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Die Jugendlichen vom Ribbeckeck haben den Eingang verschönert.
© Andreas Klaer

25 Jahre Ribbeckeck in Potsdam: Der Klub mit dem Kachelofen

Von der Stadt vernachlässigt, von Jugendlichen erhalten: Der Freizeittreff feierte am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen.

Von Erik Wenk

Potsdam- Es ist eine Erfolgsgeschichte, aber auch ein langer Leidensweg: Am Samstag feierte das Ribbeckeck in Bornstedt sein 25-jähriges Bestehen. Einerseits war der Jugendclub von Anfang an nur als Provisorium geplant und wurde in den vergangenen Jahren zunehmend maroder – andererseits konnte er dank des großen Engagements von mehreren Generationen Jugendlicher bis heute erhalten werden.

Die Stadt aber behandelte die Einrichtung lange stiefmütterlich: Das Ribbeckeck dürfte der am längsten unsanierte Jugendclub Potsdams sein. Die Fassade bröckelt seit Jahren unverändert vor sich hin, im Innern wird noch mit Kachelofen und Kohle geheizt. Zwischendurch gab es lediglich kleine Renovierungsmaßnahmen, häufig von den Jugendlichen und Mitarbeiter:innen selbst durchgeführt.

Auch ein Abriss stand im Raum

In längst vergessenen Wahlkämpfen hatten etliche Spitzenpolitiker:innen von Jann Jakobs über Mike Schubert bis hin zu Olaf Scholz (alle SPD) dem Jugendclub einen Besuch abgestattet und bekräftigt, den Standort zu erhalten. Doch immer wieder kam etwas dazwischen: Es fehlten Mittel im Haushalt, Sanierungen wurden aufgeschoben, zwischenzeitlich stand sogar der Abriss des Gebäudes im Raum. 

2015 beschlossen die Stadtverordneten, 600.000 Euro in den Jugendclub zu investieren, ein Jahr später wurden die Kosten vom Kommunalen Immobilienservice (KIS) auf 1,2 Millionen geschätzt. Aufgrund von Schadstofffunden und schlechter Bausubstanz war die Sanierung laut KIS „nicht wirtschaftlich vertretbar“.

Am Samstag wurde das 25-jährige Bestehen des Freizeittreffs gefeiert. 
Am Samstag wurde das 25-jährige Bestehen des Freizeittreffs gefeiert. 
© Andreas Klaer

Der Trägerverein Paragraph 13 e.V. reagierte darauf mit einem eigenen Gutachten, demzufolge die Sanierung auch für weniger Geld machbar sei. 2017 entschied Mike Schubert, damals noch Sozialdezernent, das Ribbeckeck zu erhalten. Die Finanzierung dafür blieb lange unklar, 2019 hieß es dann, dass ab 2022 Geld im Haushalt bereitstehe. Daraus wurde wieder nichts: Anfang Mai verkündete Kulturbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos), dass die Sanierung erst im Frühjahr 2024 starten könne. 2,4 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, der KIS rechnet mit zwei Jahren Bauzeit.

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Was muss erneuert werden? „Eigentlich alles.“

Fragt man Ike Borg von Paragraph 13 e.V., was an dem Haus erneuert werden müsse, sagt sie: „Eigentlich alles.“ Die Stadt bestätigt das: „Im Vordergrund steht die brandschutzgerechte Ertüchtigung des Gebäudes, eine komplette Erneuerung der Heizungsanlage, die Sanierung der maroden Sanitär -und Elektroanlagen sowie der Instandsetzung der Fassaden und des Daches“, sagt Stadtsprecher Markus Klier. Zudem soll das Haus erweitert werden: Ein Neubau ist geplant.

Ike Borg von Paragraph 13 e.V.
Ike Borg von Paragraph 13 e.V.
© Andreas Klaer

Unter dem Titel „Ribbeckeck Plus“ hat der Jugendclub seit mehreren Jahren seine Türen auch für andere Gruppen aus dem Stadtteil geöffnet: So gibt es Elternabende, Bürgersprechstunden von Politiker:innen, Treffen von Stadtteilnetzwerken, Eltern-Kind-Gruppen und einen Seniorenchor. In Zukunft will das Ribbeckeck neben dem Jugendclub noch stärker als Bürgerbegegnungshaus dienen: „Das Ribbeckeck soll für alle da sein“, so Borg.

Billardtisch, Kicker, Fitnessraum

Kernaufgabe bleibe aber der Jugendclub: Täglich besuchen etwa 15 bis 20 Jugendliche das Ribbeckeck, das neben einem Billardtisch und einem Kicker auch über einen Näh- und einen Fitnessraum verfügt. Der hauseigene Proberaum wird regelmäßig von der Band „Ribbecka“ genutzt, auf dem Außengelände befindet sich ein Beachvolleyballplatz, eine Schaukel und eine Feuerstelle zum Grillen.

Auch ein Beachvolleyballfeld steht zur Verfügung. 
Auch ein Beachvolleyballfeld steht zur Verfügung. 
© Andreas Klaer

Am vergangenen Freitag hatte das Ribbeckeck zusammen mit 25 Schüler:innen aus sechs umliegenden Schulen einen Workshop zur Zukunft des Clubs durchgeführt und die Ergebnisse Noosha Aubel übergeben. Die Jugendlichen wünschten sich unter anderem Möglichkeiten zum Fußballspielen, eine Bibliothek, Graffiti-Wände oder einen Diskoraum. 

Viele Schüler:innen kannten das Ribbeckeck gar nicht, waren aber begeistert von dem Ort: „Sie sagten, dass sie nie auf die Idee gekommen wären, hierher zu kommen, weil das Haus von außen so oll aussieht“, sagt Borg. Daran hat sich kürzlich etwas geändert: Einige Jugendliche haben das alte Namensschild mit der Frakturschrift abgehängt und durch ein selbstgestaltetes Schild ersetzt. 

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