• Wie China gegen das Coronavirus kämpft: Ein QR-Code informiert über den Gesundheitszustand

Wie China gegen das Coronavirus kämpft : Ein QR-Code informiert über den Gesundheitszustand

Deutschland diskutiert über die Nutzung von Handy-Daten in der Viruskrise. Welche Erfahrungen hat China mit seinen Apps gemacht?

Ning Wang
Mit dieser Gesundheitsapp von Ping An können sich Chinesen ärztlich beraten lassen.
Mit dieser Gesundheitsapp von Ping An können sich Chinesen ärztlich beraten lassen.Foto: REUTERS/Florence Lo/Illustration/File Photo

Einfach große Teile der Bevölkerung unter Quarantäne zu stellen, hat nicht geholfen, die neue Covid-19-Krankheit in China einzudämmen oder zu verlangsamen. Daher haben die Behörden sehr schnell zu Maßnahmen wie Phone-tracking-Technologie, freiwilliger Registrierung, aber auch anderer Überwachungstechnologien gegriffen, um die Verbreitung des Virus nachzuverfolgen und dann gezielt Bezirke in Großstädten oder aber ganze Regionen abzuriegeln.

Geholfen hat den chinesischen Behörden dabei, dass sie direkt auf Informationen von Telefongesellschaften, Eisenbahnen und Fluggesellschaften zugreifen können. Und Nutzer können beim staatlichen Mobilfunkanbieter China Mobile ihre Bewegungsdaten bis zu einem Monat per SMS abrufen, um den lokalen Behörden nachweisen zu können, wo sie sich aufgehalten haben.

Auch Handy-Apps wie Alipay oder WeChat, die fast alle Bürger auf ihren Smartphones haben, werden von der Regierung verwendet, um die Interaktionen der Betroffenen zu verfolgen und dadurch deren Kontakte nachzuvollziehen.

Menschen, die sich im gleichen Flugzeug, im selben Zugabteil oder in U-Bahn und Bus mit einem Infizierten aufgehalten haben, könnten so gewarnt werden, loben die Staatsmedien den Ansatz von Start-ups oder Technologieunternehmen wie Tencent und der Alibaba-Tochter Ant Financial. Sie bieten derzeit Plattformen an, auf denen man nachverfolgen kann, ob man in die Nähe eines Infizierten gekommen ist.

So soll in der Zehn-Millionen-Metropole Hangzhou bereits eine App von Alibaba auf Basis von Algorithmen bestimmen, wessen QR-Code im Telefon mit welchem Farbcode versehen wird.

Ein Farbcode informiert über den Zustand des Handybesitzers

Die Nutzer von Alibaba werden angewiesen, Fragen zu Reisen, der Körpertemperatur oder ob man Husten oder Fiebersymptome hat zu beantworten. Anmelden muss man sich mit seiner persönlichen Identitätsnummer. Daraufhin erhält man einen farbbasierten QR-Code, der den Gesundheitszustand des Telefonbesitzers darstellt. Grün zeigt den in der Stadt verteilten Kontrollstellen an, dass man sich noch frei bewegen kann. Gelb besagt, dass man sieben Tage, und Rot, dass man zwei Wochen in Quarantäne sollte.

In der Provinz Zhejiang nutzen mehr als 50 Millionen Menschen diese App, das sind mehr als 98 Prozent der Bevölkerung. Chinesische Staatsmedien meldeten, das Alibaba-System werde an Bahnhöfen, entlang von Hauptstraßen und anderen Reisekontrollpunkten eingesetzt. In 200 Städten wird es bereits angewendet und so bald wie möglich soll es landesweit gelten.

Tencent, das die in China beliebte Messaging-App WeChat betreibt, berichtete über die Einführung eines ähnlichen QR-Code-basierten Tracking-Systems. Tencent entwickelte das System mit Hilfe des Nationalen Entwicklungs- und Reformrates Chinas. Unternehmen arbeiten dabei direkt mit der Regierung zusammen. Chinesische Bürger haben generell weniger Probleme mit dem Schutz ihrer Privatsphäre – sie sind es gewohnt, dass der Staat Zugriff auf alles hat.

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