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20 Kleinbrände, ein Angriff auf Polizeibeamte: Silvesternacht in Potsdam verhältnismäßig ruhig
Am Bergmann-Klinikum wurden 27 Personen mit teils schweren Verletzungen behandelt. In Babelsberg beschoss ein 22-Jähriger Polizeibeamte mit Feuerwerk.
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Die Landeshauptstadt Potsdam ist nach Einschätzung der Feuerwehr verhältnismäßig ruhig ins Jahr 2026 gestartet. Wie die Stadtverwaltung am Neujahrsmorgen mitteilte, war die Potsdamer Feuerwehr innerhalb von 24 Stunden 122-mal im Einsatz. Es habe weder Übergriffe auf Einsatzkräfte noch Sachbeschädigungen an Rettungsfahrzeugen gegeben, hieß es.
Die Polizei berichtete von einem Angriff auf Beamte in Babelsberg: An der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße/Rudolf-Breitscheid-Straße habe ein 22-Jähriger gegen 0.30 Uhr eine Gruppe von Polizeibeamten mit Feuerwerk beschossen, teilte die Polizeidirektion West mit. Die drei getroffenen Polizisten seien jedoch nicht verletzt worden. Der 22-Jährige konnte den Angaben zufolge gefasst werden. Er erhielt einen Platzverweis. Gegen ihn wird ermittelt.
Nach Randalen in Babelsberg in der Silvesternacht vor einem Jahr mit erheblichen Sachbeschädigungen und Angriffen auf Einsatzkräfte war die Polizei diesmal massiv präsent, in Uniform und zivil, wie Augenzeugen den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) schilderten. Das zeigte offenbar Wirkung, es blieb auch in Babelsberg vergleichsweise ruhig.

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Auch aus Sicht der Stadtwerke verlief die Silvesternacht ruhig. Beim Verkehrsbetrieb sei es zu keinen Störungen gekommen, der Fahrplan sei stabil gelaufen, auch die Betriebsunterbrechung rund um Mitternacht habe reibungslos funktioniert, teilte ein Sprecher mit. Die Sachschäden seien gering geblieben: An einer Wartehalle kam es zu Glasbruch, zudem wurden zwei Abfalleimer an Haltestellen durch Böller beschädigt.
Laut Feuerwehrangaben gab es im ganzen Stadtgebiet 20 Kleinbrände, unter anderem an Mülltonnen, Unrat oder Überresten von Feuerwerkskörpern. Die Feuerwehr löschte zudem drei Gebäudebrände, darunter zwei auf Balkonen. Auch ein Verkehrsunfall mit verletzten Personen war zu verzeichnen. Siebenmal wurde die Feuerwehr über Brandmeldeanlagen alarmiert, „teilweise ausgelöst durch Rauch von Pyrotechnik“, hieß es weiter. Insgesamt spricht die Feuerwehr von einem „verhältnismäßig ruhigen Jahreswechsel“. Größere Schadenslagen seien ausgeblieben.
Mehrere Menschen mit Verletzungen durch Feuerwerk in der Notaufnahme
Auch das städtische Bergmann-Klinikum verzeichnete ein „eher ruhiges Patientenaufkommen“ in den beiden Notaufnahmen für Erwachsene und Kinder. Die Lage sei beherrschbar gewesen, auch wenn einzelne schwere Verletzungen durch Feuerwerk teils noch in der Nacht hätten operiert werden müssen, teilte das Klinikum am Neujahrstag mit.
Beim katholischen Alexianer St. Josefs-Krankenhaus war ebenfalls von einem „ruhigen und geordneten Jahreswechsel“ in der Notaufnahme die Rede. „Die Lage war durchgehend beherrschbar und entsprach einem normalen Dienst“, teilte ein Sprecher am Neujahrstag mit: „Verletzungen durch Feuerwerkskörper mussten glücklicherweise nicht behandelt werden.“
Das sah beim Bergmann-Klinikum etwas anders aus: Insgesamt seien von Mitternacht bis 6.30 Uhr 27 Personen mit Verletzungen an Händen, Augen, aufgrund starken Alkoholkonsums oder nach Stürzen behandelt worden, resümierte Michael Oppert, der Chefarzt der dortigen Notfall- und Intensivmedizin. Acht der Patienten mussten wegen der Schwere der Verletzungen stationär aufgenommen werden. „Dies ist einfach tragisch, da diese Unfälle vermeidbar wären“, so Oppert.
Den Angaben zufolge mussten sechs Personen mit feuerwerksindizierten Verletzungen an den Händen versorgt werden, davon wurden drei Personen stationär aufgenommen. Acht Personen erlitten Augenverletzungen, wovon drei Personen stationär aufgenommen werden mussten.
Bei der Kinder-Notaufnahme wurden im besagten Zeitraum zwölf Kinder und Jugendliche behandelt, drei mit Verletzungen an den Augen, eine Person mit Verbrennungen an der Hand sowie eine Person mit Intoxikation.
Deutlich mehr Silvestermüll

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Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) verzeichnete einen deutlichen Anstieg beim Silvestermüll: Die Mitarbeitenden starteten laut einem Unternehmenssprecher bereits ab 3.30 Uhr mit den Aufräumarbeiten auf größeren Straßen und Plätzen. Es seien 15,7 Tonnen Abfall aus der Silvesternacht eingesammelt worden. „Das entspricht fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr“, so der Sprecher.
Die erstmals aufgestellten feuerverzinkten Großcontainer für Böllermüll seien gut angenommen worden, hieß es weiter. Die zehn Container seien zu rund 60 bis 70 Prozent gefüllt gewesen.
Bei der Potsdamer Berufsfeuerwehr und bei den Freiwilligen Wehren waren in der Silvesternacht nach Stadtangaben 107 Einsatzkräfte einsatzbereit oder auf Abruf zur Verfügung, um den Brandschutz sicherzustellen. Zur Koordination der Einsätze im Stadtgebiet sei ein Lagedienstführer Sonderlage eingesetzt worden, so das Rathaus. Das habe zugleich die Regionalleitstelle Nordwest, die neben Potsdam auch für die Landkreise Havelland, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz zuständig ist, entlastet. Dort seien in der Silvesternacht insgesamt 675 Anrufe eingegangen und 342 Einsätze koordiniert worden.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) dankte den Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdienst. Diese hätten in der Silvesternacht „mit großer Professionalität, Ruhe und Einsatzbereitschaft für Sicherheit in unserer Stadt gesorgt“. Aubel hatte am Silvesterabend die Feuerwehr besucht, um Danke zu sagen.
Die Stadt Potsdam hatte nach den Randalen in Babelsberg im vergangenen Jahr mit einem neuen Sicherheitskonzept für die Silvesternacht reagiert.
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