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Regisseur Volker Schlöndorff unterstützt das Engagement des „Begegnungscafés Oskar“. 
© Andreas Klaer

Schlöndorff will Ukrainer aufnehmen: Im Haus des Oscar-Preisträgers ist wieder Platz

Der Regisseur sorgt sich um Geflüchtete. Im Drewitzer Begegnungscafé bot er Menschen aus der Ukraine ein Quartier an.

Von Carsten Holm

Potsdam - Fast 100 aus der Ukraine geflüchtete Frauen und ihre Kinder sitzen an diesem Tag im März auf der Terrasse des Drewitzer Kulturzentrums „Oskar“. Sie sind dorthin gekommen, weil sie sich beim Internationalen Begegnungscafé dazu beraten lassen möchten, was für ihr Leben in Deutschland wichtig ist. 

Ein freundlich lächelnder Herr kommt dazu, setzt sich zu einigen Frauen an den Tisch und sucht das Gespräch. Es ist Volker Schlöndorff, der große, alte Mann der internationalen Kinowelt. Er ist am Vorabend erst aus der Schweiz zurückgekehrt, jetzt will er Menschen aus der Ukraine kennenlernen und, wenn man zusammenpasst, auch in seiner Villa am Griebnitzsee aufnehmen.

Günther Kruse, der das Begegnungscafé mit seiner Frau Martina seit sechs Jahren führt, hat ihn vorgestellt, und schnell ist zu beobachten, wie leicht es Schlöndorff fällt, mit den Geflüchteten ins Gespräch zu kommen. Mit seinem warmen, jugendlichen Lächeln nimmt er vielen eine mögliche Scheu. 

Sie erzählen ihm, dass sie aus Kiew oder Lwiw stammen, aus Odessa oder Poltawa, sie erzählen auch von ihrer Not, jetzt eine Unterkunft zu finden, in der sie eine Zeitlang bleiben können. Wohnraum in Potsdam ist bekanntlich knapp, und nun sind Hunderte Menschen unterzubringen.

Schlöndorff ist dem Café seit Jahren verbunden

Schlöndorff ist 82 Jahre alt, Oscar-Preisträger, und setzt sich schon lange ein für Menschen, die wegen eines Krieges ihre Heimat verlassen mussten. Er war einer der Initiatoren, als 100 berühmte Regisseure und Schauspieler sich im März 2016 mit einem Strauß roter Rosen bei der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für deren Haltung in der Flüchtlingspolitik bedankten. 

Er gab in Beirut Workshops für filmbegeisterte junge syrische Flüchtlinge. Im März 2020 forderte er mit Schauspieler Lars Eidinger und Autorin Sibylle Berg die EU-Staaten auf, überfüllte Flüchtlingslager zu evakuieren und Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu treffen.

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Mit seinem Besuch in Drewitz führt er sein Engagement fort. Schlöndorff ist, wie Günther Kruse erzählt, dem Café seit Jahren verbunden. Er hat in den vergangenen Jahren in seinem Haus am Griebnitzsee einer heute 32-jährigen Frau aus Kamerun Asyl gewährt und sie in seiner Einliegerwohnung untergebracht. „Kinder waren zunächst nicht vorgesehen“, sagte der Regisseur den PNN. 

In Schlöndorffs Haus ist wieder Platz

Als die Afrikanerin in Potsdam aber einen Landsmann kennenlernte und sie zusammen zwei Kinder bekamen, lebte die Familie bei ihm. Eine ältere Tochter kam hinzu, sie besuche inzwischen das zweisprachige Voltaire-Gymnasium in Berlin, erzählt Schlöndorff. 

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Für ihn sei das Zusammenleben mit der Kamerunerin und ihrer Familie ein Glücksfall gewesen. Doch jetzt habe die Familie eine größere Wohnung bezogen – und in Schlöndorffs Haus ist wieder Platz.

Im Begegnungscafé würden offenbar nicht wenige gern zu ihm ziehen – und sie wissen weder, dass seine Villa am Griebnitzsee zu den Potsdamer Toplagen gehört, noch, wie prominent der Quartiergeber ist. Er spricht mit einer siebenköpfigen Familie. Doch sie ist zu groß für die Wohnung. Interesse hat auch eine Frau mit drei Kindern. 

Dann erzählt Schlöndorff den PNN, dass er vielleicht für die Großeltern der großen Familie Platz hätte: „Die haben einen großen Hund, einen deutschen Schäferhund, mitgebracht, und ich habe einen großen Garten“, sagt der Regisseur mit einem Schmunzeln.

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