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Das Einfahrtstor zum Studiogelände in Babelsberg.
© Andreas Klaer

Studio Babelsberg: Hoffen auf Claudia Roth

Das Studio Babelsberg will mehr Serien produzieren. Doch das geht nicht wie erhofft. Der Vorstandschef hält die staatliche Förderung in Deutschland nicht mehr für zeitgemäß.

Potsdam - Das Studio Babelsberg will neben Kinofilmen stärker auf Serien setzen. Vorstandschef Carl Woebcken warnt aber vor einer Abwanderung von Serien-Anbietern ins Ausland und fordert mehr Hilfe vom Bund. „Wir würden gern den Anteil der Serienproduktion erhöhen. Wir haben aber Anfragen ohne Ende und Absagen ohne Ende“, sagte Woebcken in Potsdam. Der Markt habe sich wegen des großen Bedarfs der Streamingdienste hin zu seriellen Formaten gedreht – auch wegen der Corona-Pandemie, die das Kinosterben beschleunigt habe. Doch: „Weltweit boomt es und Deutschland partizipiert nicht daran“, sagte Woebcken.

Der Vorstandschef hält die staatliche Förderung in Deutschland nicht mehr für zeitgemäß: „Die Förderung in Deutschland ist auf Kino ausgerichtet. Ohne den Filmförderfonds II hätten wir die Produktion von „Matrix“ oder „Uncharted“ nicht nach Deutschland geholt, aber er ist in die Jahre gekommen“, sagte Woebcken, der auch Vorstandsmitglied des Verbands Technischer Betriebe für Film & Fernsehen (VTFF) ist. „Für das Kino ist eine sechsmonatige Auswertungssperre erforderlich, damit man Zugriff auf diese Mittel hat – mit der Möglichkeit einer Verkürzung auf drei Monate.“ Er betonte: „Das machen aber die meisten Produzenten weltweit nicht mit, weil das Tür und Tor für die Piraterie öffnet.“ Woebcken erhofft sich von der neuen Kulturstaatsministerin Claudia Roth Unterstützung.

Carl L. Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG.
Carl L. Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG.
© dpa

Nach der Übernahme der Mehrheit durch die US-Investmentfirma TPG Real Estate Partners rechnet der Vorstandschef mit einer Stärkung der Position der Studio Babelsberg AG. „TPG plant, dass unter dem Label Cinespace eine Verbundstruktur von Studiobetreibern entstehen soll, die über die Marktmacht bessere Chancen hat, das Geschäft auszubauen“, sagte Woebcken. Durch Investitionen in Infrastruktur und neue Technologien könne der gesamte Medienstandort Babelsberg von der Kooperation profitieren. Dazu komme, dass die Talentagentur CAA, die ebenfalls zu TPG gehört, aktiv beim Packaging sei – einer Finanzierungshilfe von Independent-Filmen. „Das ist eine Synergie, die wir uns aus dem Gesamtverbund erwarten.“

Vorsichtiger Blick in die Zukunft

Nach einem Rekordjahr blickt Studio Babelsberg vorsichtig in die Zukunft: „Wir werden im ersten Halbjahr durch ein kleines Loch gehen müssen“, sagte der Vorstandschef. „Wenn von vier geplanten Kino-Großprojekten zwei kommen, hätten wir eine sehr gute Auslastung, wenn keines kommt, wäre es eine Katastrophe.“ Er nennt als Ziel, die zweite Staffel der Serie „1899“ zu machen. „Im nächsten Jahr wird sicherlich wieder „Babylon Berlin“ kommen, aber sie haben bei uns nur die Außenkulisse in Anspruch genommen.“

Das Studio lebt nach den Worten seines Chefs „von der Hand in den Mund“. „Wir haben nur eine Sichtweite von sechs Monaten, was die Auftragslage angeht“, sagte Woebcken. Trotz der guten Jahre 2020 und 2021 habe die Auslastung im Durchschnitt nur bei 50 Prozent gelegen. „Wir kommen nicht an die größeren seriellen Produktionen heran, die man braucht, um eine einigermaßen regelmäßige Auslastung zu haben.“

Studio Babelsberg wurde 1912 gegründet und ist nach eigenen Angaben das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt. Dort entstanden so erfolgreiche Spielfilme wie „Die Feuerzangenbowle“ und „Inglourious Basterds“ , aber auch die Serien „Babylon Berlin“, „Homeland“ und „Dark“. Seit 2005 ist Studio Babelsberg eine AG. (dpa)

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