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Die Kirche im heutigen Potsdamer Ortsteil Eiche feiert 250. Geburtstag.
© Ottmar Winter

Potsdamer Kirche wird 250 Jahre alt: Das Pantheon als Vorbild

Vor 250 Jahren wurde die Dorfkirche von Eiche eingeweiht - Inspiration holten sich die Baumeister seinerzeit in Rom. Am Sonntag findet ein Festgottesdienst statt.

Potsdam – Beinahe hätte sie wie eine Moschee ausgesehen. Doch dann änderte Friedrich II. seine Pläne für den Neubau der Dorfkirche in Eiche. Es entstand ein Rundbau mit einem davor gesetzten schlanken Turm – für eine Dorfkirche eine eher ungewöhnliche Form. Vor 250 Jahren, am Reformationstag des Jahres 1771, wurde die Kirche eingeweiht. Die Gemeinde begeht das Jubiläum an diesem Sonntag mit einem Festgottesdienst um 11 Uhr. Der ehemalige Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz wird die Predigt halten. Bereits am heutigen Samstag um 17 Uhr erklingt in einem Konzert in der Dorfkirche von Eiche Musik aus der Zeit Friedrichs des Großen. Es spielt das Potsdamer Kammermusikensemble Musica Affettuosa.

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Die Kirche wurde 1881/82 noch einmal erweitert.
Die Kirche wurde 1881/82 noch einmal erweitert.
© Ottmar Winter

Wer heute durch den seit 1993 zu Potsdam gehörenden Ort Eiche fährt, dem fällt das an der Kaiser-Friedrich-Straße gelegene Gotteshaus kaum auf. Es liegt etwas versteckt mitten zwischen den Häusern der Umgebung. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, ist die Kirche heute wieder ein architektonischer Glanzpunkt. Der besondere Reiz liege in „dem Kontrast des kuppelbekrönten Rundbaues zu der schlanken, leicht hohlgeschweiften Turmspitze“, schreibt Andreas Kitschke in seinem Buch „Die Kirchen der Potsdamer Kulturlandschaft“. Mehr als 100 Jahre nach ihrer Einweihung wird die Kirche 1881/82 nach Plänen von Emil Gette erweitert. Es entsteht der dem Turm gegenüberliegende Anbau an den kreisrunden Hauptteil des Gebäudes. Im Zuge dieser Arbeiten wird die Kirche instandgesetzt und erhält eine Orgel der Firma Sauer aus Frankfurt (Oder).

Im Krieg wurde der Turm zerstört, erst 2000 wieder eingeweiht

Am 29. April 1945 wird die Kirchturmspitze durch sowjetischen Beschuss zerstört. Über mehrere Jahrzehnte hinweg verbleibt es bei dem Turmstumpf, der mit einem zeltförmigen Dach versehen war. Erst im Jahr 2000 kann der wiedererrichtete Turm eingeweiht werden, der 33 Meter in den Himmel ragt.

Eine interessante These zur ungewöhnlichen Form der Dorfkirche von Eiche hat kürzlich die Potsdamer Kunsthistorikerin Saskia Hüneke vorgestellt. Friedrich II. habe ursprünglich den Plan gehabt, in Preußen ein Gebäude nach dem Vorbild des römischen Pantheons zu errichten – das wohl als Prototyp neuzeitlicher Kuppelbauten gelten kann und das in der Antike mehreren Göttern geweiht war. Friedrichs Pantheon sollte allen Religionen gewidmet sein. 

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Hüneke zitiert aus einer historischen Quelle, wonach ein Berater den Monarchen jedoch von der Undurchführbarkeit dieses Vorhabens überzeugt habe. Aber die Idee blieb. Und so entstanden unter Friedrich II. mit der katholischen St.-Hedwigs-Kirche in Berlin, der Französischen Kirche in Potsdam und eben der lutherischen Dorfkirche in Eiche mehrere runde überkuppelte Sakralbauten für unterschiedliche Konfessionen.

Wenn die Kirchengemeinde nun in diesen Tagen auf 250 Jahre Dorfkirche Eiche zurückblickt, liegen zugleich auch mehr als anderthalb Jahre pandemiebedingte Einschränkungen des Gemeindelebens hinter ihr, berichtet Florian Kohlrusch-Link, Mitglied des Gemeindekirchenrats. Auch die jetzigen Festveranstaltungen sind mit Zutrittsbeschränkungen verbunden. Über die Zeit nach der Pandemie sagt Kohlrusch-Link: „Wir hoffen, dass die Gemeinde aus ihrem Dornröschenschlaf wieder ins richtig aktive Leben zurückkehrt.“

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