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Privatweg. Diese Fahrbahn in Briest gehört einem Mann aus Berlin.

© Steyer

Brandenburg: Asphalt-Monopoly

Berliner kaufte Straße in Brandenburg / Jetzt rechnen alle nach, ob sich das gelohnt hat

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Briest - Der Käufer einer Straße in einem Wohnpark der Gemeinde Briest bei Brandenburg (Havel) könnte womöglich nicht viel Freude an seinem neuen Eigentum haben. Denn auf allen Plänen ist der sich entlang von rund100 Grundstücken schlängelnde Asphaltweg als öffentlich- rechtliche Straße ausgewiesen. „Dabei bleibt es auch nach dem Verkauf“, sagte die Sprecherin der zuständigen Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark, Andrea Metzler, dieser Zeitung. „Unsere Fachabteilungen haben den eigentümlichen Fall geprüft und können die aufgeregten Anwohner nur beruhigen.“ Diese brauchten keine Maut oder höhere Abwassergebühren zu befürchten. Die Kommune bleibe nach wie vor für die Straße zuständig und müsse auch den Winterdienst bezahlen.

Auf den Status als öffentlich-rechtliche Straße wurde der Käufer nach Auskunft des Amtsgerichtes Potsdam auch bei der Zwangsversteigerung des vor 15 Jahren auf privatem Gelände errichteten Wohnparks hingewiesen. Dennoch hatte der 71-jährige Wassim Saab, der in Berlin ein Übersetzungsbüro betreibt, für 1000 Euro die Straße erworben. Sie stand mit einem Verkehrswert von einem Euro in den Akten. Genauso viel wollte auch das Amt Beetzsee bieten, wozu Briest gehört. Den Zuschlag erhielt aber Saab, der 1000 Euro geboten hatte.

Dieser bekräftigte gegenüber den Anwohnern noch einmal seine Absicht, die Straße an die Kommune zu verkaufen. „Es ist alles eine Frage des Preises“, sagte Saab. Doch womöglich hat er seine 1000 Euro beim Versteigerungstermin, von dem er nach eigenen Angaben aus dem Internet erfahren hatte, in den Sand gesetzt. „Es besteht für die Kommunen keine Pflicht, eine öffentlich-rechtliche Straße auch zu kaufen“, sagte die Kreissprecherin Metzler. „Es gibt auch gar keinen zwingenden Grund oder gar Druck, einen solchen Schritt zu gehen.“ Einen exakten Preis für das 5200 Quadratmeter große Straßenstück kann ohnehin niemand festlegen. Jeder Fall liege anders, hieß es im Bauministerium. In Medienberichten war von einem Verkehrswert von 500 000 Euro die Rede.

Im 370 Einwohner zählenden Briest wird derweil heftig über die Gründe des Kaufs und die geschäftlichen Verbindungen des Straßenkäufers spekuliert. Bereits am Dienstag hatten sich Anwohner verwundert die Augen gerieben, als der Berliner Dolmetscher gemeinsam mit dem einstigen Investor des Wohnparks angereist war.

Vergeblich soll der Mann in der Vergangenheit versucht haben, die Straße an die Kommune zu verkaufen. Die lehnte aber wegen angeblicher Mängel ab. Der Dolmetscher Saab könnte dann in diesem Stück, das überregional so viel Kopfschütteln und Häme ausgelöst hatte, nur die Rolle des klassischen Strohmanns gespielt haben.Claus-Dieter Steyer

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