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CSU-Chef Markus Söder bei der JU-Landesversammlung in Bayern
© Armin Weigel/dpa

Söder kommt nicht zur Jungen Union: Wenn das Zugpferd scheut

Die Junge Union ist sauer: Markus Söder sagt den Auftritt beim JU-Deutschlandtag ab. Der CSU-Chef fürchtete unangenehme Fragen. Und das mit Recht.

Von Robert Birnbaum

Markus Söder ist bekanntlich kein guter Verlierer, aber dass der CSU-Chef vor einer Herausforderung regelrecht kneift, findet mancher in der CDU dann doch bemerkenswert.

Söder war nach alter Tradition zum Deutschlandtag der Jungen Union in Münster eingeladen, genauso wie der CDU-Vorsitzende Armin Laschet. Doch der Bayer hat wissen lassen, dass er am Samstag dringenderes zu tun habe. Er müsse nach Oberfranken zur Basiskonferenz.

Nun hat die CSU-Basis Aufmerksamkeit im Moment sicher nötig und umgekehrt Söder allen Anlass, Unzufriedene zu besänftigen.

Aber bei der Schwesterpartei wird genau registriert, dass Termine für diese Basistreffen sich neuerdings auffällig mit Söders Interessen decken. Schon die geplante Jamaika-Vorsondierung mit der FDP an einem Samstag – symbolisch bedeutsam einen Tag vor dem Treffen FDP-SPD – sagte der CSU-Chef mit dieser Begründung ab.

Jetzt also die Junge Union. JU-Chef Tilman Kuban reagiert unwirsch. Er erinnerte den Bayern in der „Rheinischen Post“ daran, dass sich die JU für ihn als Kanzlerkandidaten eingesetzt hatte. Schon von daher wäre es richtig gewesen, wenn er sich jetzt der Diskussion gestellt hätte über die Gründe für den Absturz und den „Umgang zwischen den beiden Parteien“.

Über seine Hackentreterei im Wahlkampf reden will Söder aber genau nicht. Er könnte sich in der Halle Münsterland ja nicht mal auf die eigene Prätorianergarde verlassen.

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Denn ausgerechnet der CSU-Zweig der JU hat ihm vorige Woche eine Niederlage beigebracht, die nur deshalb kaum auffiel, weil es bei der CDU noch mehr drunter und drüber ging.

Bei der JU-Landesversammlung in Deggendort sollte ein Antrag verabschiedet werden, der sich dezent kritisch mit der eigenen Partei befasste. Ein frisches Team wurde gefordert, „das glaubhaft die ganze Breite unserer Volkspartei abbildet“. Ein Team, so hieß es aber beschwichtigend im Entwurf, „hinter unserem starken Zugpferd Markus Söder“.

Ein Delegierter widersprach: Es brauche keine One-Man-Show. Die JU-Spitze versuchte zu retten, vergebens. Das Zugpferd wurde mit großer Mehrheit gestrichen.

Hinterher erklärten alle Großmögenden, das sei nicht so böse zu nehmen. Aber der Schuss traf eine empfindliche Stelle.

So sehr Söder versucht, die Wahlniederlage bei Laschet und der CDU abzuladen, so wenig kann er verdecken, dass sein komplett auf ihn selbst und Bayern konzentrierter Wahlkampf auch nichts gebracht hat. 31,7 Prozent sind für die CSU so schlimm wie 18,9 für die CDU.

Und die erste Umfrage nach der Wahl bestätigte den Absturz. Ändert sich das nicht rasch, wird der Weg zur Landtagswahl in zwei Jahren ungemütlich.

Und wenn sie in Bayern erst merken, dass nicht mehr der CSU-Ortsvorsitzende den kurzen Draht nach Berlin für die neue Umgehungsstraße hat, sondern der Sozi oder der Grüne, wird es noch ungemütlicher.

Söder galt im Rest der Republik als idealer Kanzlerkandidat. In Bayern hingegen wissen sie: Eine Wahl gewonnen hat der selbst ernannte „Kandidat der Herzen“ bisher nicht.

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