Brandenburg: Schlossfürsten räumten Germania
Krampfer – Die drohende Räumung durch die Polizei blieb am Montag aus, die Bewohner des dubiosen Kirchenstaats „Fürstentum Germania“ verließen freiwillig das Schloss in Krampfer, einem Ortsteil der Gemeinde Plattenburg in der Prignitz. Und doch machen sie weiter.
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Krampfer – Die drohende Räumung durch die Polizei blieb am Montag aus, die Bewohner des dubiosen Kirchenstaats „Fürstentum Germania“ verließen freiwillig das Schloss in Krampfer, einem Ortsteil der Gemeinde Plattenburg in der Prignitz. Und doch machen sie weiter. „Wir sind ausgezogen und wohnen nicht mehr da, wir wollten so wenig Stress wie möglich“, erklärte der Sprecher des selbst ernannten Fürstentums gestern. Allerdings würden sie das heruntergekommene Gebäude weiter nutzen – jedoch nicht als Wohnung. Das hatte die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Prignitz den Schlossbewohnern untersagt, weil ein Bauantrag fehlte, um das seit der Wende leer stehende Schloss als Wohnraum zu nutzen. Wie berichtet lief eine von der Behörde gesetzte Frist zum Räumen des Schlosses am Freitag aus. Der Sprecher nannte dieses Vorgehen Schikane.
Im Fürstentum tummeln sich Aussteiger, Esoteriker und Revisionisten, 200 Bürger sollen es sein, 13 lebten bis gestern im Schloss. Nach ihrem Verschwörungsdenken gibt es die BRD nicht, sie sehen sich als Kirchenstaat auf Basis der Reichsverfassung von 1871 und wollen autark leben. Erst in der Vorwoche hatte sich Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) besorgt gezeigt über die Umtriebe der Germania-Bewohner, ihre politischen Ansichten seien eine Mischung aus Rechts- und Linksextremismus. „Wir wissen, sie stellen das System infrage, sie wollen ein anderes System“, so Schönbohm. „Das ist eine Sache, die zu brodeln beginnt.“
Eine neue Bleibe haben die Fürstentum-Bürger ihrem Sprecher zufolge im Dorf selbst und ein paar Kilometer weiter in Kleinow gefunden. Vor zwei Jahren war dieses Dorf bereits in den Schlagzeilen, weil angeblich der Hamburger Rechtsextremist und NPD-Funktionär Jürgen Rieger in früheren LPG-Gebäuden ein Schulungszentrum etablieren wollte.Alexander Fröhlich
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