Von wegen arme Corona-Generation : Abiturienten brauchen kein Mitleid

Wer sein Abschlusszeugnis jetzt in Händen hält, ist fein raus. Schlechter geht es Schülern und Uni-Abgängern. Aber deren Lobby ist nicht so gut. Ein Zwischenruf.

Nur noch schnell die Aufgaben lösen und dann hinaus ins pralle Leben - Corona hin oder her! Abiturprüfungen im Jahr 2020 (hier Szenenbild aus Ravensburg).
Nur noch schnell die Aufgaben lösen und dann hinaus ins pralle Leben - Corona hin oder her! Abiturprüfungen im Jahr 2020 (hier...Foto: Felix Kästle/dpa

Die „Generation Corona“ genießt zur Zeit wegen ihrer vermeintlich verpassten Chancen größte Anteilnahme. Vor allem die Abiturienten des Jahrgangs 2020 werden bedauert. Doch der verpasste Abiball, das gestrichene „Gap Year“ und die nicht gerade berauschende Aussicht auf ein Online-Erstsemester ruinieren das Leben nicht. Im Gegenteil.

Eine Studie des Münchner Ifo-Instituts zeigt, dass sich Wirtschaftskrisen anders auf die Lebenschancen auswirken als vielfach vermutet. Wer im Jahr einer tiefen Rezession von der Schule abgeht, studiert häufiger als der Abiturient des Vor- oder des Folgejahres, er macht eher seinen Abschluss, bildet sich später fleißiger weiter und ist im Beruf erfolgreicher.

Es ist Zeit, sich den wirklichen Verlierern zuzuwenden: Schülern und Hochschulabsolventen. Wer jetzt noch zur Schule geht, hat schon so viel verpasst, dass das Aufholen schwierig wird. Statt wie in normalen Zeiten 7,4 Stunden täglich, verbrachten die Schülerinnen während des Lockdown durchschnittlich 3,6 Stunden am Tag mit Schulstoff.

Wer aber weniger Unterricht hat, macht schlechtere Abschlüsse, verdient in seinem Leben weniger und ist häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Besonders trifft es diejenigen, die von ihren Eltern kaum unterstützt werden können.

Hochschulabsolventen suchen länger, bis sie ihre erste Stelle gefunden haben, und werden schlechter bezahlt als Jungakademiker, die in guten Zeiten auf den Arbeitsmarkt kommen. Oft dauert es ein Jahrzehnt, bis sie den Rückstand aufholen können.

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Statt sich allgemein um die „verlorene Generation“ zu sorgen, sollten die Bildungspolitiker jetzt genau hinschauen. Schüler müssen mehr und intensiver lernen als in allen Jahren zuvor. Es ist zwar eine Zumutung, aber es wäre vernünftig, die Schulferien fürs Erste deutlich zu verkürzen. Hochschulabgänger müssen zu Weiterbildungen und Stellenwechsel ermutigt werden, um den Rückstand schneller wettmachen zu können.

Und die Abiturienten? Sie haben zwar die lauteste Lobby. Aber mutmaßlich das geringste Problem.

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