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Potsdams Schulen werden per 360-Grad-Scan digital erfasst. 
© Andreas Klaer,PNN,Tsp

Digitalisierung in Potsdam: Externer IT-Support für Schulen

Dienstleister übernimmt ab November Reparaturen und Einrichtung. 360-Grad-Scans der Schulhäuser als Basis für Digitalisierung von Potsdams Bildungseinrichtungen. 

Potsdam - Die Nachricht, auf die Potsdams Lehrer:innen und Schulleiter:innen lange gewartet haben dürften, wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zur Digitalisierung quasi nebenbei verkündet: Ab November gibt es in Potsdam einen externen Dienstleister, der sich um den IT-Support in den Schulen kümmert. „Wir haben den Auftrag an die Berliner Firma Arktis GmbH vergeben“, sagte Thomas Morgenstern-Jehia, der im Rathaus den Bereich E-Government leitet. Wenn also nach den Herbstferien in einer Potsdamer Schule ein Beamer oder ein Computer defekt ist, bleibt zwar die Verwaltung der erste Ansprechpartner. Die Reparatur übernimmt dann aber die Firma.

Thomas Morgenstern-Jehia, IT-Chef der Stadt Potsdam. 
Thomas Morgenstern-Jehia, IT-Chef der Stadt Potsdam. 
© Ottmar Winter PNN

Die Forderung nach einem besseren System zur Wartung und Problembehebung bei der Schultechnik gibt es seit Langem. Vor zwei Jahren hatten 20 Schulen der Stadt einen Hilferuf in Form eines öffentlichen Briefes veröffentlicht. Es häuften sich Berichte von technischen Geräten, die zwar angeschafft, aber monatelang nicht eingerichtet wurden. Oder von sich anstauenden Defekten, die die IT-Abteilung aufgrund von Personalmangel nur mit längeren Wartezeiten beheben konnte. Im März hatte die Stadt die Dienstleistung für zwei Jahre ausgeschrieben. „Jetzt können wir einen Haken dahinter machen“, sagte Morgenstern-Jehia. 

"Großer Schluck aus der Pulle"

Nicht nur bei diesem leidigen Thema soll es jetzt endlich vorangehen. In der neuen Initiative zur Digitalisierung von Potsdams Schulen sieht Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) nicht weniger als den großen Wurf. Potsdam werde bei dem Thema schneller und effizienter. Vor allem aber werde man nicht mehr nur einzelne Modell- oder Pilotschulen digital ausstatten, sondern den Fortschritt „in der Breite ausrollen“. Sprich: Alle 48 Potsdamer Schulen sollen technisch besser ausgerüstet werden. „Wir nehmen jetzt den großen Schluck aus der Pulle“, sagte Schubert. 

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Die erste Etappe dieser neuen Digital-Offensive präsentierte Schubert am Donnerstag gemeinsam mit zwei Partnern in der Gesamtschule Am Schilfhof der Presse. In den Sommerferien hat die Firma Sachsen Digital Consulting im Auftrag der Stadt zehn Potsdamer Schulen mit einem 360-Grad-Scan digital erfasst, darunter auch die Schule am Schlaatz. Alle weiteren sollen folgen. Dazu wird ein Apparat in Größe und Form eines glattpolierten Fernsehmikrofons genutzt. Wie das funktioniert, erläuterte Geschäftsführer Matthias Hundt: „Das Gerät führt 420.000 Lasermessungen pro Sekunde durch. So können wir einen Raum in nur 30 Sekunden erfassen.“ 

Matthias Hundt übernimmt mit seiner Firma Sachsen Digital Consulting die 3D-Vermessung der Schulen. 
Matthias Hundt übernimmt mit seiner Firma Sachsen Digital Consulting die 3D-Vermessung der Schulen. 
© Andreas Klaer,PNN,Tsp

Ein Mitarbeiter geht durch jedes Klassenzimmer, durch Flure und Treppenhäuser. Jeder Winkel der Schulhäuser wird vermessen, jede Leitung und jede Tafel registriert. Es entsteht ein zentimetergenauer 3D-Plan, der zugleich eine Bestandsaufnahme der Schultechnik ist. Zwar ist die Vermessung aufwendig – der Techniker ist für die Erfassung der zehn Schulen nach eigenen Angaben 256 Kilometer weit gelaufen und hat 311 Stockwerke erklommen – doch im Vergleich zu einer händischen Vermessung doch ungleich schneller. „Zur Digitalisierung gehören immer die Baulichkeit, die technische Ausrüstung, Support und Wartung“, sagte Hundt. Die detaillierte Erfassung sei eine ideale Basis für die weitere Planung. Eine Grundlage für künftige Sanierungen, aber eben auch für die Planung von Wlan und Technik.

Erfassung des technischen Bedarfs

Für die nächste Etappe kommt der zweite wichtige Partner ins Spiel. Der Zweckverband Digitale Kommunen in Brandenburg (Dikom), bei dem Potsdam Mitglied ist, soll in einem zweiten Schritt mit allen Potsdamer Schulen ins Gespräch gehen, um ihren technischen Bedarf genau zu erfassen. Zwar gab es eine solche Auflistung bereits für den Medienentwicklungsplan im Rahmen des Digitalpakts Schule. Aber diese soll verfeinert und wenn nötig aktualisiert werden. 

Thomas Batzer von Dikom berät Verwaltung und Schulen beim Thema digitale Ausstattung. 
Thomas Batzer von Dikom berät Verwaltung und Schulen beim Thema digitale Ausstattung. 
© Andreas Klaer,PNN,Tsp

„Wir haben einen beratenden Charakter und nehmen dabei immer den Nutzer, also die Schüler und Schülerinnen, die Lehrer und Lehrerinnen in den Blick“, sagte Thomas Batzer von Dikom. Für diese erste Phase des Prozesses, die digitale Erfassung der Schulen und die Planung der technischen Aufrüstung, plant die Stadt Kosten in Höhe von einer Million Euro ein. 

Wann jedoch diese Planung umgesetzt wird, wann also tatsächlich technische Geräte in den Schulen genutzt werden können, dazu wollten weder Schubert noch Morgenstern-Jehia eine Schätzung abgeben. Der weitere Zeitplan der Digital-Offensive werde dann bekannt gegeben, wenn es ihn gebe. 

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