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Potsdamer Babyklappe soll erhalten bleiben: „Letzte Chance für Frauen, die ihr Kind unerkannt abgeben wollen“
An der Babyklappe am Potsdamer Alexianer St.-Josefs-Krankenhaus wurde 2025 kein Kind abgelegt. Warum das katholische Krankenhaus an dem Angebot festhält.
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In der Babyklappe des Alexianer St.-Josefs-Krankenhauses in Potsdam ist im Jahr 2025 kein Kind abgelegt worden. Das teilte Pressesprecher Benjamin Stengl auf Anfrage der Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) mit. Seit der Wiedereröffnung der Babyklappe im Sommer 2023 wurde demnach kein Kind dort abgelegt. Die Einrichtung war erstmals 2003 auf dem Alexianer-Campus an der Allee nach Sanssouci eröffnet worden. Insgesamt wurden dem Krankenhaus seitdem zwölf Kinder über diesen Weg anvertraut, sagte der Sprecher. Die Babyklappe ist die einzige im Land Brandenburg.
Wird ein Kind dort abgelegt, ertönt sofort ein Signal auf der gynäkologischen Station und in der Notaufnahme, erklärt Stengl das Prozedere. Innerhalb weniger Minuten werde das Baby dann auf die Station gebracht, wo Kinderkrankenschwestern die Vitalfunktionen überprüfen und eine medizinische Erstversorgung vornehmen.
Ist das Kind gesund, informiere das Krankenhaus unmittelbar die Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes Potsdam. Diese schalte die Vormundschaftsabteilung ein, die wiederum das Vormundschaftsgericht zur Bestellung eines Amtsvormundes einbezieht. Parallel suche die Adoptionsvermittlungsstelle geeignete Adoptiveltern. Die Übergabe des Kindes erfolge anschließend gemeinsam mit dem Amtsvormund auf der Station.
Die Babyklappe muss aus unserer Sicht als letzte Chance für Frauen, die ihr Kind unerkannt abgeben wollen, erhalten bleiben.
Dr. Siegfried Schlag, der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Alexianer St.-Josefs-Krankenhaus Potsdam
Trotz der geringen Nutzung hält das Krankenhaus an dem Angebot fest. „Wir halten daran fest, weil es eine ureigenste christliche Aufgabe ist, für verzweifelte Menschen in einer Ausnahmesituation da zu sein und Leben zu retten“, erklärt Regionalgeschäftsführer Alexander Mommert.
Es handele sich um ein zusätzliches Hilfsangebot, betont die Klinik. Sie verweist auch auf Angebote wie die vertrauliche oder anonyme Entbindung. Dabei können Frauen in Notlagen ihr Kind anonym, aber medizinisch sicher auf die Welt bringen. Wenn die Frau das Kind dauerhaft abgeben möchte, wird es zur Adoption freigegeben. Im vergangenen Jahr nahmen laut dem Sprecher drei werdende Mütter in Notsituationen das Angebot der vertraulichen Geburt im Krankenhaus in Anspruch.
Zwar sei eine Entbindung in der Klinik für Mutter und Kind sicherer als eine Geburt allein zuhause, sagt Siegfried Schlag, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Allerdings ist die Hemmschwelle, sich in eine Klinik zu begeben, für eine Frau, die ihre Schwangerschaft verheimlicht oder verdrängt hat, sehr hoch und mitunter unüberwindbar. Die Babyklappe muss aus unserer Sicht als letzte Chance für Frauen, die ihr Kind unerkannt abgeben wollen, erhalten bleiben.“
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