Brandenburg: Kaum Gelder für Jugendaustausch
Innerhalb von fünf Jahren kürzte das Land 70 Prozent der Zuschüsse / Organisationen arbeiten defizitär
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Potsdam - Das Land Brandenburg hat die Fördermittel für internationalen Jugendaustausch innerhalb von fünf Jahren um rund 70 Prozent gekürzt. Bewilligte die Landesregierung im Jahr 2000 noch knapp 330 000 Euro an Fördermitteln, drei Jahre später waren es noch knapp 185 000 Euro und in diesem Jahr nur noch knapp 103 000 Euro. Entsprechende Berechnungen des jugendpolitischen Sprechers der Linkspartei.PDS Torsten Krause, die auf Statistiken des Bildungsministeriums beruhten, bestätigte das Bildungsministerium.
Betroffen von den drastischen Einsparungen ist unter anderem der Kreisjugendring Dahme-Spreewald. „2004 haben wir immerhin noch 16 000 Euro vom Landesjugendamt bekommen, was auch schon wenig war, um ein ganzes Jahr lang Austauschprojekte mit Jugendlichen zu realisieren. Aber in diesem Jahr haben wir gar kein Geld mehr bekommen und auch im nächsten Jahr werden wir keinerlei Unterstützung erhalten“, sagte der Vorsitzende des Kreisjugendringes Thomas Thiele. Dabei erwarte man demnächst Jugendliche aus Finnland und Irland. „Um denen auch kulturell etwas bieten zu können, werden wir ganz schön improvisieren müssen“, sagte Thiele den PNN.
Die Entwicklung nannte Krause von der Linkspartei alarmierend. Kürzungen in diesem Maß seien einfach nicht hinnehmbar. „Auslandsaufenthalte sind nicht nur wichtig, um Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern auch, um bei jungen Menschen so etwas wie eine europäische Identität zu schaffen und Fremdenfeindlichkeit abzubauen“, argumentierte Krause. Ihm war aufgefallen, dass sich die Teilnehmerzahlen an Austauschprogrammen innerhalb eines Jahres deutlich verringert hatten. Zahlen des Bildungsministeriums belegen dies. Nutzten im Jahr 2003 noch etwa 11 200 Jugendliche die Möglichkeit, an einem Austausch teil zu nehmen, waren es im Jahr 2004 nur noch rund 9 600. Krause stellte im Landtag eine kleine Anfrage an die Regierung zur Höhe der Fördermittel und fand eine Erklärung. „Genau in diesem Zeitraum wurden die Fördermittel für 660 Austauschplätze gestrichen“, antwortete das Ministerium.
Diese Ausfälle könne man nur mühsam kompensieren, sagte Thomas Thiele vom Kreisjugendring Dahme-Spreewald: „Zum Glück erhalten wir noch Fördermittel aus dem EU-Programm „Jugend für Europa“ und finanzieren uns zum Teil durch Spenden. Sonst hätten wir schon aufgeben müssen.“ Ähnlich geht es dem Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD): „Wenn Jugendliche zum Beispiel ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Ausland machen wollen, bewilligt uns das Land genau die gleiche Fördersumme wie fürs Inland. Darum arbeiten wir in diesem Bereich seit Jahren defizitär und müssen versuchen, das über Spenden wieder auszugleichen“, sagte IJGD-Vorsitzender Torsten Schramm.
PNN-Informationen zufolge wissen sich andere Brandenburger Jugendaustausch-Organisationen nicht anders zu helfen, als zweckgebundene Landesmittel aus anderen Bereichen abzuzweigen und diese in den Bereich Jugendaustausch fließen zu lassen.
Auf niedrigem Niveau zuversichtlich zeigte sich hingegen Bernd Mones, Geschäftsführer vom Landesjugendring Brandenburg: „Im laufenden Jahr gab es keine zusätzlichen Kürzungen und für das kommende Jahr hat man uns sogar 50 000 Euro mehr in Aussicht gestellt. Damit könnten wir einigermaßen vernünftig arbeiten.“
Das Ministerium relativierte dieses Versprechen auf PNN-Nachfrage jedoch rasch: Man hoffe zwar, für das Jahr 2006 mehr Fördermittel bereit stellen zu können, wolle aber noch nichts versprechen, sagte Andreas Hilliger, Leiter der Abteilung für Jugend und Sport. So viel Geld wie noch vor Jahren werde es auf absehbare Zeit nicht mehr geben. „Aber wir wollen zumindest den Stand von 2004 wieder erreichen und diesen dann erst einmal halten“, so Hilliger.
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