Von Jan Kixmüller: Benzin aus Klimagas
Eröffnung des Klimainstituts IASS: Kohlendioxid soll in Zukunft als Energieträger nutzbar werden
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Berliner Vorstadt - In Zukunft könnte das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) als Benzin aus der Zapfsäule kommen. In Methanol umgewandelt könnte der Klimakiller zum Treibstoff von morgen werden, ohne dass dabei zusätzliche Treibhausgase freigesetzt würden. Die Idee gehört zu fünf wissenschaftlichen Projekten, die der Direktor des Instituts für Klimaschutz-, Erdsystem- und Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam (IASS), Physiknobelpreisträger Carlo Rubbia, zur offiziellen Eröffnung des Institutes am gestrigen Montag vorgestellt hat.
Die Arbeit des IASS ist zunächst für sieben Jahre finanziell abgesichert. Neun Millionen Euro stehen der Einrichtung jährlich zur Verfügung – zu 15 Prozent vom Land Brandenburg und zu 85 Prozent vom Bundesforschungsministerium finanziert. Das Institut , das vom ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) aufgebaut wurde, hat derzeit 20 Mitarbeiter. Geplant sind 40 feste Mitarbeiter und bis zu 50 überwiegend internationale Gastwissenschaftler. Die Umbaumaßnahmen in der Helmholtzstraße und die Sanierungsarbeiten in der Kleistvilla für insgesamt 2,4 Millionen Euro sind laut Töpfer abgeschlossen.
Während sich die Politik derzeit hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, wie man Klimagas unter der Erde entsorgen kann, sucht das IASS vornehmlich nach energetischem Potenzial, das in Kohlendioxid steckt. Die Transformation des Energiesektors hin zu erneuerbaren Energien werde nicht so schnell möglich sein, wie vielfach gehofft, sagte Rubia den PNN. „Es ist höchste Eile geboten“, so der weltweit renommierte Forscher, der von 1989 bis 1994 Generaldirektor des Forschungszentrums CERN in Genf war. Daher wolle er mit den am IASS angesiedelten Spitzenforschern nach Möglichkeiten suchen, auch fossile Energieträger parallel zum Umbau auf erneuerbare Energien so einzusetzen, dass nur eine geringe oder gar keine CO2-Emission stattfindet. „Die Ideen sind umsetzbar, aber es braucht seine Zeit vom wissenschaftlichen Plan bis zur praktischen Nutzung“, erklärte Rubia. Die unterirdische Einlagerung von CO2 (CCS) bezeichnete er dabei als „keine praktikable Lösung“ für das Klimaproblem.
Weitere Projekte des Spitzeninstituts sind die Nutzung von Erdgas mit geringerer CO2-Emission und die Energiegewinnung aus Methanhydraten vom Meeresboden. Auch Sonnenenergie bleibe ein wesentlicher Gesichtspunkt für den Klimaschutz. Hier sei eine stärkere Effizienz der Sonnenkollektoren gefragt, wichtiger jedoch sei die Frage, wie sich Solarenergie besser speichern lasse und wie sie ohne großen Energieverlust über lange Entfernungen transportiert werden könnte.
Gründungsdirektor Töpfer rückte darüber hinaus auch die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft als Aufgabe des IASS in den Mittelpunkt. Am Beispiel der mangelnden Akzeptanz von unterirdischer CO2-Speicherung in der Öffentlichkeit zeige sich, dass die Vermittlung zentral für eine nachhaltige Energiewende sei. Das IASS soll eine Brückenfunktion einnehmen: Die Gesellschaft müsse „besser und früher“ in den wissenschaftlichen Fortschritt eingebunden werden. Das Bundesforschungsministerium spricht von einem Scharnier zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.
Das 2009 gegründete IASS, das in Potsdam in den ehemaligen Räumen der Bundesbank angesiedelt wurde, ist nach den Worten von Töpfer nicht als Gegenspieler sondern als Ergänzung zu den bereits bestehenden Potsdamer Spitzeninstituten für Erd-, Klima- und Meeresforschung gedacht. Dazu sei das Institut auch von den deutschen Forschungsgesellschaften initiiert worden. Tatsächlich wurde das IASS in Potsdam vom hiesigen GeoForschungsZentrum (GFZ) und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) angeschoben, die beiden Institute stehen dem Strategiebeirat vor. In der Mitgliederversammlung finden sich zudem renommierte Persönlichkeiten der deutschen Forschungselite.
Zu dem Sitz in einem ehemaligen Bankgebäude in der Berliner Vorstadt sagte Töpfer, dass sich weltweit kaum ein Forschungsinstitut mit mehr Tresoren finden dürfte. „Das Gebäude ist quasi um einen riesigen Tresor herumgebaut.“ Dass es bei beim Eröffnungsempfang gestern im großen Haus ziemlich kalt war, erklärte der Umweltexperte mit Gründen der Nachhaltigkeit: „Wir müssen Energie sparen!“
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