Brandenburg: Zeichen gegen Gewalt
Berlin: Heute beginnt Prozess um U-Bahn-Hetzjagd. Erneut lief Mann auf Flucht vor Schlägern vor Auto
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Berlin - Der Fall erinnert an den in den Tod gehetzten Giuseppe Marcone: In der Nacht zu Sonntag rannte ein Mann auf der Flucht vor einer Gruppe von Schlägern auf die stark befahrene Straße Hasenheide und wurde von einem Auto erfasst. Mit schweren Verletzungen kam der 29-Jährige in eine Klinik. Zeugen, die die Hatz bemerkten, alarmierten gegen 22 Uhr die Polizei. Zuvor soll einer aus der Gruppe dem Opfer mit einer Baseballkeule gegen den Kopf geschlagen haben. Die Gruppe entkam unerkannt.
Auch der 23-jährige Giuseppe Marcone war in der Nacht zum 17. September 2011 auf der Flucht vor Schlägern überfahren worden. Er starb auf dem Kaiserdamm – nachdem er von zwei jungen Männern im U-Bahnhof angegriffen worden war. Der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täter beginnt am heutigen Montag. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-jährigen Ali T. und dem 22-jährigen Baris B. vor, Giuseppe Marcone und seinen Freund auf dem U-Bahnhof Kaiserdamm massiv mit Fäusten geschlagen zu haben. Das Opfer und dessen Freund hätten sich zunächst zu verteidigen versucht und seien dann weggerannt. Der Haupttatverdächtige T. habe Giuseppe Marcone aus dem U-Bahnhof hinaus verfolgt, worauf dieser „aus Angst und Panik“ auf die Fahrbahn gelaufen sei. Die Angeklagten hatten sich bei der Polizei gestellt, bestreiten aber, ihr Opfer in den Tod getrieben zu haben.
Giuseppe Marcones Mutter Vaja und sein Bruder Velin treten als Nebenkläger auf. Vaja Marcone (50) mit ihrem Mann Antonio, den beiden anderen Söhnen, Verwandten und Freunden versucht, das Geschehen zu verarbeiten. Wichtiger als eine Entschuldigung der Täter sei ihr und allen Freunden von Giuseppe, dass mehr gegen die alltägliche Gewalt getan werde. „So viele Opfer gibt es inzwischen“, sagt sie, „so viel sinnloses Leid – dagegen muss man etwas tun.“ Am U-Bahnhof Kaiserdamm, neben der Stelle, wo ihr Sohn in jener Septembernacht starb, soll künftig ein Mahnmal an Giuseppe Marcone und alle anderen Opfer von Gewalt erinnern.
Auch an diesem Wochenende meldete die Polizei mehrere Gewalttaten in der U-Bahn. In der Nacht zu Sonntag griff ein 18-Jähriger nacheinander einen Fahrgast, der ihn an das Rauchverbot im Waggon erinnert hatte, zwei BVG-Wachschützer und schließlich bei der Festnahme einen Polizisten an. In der Nacht zuvor hatte es bei Schlägereien zwischen Fahrgästen drei Leichtverletzte gegeben. In der U2 in Prenzlauer Berg stritten sich zwei junge Männer mit vier anderen und bekamen Faustschläge. Auf dem Bahnsteig der U9 am U-Bahnhof Kurfürstendamm war ein 21-Jähriger von einer etwa fünfköpfigen Personengruppe nach einem Streit mit Schlägen zu Boden gebracht und dann getreten worden. In beiden Fällen konnten die Angreifergruppen flüchten. Laut Polizei geht die Zahl der Gewaltdelikte in Bussen und Bahnen seit mehreren Jahren zurück. S. Dassler/ J. Hasselmann
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