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Die Josephinen-Wohnanlage in Potsdam.
© Ottmar Winter

Nach Massenkündigung von Senioren: Josephinen-Anlage zum Feriendomizil gemacht

Die Potsdamer Senioren-Wohnanlage wird nun auf AirBnB für Urlauber angeboten - für weniger als 30 Euro pro Nacht. Linke fordert Klärung.

Potsdam - Die Preise sind unschlagbar: 23 bis 29 Euro pro Nacht werden für die Ferienwohnungen für zwei bis drei Personen im Herzen der Stadt verlangt. 69 von ihnen werden unter den Namen „Kleines Ferienglück an der Freundschaftsinsel“ auf der Internetplattform AirBnB angeboten. Die Josephinen-Anlage in der Burgstraße, deren mehr als 100 hochbetagten Bewohner:innen im vergangenen Jahr gekündigt wurden, ist offenbar zum Feriendomizil geworden.

Die Stadtverwaltung hat auf eine PNN-Anfrage zur Lage in dem Seniorenheim am vergangenen Freitag eine Antwort erst für Mitte dieser Woche in Aussicht gestellt. Die PNN wollten unter anderem wissen, ob die Nutzung als Ferienunterkunft von der Stadt genehmigt wurde, ob ein Verstoß gegen die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Zweckentfremdungssatzung von Wohnraum vorliegt und falls ja, was die Stadt dahingehend unternommen hat oder unternehmen will.

Begeisterte Bewertungen auf AirBnB

Der Fernsehsender rbb hatte am Freitagabend zuerst über die Feriennutzung berichtet. Dem rbb gegenüber erklärte Marcus Speckenbach, Vorstandsvorsitzender der Hamburger MK-Kliniken AG, das Mutterunternehmen des Gebäudebetreibers SGG, dass eine Feriennutzung ab September geplant sei: „Für den Tourismus in Potsdam eine Riesenchance, denn nun können auch Leute mit kleinem Geldbeutel die Stadt besuchen“, so Speckenbach.

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Die Vermietung scheint allerdings bereits im Gange zu sein. Auf der Plattform AirBnB finden sich für die Unterkünfte in der Josephinen-Anlage jedenfalls seit Juli schon 46 zumeist begeisterte Bewertungen. Lediglich ein Nutzer beklagte im Juli „laute Konzerte draußen bis kurz vor Mitternacht“ und „eine Krankenhausatmosphäre“. Ein weiterer Urlauber erfuhr während des Aufenthalts von der Kündigung der hilfsbedürftigen Senioren: „Mir war dieser Umstand vorher nicht bekannt, sonst hätte ich hier nicht gebucht“, schreibt er.

Massenkündigung hatte für Empörung gesorgt

Empört über die Vermietung zeigte sich auch die Linke. „Seit Monaten tanzen die MK Kliniken der Kommune und dem Land auf der Nase herum“, sagte Isabelle Vandre, wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Brandenburger Landtag und Potsdamer Stadtverordnete, in einer Pressemitteilung vom Sonntag. „Damit muss Schluss sein – gerne auch durch eine gerichtliche Klärung zum Agieren dieses Konzerns.“ Verhandlungen der Stadt mit den MK Kliniken sollten sofort beenden werden, so Vandre. Sie erwarte „eine umgehende Positionierung seitens der Stadtspitze und eine ausführliche Klärung des Sachverhaltes.“

Die Massenkündigung in der Josephinen-Anlage hatte Ende 2021 für breite Empörung gesorgt. Unter anderem hatte der Mieterverein Potsdam erklärt, dass die Kündigungen unwirksam seien und den Bewohnern zu Widersprüchen geraten. Die Sozialbeigeordnete Meier hatte angekündigt, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sich mit einem Brief an die Eigentümer wenden wolle. Die Stadtverordneten hatten beschlossen, dass Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) Beratungen aufnehmen solle. Die Initiativen blieben offensichtlich erfolglos. (mit les)

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