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Die Zeppelinstraße wurde vor fünf Jahren verengt.
© Ottmar Winter

Neun-Euro-Ticket: Luft in Potsdam sauberer geworden

Eine Studie der Universität Potsdam zeigt die Auswirkungen des Neun-Euro-Tickets. Doch statt einer Fortsetzung steht eine Tariferhöhung im Raum.

Potsdam - Die Luft in Potsdam ist seit Einführung des Neun-Euro-Tickets sauberer geworden. Das legen Messungen des Landesumweltamts nahe. Auch eine bundesweite Studie von Forschern der Universität Potsdam weist auf einen Zusammenhang hin. Niklas Gohl und Philipp Schrauth vom Center for Economic Policy Analysis haben mithilfe statistischer Methoden den Einfluss des Neun-Euro-Tickets auf Luftqualitätsdaten ausgewertet. Das Ergebnis: Die Subventionierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Deutschland im Sommer 2022 sorgt für eine geringere Luftverschmutzung.

Konkret ging der betrachtete Luftverschmutzungsindex im Juni 2022 um mehr als sechs Prozent zurück. Besonders ausgeprägt sei der Effekt an Wochentagen, wenn Berufstätige zur Arbeit pendeln, sowie in städtischen Ballungsräumen mit gut ausgebautem ÖPNV. Um den Effekt des Tickets möglichst genau beziffern zu können, verglichen die beiden Forscher den Luftverschmutzungsindex vor der Einführung des Neun-Euro-Tickets im Mai 2022 und danach im Juni 2022 mit Werten für Mai und Juni aus den Jahren 2018 und 2019. Außerdem berücksichtigten sie Faktoren wie Wetter, Benzinpreise, Wochentags- und Jahreseffekte. 

An Arbeitstagen auffälliger

Im Ergebnis belegen sie, dass die Veränderung der Luftverschmutzung von Mai auf Juni 2022 an Arbeitstagen deutlich ausgeprägter war als in vergleichbaren Vorjahren. Im Gegenzug waren die Effekte an den Wochenenden geringer. Der Gesamteffekt zeige indes deutlich, „dass die Subventionierung des öffentlichen Verkehrs eine praktikable Option sein könnte, um die Umweltverschmutzung kurzfristig und möglicherweise auch langfristig zu reduzieren“, so die Forschenden. „Somit kann eine politische Maßnahme wie das Neun-Euro-Ticket tatsächlich zum Nachhaltigkeitsziel der UN beitragen, widerstandsfähigere, sicherere und gesündere städtische Ballungsräume zu schaffen“, schrieben die Forscher.

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Auch Daten aus Potsdam sind in die Auswertung eingeflossen. Sie stammen von den vier Messstationen des Landesumweltamts in der Stadt. Davon befinden sich zwei an verkehrsreichen Hauptstraßen, nämlich der Zeppelinstraße und der Großbeerenstraße. Die anderen beiden stehen am Bassinplatz und in Groß Glienicke. Sie sind die sogenannten Hintergrundmessstellen. Damit kann man den Einfluss des Straßenverkehrs von anderen Einflüssen unterscheiden. Wenn zum Beispiel Feinstaub aus weit entfernten Kohlekraftwerken angeweht wird, steigt die Belastung an allen Messstellen. Steigt sie nur an einer oder zwei Messstellen, müsste es sich um eine lokale Quelle handeln.

Weniger Stickstoffdioxid als vor der Pandemie

Schaut man sich die Messdaten des Landesumweltamts für Stickstoffdioxid an, zeigt sich das Muster. Das gesundheitsschädliche Gas wird von Verbrennungsmotoren erzeugt. Dementsprechend sind die Messwerte an den Straßen höher als an den Hintergrundmessstellen. Auch sind die Monatswerte für Mai und Juni in den Vergleichsjahren 2018 und 2019 – vor der Pandemie – jeweils höher als in diesem Jahr und meistens sind sie auch im Juni jeweils etwas geringer als im Mai. Es gibt aber zwei Ausnahmen: So stieg die Belastung im Juni 2019 in der Großbeerenstraße und im Juni 2022 in der Zeppelinstraße leicht an. Die Forscher weisen darauf hin, dass statistisch belastbare Aussagen bei der gewählten Methode nur getroffen werden können, wenn eine ausreichend große Anzahl an Beobachtungen gemacht wurde. 

Wie berichtet soll das günstige Ticket nur noch bis Ende August gelten. Weder Bund noch Länder haben bisher eine Finanzierung für die Fortführung bereitgestellt, weswegen auch der Potsdamer Verkehrsbetrieb keine Chance auf Verlängerung sieht. Seit das Neun-Euro-Ticket gilt, ist die Auslastung von Bussen und Trams in Potsdam wieder wie vor der Corona-Pandemie beziehungsweise sogar höher.

Derzeit wird sogar über Fahrpreiserhöhungen diskutiert. Ende September will der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, zu dem auch Potsdams Verkehrsbetrieb zählt, entscheiden, ob die Fahrpreise zum Jahreswechsel steigen sollen. Im Durchschnitt könnten die Tarife im Verkehrsverbund dabei um 5,6 Prozent zulegen. Um diesen Wert ist der Tarifpreis-Index des VBB gestiegen, der die Grundlage für die Ticketpreisentwicklung darstellt. Der Preisindex bildet die Kostenentwicklung für Kraftstoffe, Strom und die generellen Verbraucherpreise auf Grundlage der Angaben des Statistischen Bundesamtes ab. 

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