit einem massiven Discount verleasen. Finanzminister Olaf Scholz würde Millionen sparen, müsste aber eine gewisse Risikofreude aufbieten, die Hamburger nicht haben. Also: Bleibt in Berlin oder nehmt die Deutsche Bahn. Irgendwann kommt die immer an – und billiger ist sie sowieso.

Ein sicher nicht letztes Wort zu Julian Assange…

Assange hat den USA geschadet; deshalb gehört er vor Gericht. Aber wie die Sache ausgeht, ist eine andere Story. Er wird nicht nur von links gefeiert, von Leuten, die Amerikas Einsätze in Afghanistan und Irak torpedieren wollten. Auch rechts hat er Freunde, weil Wikileaks Hillary Clintons Wahlkampf mit gehackten Emails unterminierte. Trump krähte damals: „I love Wikileaks“. Kommt Assange vor ein US-Gericht, kriegt er eine Bühne, wo er sich als Vorkämpfer der Transparenz stilisieren kann. Ein Millionenvorschuss für ein Buch ist ihm sicher.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".

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