Brandenburg: Gegen den Trend
Zukunftsagentur zieht positive Bilanz: In Brandenburg wird trotz Wirtschaftskrise weiter investiert
Stand:
Potsdam - Kurzarbeit und Auftragseinbrüchen in der Metallbranche und Automobilbranche zum Trotz: Innovative Branchen wie die Biotechnologie, ein robuster Mittelstand und die Anziehungskraft des neuen Hauptstadtflughafens BBI in Schönefeld sollen die Folgen der Wirtschaftskrise in Brandenburg abmildern. Das hoffen zumindest Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) und der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB). Grund für die Hoffung bietet die gestern vorgelegte Jahresbilanz der Wirtschaftsfördergesellschaft: Demnach hat die ZAB mit 125 Vorhaben so viele Ansiedlungsprojekte betreut wie nie zuvor. Die damit verbundenen Investitionen beliefen sich auf etwas mehr als eine Milliarde Euro, nach 720 Millionen Euro im Jahr 2007. Zusagen für insgesamt 3301 neue Arbeitsplatze liegen vor, im Jahr zuvor waren es 3731.
Für dieses Jahr wollte ZAB-Geschäftsführer Detlef Stronk keine genaue Prognose abgeben, nur so viel, dass im Vergleich zu den Rekordergebnissen der vergangenen drei Jahre ein spürbarer Rückgang zu erwarten sei. Dennoch gab sich Stronk verhalten optimistisch: Denn die Zahl der heimischen Unternehmen, die in eine Erweiterung investieren, stieg 2008 um die Hälfte auf 76 Projekte deutlich an, ebenso die Zahl neuer Jobs von 1253 auf 1893. „Der Brandenburger Mittelstand hat inzwischen kräftige Wurzeln geschlagen“, so Stronk. Unternehmen, die sich niederlassen, bleiben dauerhaft und wüchsen stetig. Daneben haben sich 49 Firmen in Brandenburg neu angesiedelt, 19 kamen aus dem Ausland – das ist der zweithöchste Anteil in der Geschichte der ZAB. Die setzt angesichts des Wirtschaftskrise auf Brandenburger Unternehmen mit innovativen Ideen. Allein die Hälfte der Ansiedlungen im vergangenen Jahr kam aus dem Bereich der Spitzen- und Hochtechnologien, der zuständige Geschäftsführer Steffen Kammradt spricht vom besten Jahr seit Gründung der Agentur im Jahr 2001. So richtete die Human Bio Sciences GmbH (HBS), Produzent und Entwickler für Biomedizinprodukte, eine komplette Produktionsstrecke mit 100 neuen Arbeitsplätzen in Luckenwalde (Teltow-Fläming) ein. In Hennigsdorf (Oberhavel) will eine deutsch-russische Kooperation aus derselben Branche investieren. Vielversprechend sei auch die GlucoMetrix AG in Potsdam, die ein neues Verfahren zur Herstellung von Insulin mit weniger Nebenwirkungen entwickelt.
Hoffnung machen der ZAB besonders Investitionsentscheidungen, die im Januar gefallen seien, einem Monat also, in dem Unternehmen sich traditionell abwartend verhalten. Insgesamt sind es acht und zwei die kurz vor dem Abschluss stehen. Besonders hob Stronk die Erweiterungsinvestition in Höhe von 40 Millionen Euro des Solarunternehmens Algatec in Prösen (Elbe-Elster) hervor. Hinzu kämen fünf Firmen aus der Branche für Pharma und Medizintechnik, ein Unternehmen für Verkehrstechnik und zwei Logistikfirmen. Für diese habe besonders die Anbindung zum im Bau befindlichen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld den Ausschlag gegeben. Wirtschaftsminister Junghanns ließ sich wegen der guten ZAB-Bilanz schließlich zu der Aussage hinreißen, Brandenburg habe „gute Chancen“, über dem vorhergesagten Minus beim Bruttoinlandsprodukt von bundesweit 2,35 Prozent zu bleiben. Agentur-Geschäftsführer Stronk sagte; „Wir trotzen der Krise. Und wir sehen mit Mut in das Jahr 2009.“ Alexander Fröhlich
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: