Brandenburg: Blickwinkel der Täter Ausstellung: Die Bilder des KZ-Kommandanten Koch
Berlin - Das Berliner Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zeigt ab dem heutigen Mittwoch in einer Sonderausstellung das dienstliche Fotoalbum des ersten KZ-Kommandanten von Sachsenhausen, Karl Otto Koch. Unter der Überschrift „Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen“ sind 100 von insgesamt rund 460 Bildern zu sehen, die die Entwicklung des deutschen KZ-Systems zwischen 1933 bis 1937 exemplarisch abbilden, sagte Kurator Günter Morsch am Dienstag in Berlin.
Stand:
Berlin - Das Berliner Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zeigt ab dem heutigen Mittwoch in einer Sonderausstellung das dienstliche Fotoalbum des ersten KZ-Kommandanten von Sachsenhausen, Karl Otto Koch. Unter der Überschrift „Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen“ sind 100 von insgesamt rund 460 Bildern zu sehen, die die Entwicklung des deutschen KZ-Systems zwischen 1933 bis 1937 exemplarisch abbilden, sagte Kurator Günter Morsch am Dienstag in Berlin. Morsch ist Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen bei der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.
„Das Album ist etwas Besonderes. Es zeigt den Dienst und das Selbstverständnis der KZ-SS“, sagte Morsch. Es verdeutliche den „Blickwinkel der Täter“. Das privat fotografierte Album zeige die Mörder aus der SS, wie sie sich selbst als „anständige Truppe“ stilisierten. Trotzdem seien solche Bildsammlungen im Allgemeinen von der SS gerade in Sachsenhausen vernichtet worden, weil sich dort die Verwaltung für alle Lager dieser Art befunden habe, sagte der Historiker. Damit nicht gemeint seien jedoch Vernichtungslager. „Mit dem Bau von Sachsenhausen im Sommer 1936, nur acht Kilometer von Berlin entfernt, beginnt die Phase der großen, vom Reißbrett aus geplanten KZ-Objekte. Koch war ein maßgeblicher Akteur dieses Systems.“ Laut Morsch wurde das Album vor etwa zehn Jahren von Mitarbeitern der Gedenkstätte in den Archiven des russischen Geheimdienstes entdeckt. Bis 1945 soll es sich im KZ Buchenwald befunden haben, wo es Mitglieder der US-Armee entdeckten. Nach Einschätzung des Geschäftsführenden Direktors der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, zeigen vor allem die Bildunterschriften „die Denke“ des Fotografen. In der Ausstellung wurden die originalen Bildunterschriften mit aktuellen, wissenschaftlich fundierten Erklärungen versehen.
Der gelernte Kaufmann Koch nahm ab 1933 Führungsaufgaben in KZs wahr. Vor Sachsenhausen fungierte er unter anderem als Kommandant der Lager Hohnstein in der Sächsischen Schweiz, Sachsenburg bei Chemnitz, Esterwegen im Emsland und „Columbia“ in Berlin-Tempelhof. Ab 1937 baute er das KZ Buchenwald bei Weimar auf. Nach Korruptionsvorwürfen folgte seine Versetzung in das KZ Majdanek, später wurde Koch selbst als Häftling in Buchenwald interniert, wo ihn eigene Leute im April 1945 umbrachten.
Die Ausstellung ist bis Februar 2011 zu sehen. Ab April soll laut Nachama eine Schau zum Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem gezeigt werden. Die umgestaltete Topographie in Nachbarschaft des Martin-Gropius-Baus öffnete im Mai 2010 für Besucher. Torsten Hilscher
Torsten Hilscher
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: