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In die Villa Liegnitz sollen nach der Sanierung Generaldirektion und Generalverwaltung der Schlösserstiftung einziehen.
© Andreas Klaer

Villa Liegnitz im Park Sanssouci wird saniert: Ein Haus mit Geschichte

In der Villa Liegnitz im Park Sanssouci entstehen bis 2024 Büroräume für die Generaldirektion der Schlösserstiftung. Corona und der Ukrainekrieg erschweren das Sanierungsvorhaben.

Potsdam - Das Gebäude hat eine bewegte Historie, vor allem baugeschichtlich kommt so einiges zusammen: Seit 2021 wird die Villa Liegnitz an der Hauptallee im Park Sanssouci saniert. Noch hofft man bei der Schlösserstiftung auf den Abschluss der Arbeiten bis Mitte 2024, wie Projektleiter Demir Arslantepe von der Abteilung Architektur am Dienstag bei einem Vororttermin für die Presse erläuterte. Künftig soll dort die Zentrale der Schlösserstiftung einziehen – die Generalverwaltung und die Generaldirektion mit Stiftungschef Christoph Martin Vogtherr. In den insgesamt 40 Zimmern entstehen Büroarbeitsplätze für rund 70 Menschen.

Gestiegene Preise, mangelnde Baumaterialien

Die Coronakrise und der Ukrainekrieg haben bei dem 8,8-Millionen-Euro-Vorhaben bereits für diverse Umplanungen gesorgt, sagte Projektleiter Arslantepe: „Preise sind nicht mehr belastbar zu kalkulieren.“ Außerdem gebe es immer wieder Schwierigkeiten, Baumaterialien zu beschaffen. Vor allem wegen der gestiegenen Preise müssten einige Teilarbeiten zurückgestellt werden. So wird der gusseiserne Zaun an der Allee vorerst nicht angefasst. Mit Kosten von rund einer Viertelmillion Euro sei die Instandsetzung „derzeit zu teuer“, sagte Arslantepe.

Projektleiter Demir Arslantepe verantwortet die Sanierung.
Projektleiter Demir Arslantepe verantwortet die Sanierung.
© Andreas Klaer

Die Geschichte des Ensembles reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Damals wurde an seiner Stelle ein Haus für Bedienstete errichtet. Auf den Fundamenten dieses Ursprungsbaus wurde 1841 die vom Schinkel-Schüler Albert Dietrich Schadow entworfene Villa im italienisierenden Stil gebaut – als Witwensitz für Auguste Fürstin von Liegnitz, die zweite Ehefrau des 1840 gestorbenen Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III.

Der frühere Haupteingang soll künftig für besondere Anlässe geöffnet werden.
Der frühere Haupteingang soll künftig für besondere Anlässe geöffnet werden.
© Andreas Klaer

Erweitert wurde die Villa in den 1850er Jahren um das sogenannte Kavaliershaus mit Platz für Gäste, Personal und die Küche. Nach Augustes Tod wurde in den 1870er Jahren ein hölzerner Verbindungsgang zwischen den beiden Gebäuden errichtet. 1907/08 entstand unter Federführung des Architekten Otto Wittig der zweigeschossige Verbindungsbau mit hohem Sockelgeschoss – damit war das Ensemble in seiner heutigen Gestalt komplett.

Hitler war am "Tag von Potsdam" für Festessen zu Besuch

Bewohnt wurde die Villa seit 1920 von August Wilhelm Prinz von Preußen, Spitzname „Auwi“, dem vierten Sohn des abgedankten Kaisers Wilhelms II. „Auwi“ trat in den späten 1920er Jahren als begeisterter Unterstützer der Nationalsozialisten in Erscheinung, wurde Mitglied im paramilitärischen „Stahlhelm“ und der NSDAP. Am „Tag von Potsdam“, am 21. März 1933, lud er Adolf Hitler nach den Feierlichkeiten zum Essen in die Villa Liegnitz ein. Im Februar 1945 floh August Wilhelm vor der herannahenden Roten Armee, die das Gebäude konfiszierte. Schlagzeilen machte das Haus zuletzt 2019, als bekannt wurde, dass die Familie Hohenzollern im Rechtsstreit mit dem Land Brandenburg um Entschädigungen auch die Forderung nach einem Dauerwohnrecht in der Villa Liegnitz, im Schloss Cecilienhof oder im Schloss Lindstedt in den Raum gestellt hatte.

Demir Arslantepe zeigt Probeanstriche an der Fassade.
Demir Arslantepe zeigt Probeanstriche an der Fassade.
© Andreas Klaer

Genutzt wurde das Gebäude nach dem Krieg und bis 2004 von der Abteilung Zoologie der Pädagogischen Hochschule, später der Universität Potsdam. In dieser Zeit habe das Gebäude „richtig gelitten“, sagt Projektleiter Demir Arslantepe. Räume mit Waschbecken und langen Labortischen wurden eingerichtet, das Haus, dessen Bausubstanz eigentlich als gut gelten kann, mit Leitungsbau „durchörtert“, also durchdrungen. Nach der Rückgabe an die Stiftung waren bis 2016 Büros und eine Bibliothek in der Villa untergebracht.

Bleihaltige Anstriche mussten aufwendig entfernt werden

Die Stiftung hofft auf eine Fertigstellung Mitte 2024.
Die Stiftung hofft auf eine Fertigstellung Mitte 2024.
© Andreas Klaer

Als besondere Herausforderung bei der Sanierung erwies sich die Entfernung der bleihaltigen Anstriche an Innenwänden, Decken und der Fassade, wie Projektleiter Arslantepe berichtete. Die ist nötig geworden, weil Blei in die Raumatmosphäre gelangt war. Die Ablösung mittels Chemie habe nicht funktioniert, man habe die gut ein halbes Dutzend Schichten dicken Bleianstriche schließlich abschleifen müssen – im Schutzanzug, mit Atemschutzmaske und mit laufendem Absaugegerät. Auf kleineren Stuckelementen muss der Bleianstrich noch aufwendig heruntergeschält werden. Acht Wochen habe man wegen des Anstrichproblems verloren, schätzt Arslantepe.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten saniert derzeit die denkmalgeschützte Villa Liegnitz samt Garten im Park Sanssouci.Die Instandsetzungsarbeiten sollen Mitte 2024 abgeschlossen sein. Stibadium im Garten der Villa.
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten saniert derzeit die denkmalgeschützte Villa Liegnitz samt Garten im Park Sanssouci.Die Instandsetzungsarbeiten sollen Mitte 2024 abgeschlossen sein. Stibadium im Garten der Villa.
© Andreas Klaer,PNN,Tsp

Ansonsten ist bereits der Kellersockel neu abgedichtet worden, der Dachstuhl wurde ausgebessert. Momentan werden die Dächer neu gedeckt. Die Reparatur der Fassade beginnt demnächst. Hier besteht die Schwierigkeit darin, die Putzfugen beim Neuanstrich präzise zu gestalten, erklärte der Projektleiter.

Gearbeitet wird auch im Garten der Villa: Dort ist die Sanierung des Stibadiums bereits fortgeschritten, Wege und Wasserspiele sollen überdies wiederhergestellt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Bepflanzung nach den erhaltenen originalen Plänen muss aber vorerst zurückstehen: Man habe weder für die Investition noch für den Unterhalt die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen, erklärte Stiftungssprecher Frank Kallensee.

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