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Auf Brandenburgs berüchtigten Landstraßen gibt es inzwischen weniger Unfälle.

© Patrick Pleul/lbn

Unfälle in Brandenburg: Weniger Verkehrstote, aber mehr Unfälle

Brandenburg hat viele Alleen umgebaut. Mit gutem Ergebnis: Es gibt weniger Tote im Straßenverkehr Doch 2016 stieg die Zahl der Unfälle, es gab mehr Schwerverletzte. Die Gründe sind vielfältig.

Stand:

Potsdam - In Brandenburg mal wieder gegen einen Baum gegurkt? die Zahl der Verkehrstoten habe 2016 einen historischen Tiefstand erreicht. Im vergangenen Jahre starben demnach 121 Menschen auf Brandenburgs Straßen. Das ist die niedrigste Zahl seit der Wende, nachdem die Zahl zu Beginn der 1990er-Jahre bei etwa 900 Verkehrstoten pro Jahr lag. Damit verzeichnete Brandenburgs Polizei 2016 einen Rückgang um 32,4 Prozent, nachdem im Jahr zuvor mit 179 Toten der höchste Stand seit Jahren erreicht wurde. Offenbar war das ein Ausrutscher nach oben, denn seit 1990 sinkt die Zahl der Todesopfer kontinuierlich.

Der deutliche Rückgang hat vor allem mit dem Umbau der märkischen Alleen zu tun, wie Schröter sagte. Denn entlang der Strecken sind im großen Umfang Leitplanken vor den Baumreihen aufgebaut worden. Wo keine Leitplanken stehen, gilt ein Tempolimit von 70 Stundenkilometern. Zwar gab es mehr Baumunfälle, aber die Zahl der dabei oder durch Raserei Getöteten sank jeweils um 40 – das ist jeweils mehr als 50 Prozent. Immerhin dürfte Brandenburg damit zumindest die jahrelang gehaltene rote Laterne im bundesweiten Vergleich der Unfallhäufigkeit je eine Million Einwohner abgeben.

Hauptursachen für Unfälle: Raserei und missachtete Vorfahrt

Sicher ist es auf Brandenburgs Straßen dennoch keineswegs: Raserei bleibt in Brandenburg die häufigste Ursache für tödliche Unfälle. Die meisten Unfälle gab es wegen überhöhter Geschwindigkeit und missachteter Vorfahrt. Die Zahl aller Verkehrsunfälle stieg um knapp zwei Prozent auf 82 400, bei den schweren Verkehrsunfällen gab es sogar einen Zuwachs von zwölf Prozent. Die Zahl der Verletzten stieg um mehr als vier Prozent auf 11 400, bei den Schwerverletzten lag der Anstieg bei mehr als sieben Prozent auf 2668 – der höchste Stand seit 2008.

Innenminister Schröter sagte, die Polizei müsse ihre flächendeckenden Kontrollen aufrechterhalten. „Nicht der Jäger schützt den Wald, sondern die Angst, er könnte kommen“, sagte Schröter. Wenn Brandenburg sich im Frühjahr wieder am bundesweiten Blitzermarathon beteiligt, will Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke auch jene stoppen lassen, die nicht rasen – um sich bei jenen zu bedanken, die sich an die Verkehrsregeln halten, wie er sagte. Die wachsende Zahl von Verletzten sollte „Anlass für die Polizei sein, flächendeckend Verkehrskontrollen mit hohem Entdeckungsrisiko für Verkehrssünder durchzuführen“.

Zahl der berauschten Autofahrer steigt an 

Wer durch Brandenburg fährt, muss also damit rechnen, kontrolliert zu werden. 2016 stellte die Polizei 1,54 Millionen Tempoverstöße fest, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Rasant – um ein Viertel – stieg die Zahl der Fahrer, die im Drogenrausch am Steuer erwischt wurden und die im Rausch einen Unfall bauten. Die Zahl der unter Alkohol gebauten Unfälle stieg um sieben Prozent. Und noch ein Tipp für den Trip durchs Brandenburgische: Besondere Vorsicht ist in den Baustellen auf den Autobahnen nötig. Dort stieg die Zahl der Unfälle um mehr als 60 Prozent auf auf 819, die Zahl der dabei Verletzten (112) nahm um fast 130 Prozent zu.

Ein Schwerpunkt ist die Dauerbaustelle auf der A10 bei Michendorf, wo die Autobahn beiderseits von drei auf vier Fahrspuren erweitert wird. 2015 gab es dort noch vier Verkehrsunfälle, im vergangenen Jahr 369. Auf Antrag der CDU-Fraktion wird sich der Verkehrsausschuss des Landtags mit dieser Baustelle näher befassen. Der Verkehrsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Genilke, der auch Präsident der Landesverkehrswacht ist, forderte zudem den weiteren Ausbau der Straßen, noch mehr Leitplanken, die Entschärfung von Kurven und die bessere Organisation von Baustellen.

Lakenmacher (CDU): Zunehmende Drogenunfälle seien ein besorgniserregender Trend

CDU-Innenexperte Björn Lakenmacher sprach angesichts der zunehmenden Drogenunfälle von einem besorgniserregenden Trend, der sich seit einigen Jahren abzeichne. Wegen des Personalabbaus bei der Polizei infolge der Polizeireform von 2011 könne meist nicht mehr als „die automatisierte Geschwindigkeitsüberwachung“, also Blitze und Radar, vorgenommen werden. Damit aber ließen sich Fahrten unter Alkohol- und Drogeneinfluss nicht verhindern.

Die Linke-Verkehrsexpertin Anita Tack dagegen bekräftigte die Forderung ihrer Partei nach einer Null-Promille-Regelung für Autofahrer. „Diese gesetzliche Regelung ist überfällig“, sagte Tack. Bei der steigenden Zahl von Verkehrsunfällen müsse zudem mit einer zukunftsfähigen Mobilitätspolitik gegengesteuert werden. Bus und Bahn müssten gestärkt werden, damit „die Menschen ihren Pkw gern stehen lassen und problemlos auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können“, sagte Tack. Der Güterverkehr müsse auf die Schiene verlagert werden.

Lkws an jedem dritten Unfall in Brandenburg beteiligt

Damit verwies Tack auf den steigenden Anteil von Güterfahrzeugen an den Verkehrsunfällen. Für Brandenburg als Transitland mit der wichtigsten Ost-West-Trasse, den vielen Baustellen und steigendem Verkehrsaufkommen ist das ein besonderes Problem. Es gab 400 Unfälle mehr, an denen Lastwagen beteiligt waren und deutlich mehr Menschen wurden dabei verletzt – besonders auf den Autobahnen. Dort waren an jedem dritten Unfall Lastwagen beteiligt. Bei zwei Dritteln der tödlichen Unfälle auf den Autobahnen waren Güterfahrzeuge beteiligt. Polizeipräsident Mörke kündigte deshalb neben präventiven Maßnahmen mehr „repressive Maßnahmen“ an.

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