
© dpa/Bernd Weißbrod
Wahlkampf in Baden-Württemberg: Warum Özdemir gewinnen kann
Cem Özdemir fordert ein Sicherheitskonzept für öffentliche Räume mit KI-gestützter Videoüberwachung. Er wirft grüne Glaubenssätze über Bord und wirbt so um Stimmen aus der Mitte.

Stand:
Bei den Themen Jobs, Wirtschaft und Migration hat Cem Özdemir längst bewiesen, wie ernst es ihm ist, führende Kraft in der politischen Mitte werden zu wollen.
Indem er Kommunen „einfache und pragmatische Regeln für Videoüberwachung an unsicheren Orten“ ermöglichen will und Pilotprojekte wie die intelligente, KI-gestützte Videoüberwachung in Mannheim lobt, akzentuiert er nun seinen Kurs bei der Inneren Sicherheit.
Özdemir gibt sich damit als Kämpfer für den gesunden Menschenverstand, als Grüner, der um die Sorgen vieler Menschen weiß und bereit ist, grüne Glaubenssätze über Bord zu werfen.
Er weiß, dass er nur mit einem Mitte-Kurs die Chance hat, bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg stärkste Kraft zu werden und so sein Vorbild Winfried Kretschmann zu beerben.
Schwer genug ist das aber selbst mit einem Mitte-Kurs. In Baden-Württemberg, wo am 8. März der Landtag neu gewählt wird, liegen die Grünen in der jüngsten Umfrage hinter ihrem bisherigen Juniorpartner CDU und sogar hinter der AfD. Die CDU wird gar neun Prozentpunkte vor den Grünen taxiert.
Ob Özdemir in den faktisch zwei Monaten Wahlkampf ab Anfang Januar diesen Rückstand aufzuholen versteht?
Der Ausgang der März-Wahlen wird davon abhängen, wie die Bundesregierung von Friedrich Merz dann dastehen wird – und wem die Badener und Schwaben eher vertrauen: Hagel oder eben Özdemir?
Daniel Friedrich Sturm
Es wäre eine neuerliche Überraschung im zunehmend überraschenden deutschen Parteien- und Wahlsystem. Özdemir ist schließlich weitaus beliebter als der vergleichsweise blasse CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel.
Der übrigens hatte sich im November für den später gescheiterten, „sehr guten“ Rentenvorschlag der Jungen Union starkgemacht und die parteiinternen Merz-Kritiker angefeuert: „Bauch rein, Brust raus, stabil bleiben!“
Man hat schon klügere Wahlkampfstrategien erlebt.
Gewiss, die Grünen haben es schwer derzeit. Doch der CDU geht es kaum besser. Der Ausgang der März-Wahl wird davon abhängen, wie die Bundesregierung von Friedrich Merz dann dastehen wird – und wem die Badener und Schwaben eher vertrauen: Hagel oder eben Özdemir?
Ein Sieg Özdemirs wäre eine kleine Sensation. Die CDU hat die Rückeroberung des Staatsministeriums in Stuttgart längst eingepreist. Sollte ihr das jedoch misslingen, wird die Unruhe in der CDU erheblich zunehmen.
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