
© Andreas Klaer
Landeshauptstadt: Mehr Platz für Potsdams Kinder
Mehr als 700 neue Kitaplätze sollen in einem Jahr geschaffen werden. Nicht überall passt das Angebot
Stand:
Immer mehr Kinder: In Potsdams Kitas werden Hunderte zusätzlicher Plätze benötigt. Im Laufe des Kita-Jahres 2015/2016 sollen 719 neue Plätze in Krippen, Kindergärten und Horten geschaffen werden. Damit steigt die Gesamtzahl der Kitaplätze auf 16 250 – so viel wie nie seit der Wiedervereinigung. Hintergrund ist das seit Jahren anhaltende Wachstum der Stadt, der Familienzuzug und die steigenden Geburtenzahl.
Am Donnerstag stellte Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) die aktuelle Kitabedarfsplanung des Rathauses vor Pressevertretern vor. Die Stadtverordneten beschäftigen sich kommenden Mittwoch mit dem akuten Thema. Organisatorisch und finanziell sei der Kita-Ausbau auf diesem Niveau ein Kraftakt, so Müller-Preinesberger – den die Stadt aber gerne bewältige. In zehn Jahren sei das Platzangebot mehr als verdoppelt worden. Etwa 56 Millionen Euro steckt Potsdam allein in diesem Jahr in die Kinderbetreuung, fast jeden zehnte Euro des städtischen Etats.
Erweitert werden sollen beispielsweise die Kita „Butzemannhaus“ in Groß Glienicke, der Hort „Havelsprotten“ in der Innenstadt und die Kita „Sonnenschein“ im Zentrum-Ost. Neubauten werden unter anderem errichtet im Bornstedter Feld, in Babelsberg und Am Stern. So soll im Januar in der Pannenbergstraße eine Kita mit 51 Plätzen eröffnet werden.
Im August 2016 soll eine neuer Hort mit 160 Plätzen in der Juri-Gagarin-Straße fertig werden. Im vierten Quartal 2016 sollen laut Plan neue Kitas in der Straße Zum Kahleberg und in der Heinrich-Mann-Allee 103 den Betrieb aufnehmen. Ein Suchportal für freie Kitaplätze ist unter potsdam.de/kita-tipp zu finden.
Im vergangenen Jahr hatte die Stadt die Zahl der Kitaplätze um 280 aufstocken müssen. „Wir hatten gedacht, dass sich das Wachstum mal einpendelt“, so Müller-Preinesberger. Doch das Leben sei eben nicht immer planbar. Zudem müsse man auch sehen, wie mehr Kinder von Geflüchteten, die in Potsdam untergebracht sind, in den Kitas betreut werden können. Derzeit sind es 73, prognostizieren lasse sich dieser Bedarf nicht.
Besonders stark zugenommen hat der Betreuungsbedarf in den Horten. Dort sind fast 400 Plätze mehr nötig als vor einem Jahr. Zwei Drittel der Potsdamer Grundschüler gehen in einen Hort. 6934 Plätze soll es für diese Altersgruppe im Kita-Jahr 2015/2016 geben.
Auch bei Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt gibt es einen Zuwachs von vier Prozent. Ihnen stehen 5 831 Plätze zur Verfügung, die Betreuungsquote liegt derzeit bei 97 Prozent. Damit liege Potsdam deutschlandweit vorn, so Reinhold Tölke, der im Rathaus für die Kitabedarfsplanung verantwortlich ist. Im Laufe des Jahres könnte die Quote sogar auf mehr als 98 Prozent steigen.
Auch bei den Krippenkindern ist der Bedarf weiter gewachsen – auf 3485 Plätze. Das sind gut 100 mehr als vor einem Jahr. 391 Plätze gibt es noch bei Tagespflegern. Damit liegt die Betreuungsquote bei 65 Prozent. Der seit 2013 geltende Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr konnte in Potsdam bisher umgesetzt werden, hieß es. „Es gab nicht eine einzige Klage in Potsdam“, so Müller-Preinesberger.
Im Allgemeinen könne die Stadt also allen Eltern einen Kitaplatz zusichern. Eine Warteliste gebe es nicht. Dennoch gebe es nicht für jeden die Wunschkita vor der Haustür, so Tölke. Innerhalb Potsdams gibt es Unterschiede in der Versorgung. Kitaplätze fehlen in Potsdam-Nord mit dem Neubaugebiet Bornstedter Feld, in Babelsberg und in den Plattenbaugebieten Schlaatz und Waldstadt.
Dem steht ein Überangebot in Potsdam-West und der Innenstadt, in den nördlichen Ortsteilen, Am Stern, in Drewitz und im Kirchsteigfeld gegenüber. Das teilweise deutliche rechnerische Überangebot – in der Innenstadt und in Potsdam-West sind es mehr als 400 Plätze – bedeute aber nicht, dass die Plätze freibleiben, so Tölke. Besonders die Kitas in der Innenstadt seien bei Eltern gefragt, die in der Nähe arbeiten.
Weniger zufrieden als mit dem Platzangebot ist Müller-Preinesberger mit dem Personalschlüssel. Laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie, kommt in Potsdam bei Krippenkindern rein rechnerisch eine Erzieherin auf 7,1 Kinder, bei den über Dreijährigen sind es 12,2 Kinder. Gesetzlich gefordert ist ein Betreuungsschlüssel von eins zu sechs bei den Krippen- und eins zu zwölf bei den Kitakindern.
Laut Müller-Preinesberger sei dabei nicht berücksichtigt, dass es in Potsdam mit 30 Prozent einen sehr hohen Anteil von Kindern gebe, die bis zu zehn Stunden betreut werden. Sie hofft nun auf Unterstützung vom Land, um die Betreuung zu verbessern.
- Groß Glienicke
- Potsdam-West
- Potsdam: Am Stern
- Potsdam: Babelsberg
- Potsdam: Bornstedter Feld
- Schule und Kita in Potsdam
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: