Von Claudia Keller und Claus-Dieter Steyer: Kirche gesteht Missbrauch – in Hohenschönhausen Vorwürfe gegen den früheren Pfarrer
Berlin - Im Berliner Erzbistum gibt es einen zweiten Verdachtsfall von sexuellem Missbrauch . Es handelt sich um einen Priester der Gemeinde Heilig-Kreuz in Hohenschönhausen, wurde am Freitag bekannt.
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Berlin - Im Berliner Erzbistum gibt es einen zweiten Verdachtsfall von sexuellem Missbrauch . Es handelt sich um einen Priester der Gemeinde Heilig-Kreuz in Hohenschönhausen, wurde am Freitag bekannt. Wie Bistumssprecher Stefan Förner mitteilte, waren Kardinal Georg Sterzinsky Anfang Juli vergangenen Jahres Beschuldigungen und Verdächtigungen gegen den Priester vorgetragen worden, die sich auf das Jahr 2001 beziehen. Dem Gemeindepfarrer seien daraufhin sofort alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Jugendlichen untersagt worden. Er wohne auch nicht mehr in der Pfarrei und sei nicht mehr seelsorgerisch tätig.
Am 8. Juli 2009 habe Kardinal Sterzinsky eine unabhängige Kommission zur Untersuchung der Beschuldigungen eingesetzt, der neben dem Missbrauchs-Beauftragten des Erzbistums eine Kirchenrechtlerin und eine ehemalige Kriminalhauptkommissarin angehören. Gleichzeitig sei der Fall nach Rom gemeldet worden, wo ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Das Opfer habe man aufgefordert, die Vorfälle zur Anzeige zu bringen, sagte der Bistumssprecher. Hätten sich bei der ersten Prüfung des Falles ergeben, dass der Missbrauch so schwerwiegend war, dass er strafrechtlich relevant ist, hätte das Bistum selbst Anzeige bei der Polizei erstattet. Es habe sich aber herausgestellt, dass das Vergehen so schwerwiegend nicht gewesen sei, sagte Stefan Förner. Deshalb habe man keine Anzeige bei der Polizei erstattet.
Am heutigen Samstag will der Bistums-Beauftragte für Missbrauchsfälle, Dompropst Stefan Dybowski, die Gemeinde über den Stand der Ermittlungen unterrichten, „um den Gerüchten Einhalt zu gebieten“, wie Förner sagte. Denn vergangenen Sommer wurde der Gemeinde lediglich mitgeteilt, dass der Gemeindepfarrer „aus gesundheitlichen Gründen“ sein Amt nicht mehr ausüben könne.
„Das war nur die halbe Wahrheit“, gesteht Förner. Man habe den Geistlichen von Jugendlichen fernhalten wollen, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Der Termin zur Aussprache mit der Gemeinde am heutigen Sonnabend sei schon vor längerem vereinbart worden, betont Förner, es sei keine unmittelbare Reaktion auf das Bekanntwerden der Fälle im Canisius-Kolleg.
In der von den Vorwürfen betroffenen Katholischen Kirchengemeine Heilig Kreuz in Berlin-Hohenschönhausen wartet der Gemeinderat gespannt auf detailliertere Informationen über die Vorwürfe. „Das 14-köpfige Gremium soll sich erst seine Meinung bilden und wird dann sicher an die Öffentlichkeit treten“, sagte der Gemeindereferendar Andreas Wagner dieser Zeitung. Eine vollkommene Überraschung sei die Mitteilung des Erzbistums nicht. Wagner bestätigte, dass es vor Jahren Gerüchte über sexuellen Missbrauch von jungen Gemeindemitgliedern gab. Wie und ob die Gemeinde auf die Hinweise reagiert hat, war nicht zu erfahren.
Die Gemeinde zählt rund 4 500 Mitglieder, die aus Hohenschönhausen, Marzahn-West und umliegende Dörfer wie Lindenberg, Blumberg und Ahrensfelde kommen. Zu den sonntäglichen Gottesdiensten kommen in die erst 1988 geweihte Kirche am Malchower Weg etwa 200 Menschen. Der futuristisch wirkende Kirchenbau galt als Symbol der versuchten Annäherung der DDR-Staatsführung an die Kirchen. Ein Jahr vor dem Mauerfall wurde sie fertiggestellt. Sie steht in einem Siedlungsgebiet mit Häusern aus der Vorkriegszeit und einigen neuen Eigenheimen, aber in direkter Nachbarschaft zu den Plattenbausiedlungen in Hohenschönhausen. Zuvor hatte eine Friedhofskirche in der Konrad-Wolf-Straße als Gemeindezentrum gedient.
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