Brandenburg: Von Beruf: netter Nachbar und Dieb
Berlin - Wenn seine Taschen leer waren, ging Fritz W. in Berlin auf „Wohnungssuche“, trieb sich in Schöneberg, Wedding, Wilmersdorf oder Pankow herum – bis der 69-Jährige ein passendes Opfer gefunden hatte.
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Berlin - Wenn seine Taschen leer waren, ging Fritz W. in Berlin auf „Wohnungssuche“, trieb sich in Schöneberg, Wedding, Wilmersdorf oder Pankow herum – bis der 69-Jährige ein passendes Opfer gefunden hatte. In Dutzenden Berliner Mietshäusern hat sich Fritz W. als „der neue Nachbar“ ausgegeben, der sich in einer dummen Geldsituation befinde. Vor allem ältere Leute liehen dem seriös wirkenden Herrn mit grauem Haarkranz gerne Geld – ohne es je wiederzusehen. „Die Erfolgsquote lag bei fast hundert Prozent“, sagte Fritz W. gestern im Moabiter Kriminalgericht. „Leichter kann man nicht an Geld kommen.“ Mindestens 36 000 Euro hat Fritz W. auf diese Art erbeutet.
Bei der Polizei haben die gängigsten Tricks der Betrüger einen Namen: der falsche Enkel, der falsche Beamte – oder eben der falsche Nachbar. Fritz W. jedenfalls überzeugte im Gerichtssaal durch ein erstklassiges Auftreten. 28 Jahre lang war er nach eigenen Angaben Chauffeur einer Großbank. „Ich fuhr Vorstände, Könige und Präsidenten!“ Als betrügerischer Rentner ging Fritz W. dann immer nach derselben Masche vor. Er tauchte plötzlich an der Haustür auf, half beim Tragen schwerer Tüten und kam ins Plaudern. „Meine Frau und ich wohnen ganz oben, wir sind die neuen Mieter, aber ich warte schon seit einer Stunde auf meine Frau. Die Waschmaschine kommt doch, mein Geld reicht nicht. Ob Sie mal bis zum Nachmittag aushelfen könnten?“
Er sei mit der Zeit abgebrüht geworden, gestand der Angeklagte. Sogar EC-Karten schwatzte er einigen Opfern ab. „Wenn Sie nicht genug Bargeld im Haus haben, ziehe ich schnell etwas.“ In einigen Fällen lenkte er seine Opfer auch ab und stahl Beträge bis zu 5500 Euro.
Egal, ob er nur einen kleinen Schein oder die EC-Karte bekam: Seine Beute hat Fritz W., Vater von vier Kindern, verjubelt. Vor Gericht weinte der Angeklagte und versprach mit großer Geste: „Ich zahle alles auf Heller und Pfennig zurück.“ Vermutlich hatte der vorbestrafte Betrüger auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Die Richter aber sahen es wie der Staatsanwalt und verurteilten Fritz W. in insgesamt über 70 Fällen zu drei Jahren Gefängnis.Tanja Buntrock, Kerstin Gehrke
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