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Auf dem Potsdamer Sportplatz in der Ziolkowskistraße wurde ein Junge wohl durch eine Kugelbombe verletzt.

© Andreas Klaer/Andreas Klaer

Update

Mutmaßliche Kugelbombe explodiert: Potsdamer Kind durch Böller schwer verletzt – Hand „weggesprengt“

Am Neujahrstag ist ein Junge durch einen wohl illegalen Böller in Potsdam schwer verletzt worden. Der zwölfjährige Jugendfußballer befindet sich nicht in Lebensgefahr.

Stand:

Die Silvesternacht lief in Potsdam zwar relativ glimpflich ab, aber am Nachmittag des Neujahrstages ereignete sich ein dramatischer Unfall: Im Stadtteil Am Stern wurde ein Kind mutmaßlich durch eine illegale Kugelbombe schwer verletzt. Der zwölf Jahre alte Junge kam per Rettungshubschrauber ins Unfallkrankenhaus Berlin (UKB).

Eine Hand sei „weggesprengt“ worden und der Junge habe am gesamten Körper mehrere Verletzungen erlitten, wie es typisch für eine Kugelbombe ist, hatte eine Sprecherin am Donnerstag auf Tagesspiegel-Anfrage mitgeteilt. Der Zwölfjährige habe alle Finger und den Daumen der rechten Hand verloren, sagte die zuständige Klinikleiterin am Freitag dem RBB. Demnach erlitt der Junge an der Körpervorderseite großflächige Verletzungen, zudem an den Augen und Ohren. Das Kind muss noch mehrfach operiert werden, ist aber laut des Krankenhauses außer Lebensgefahr.

Der verletzte Junge ist Jugendspieler von Fortuna Babelsberg. Am Freitag meldete sich auch der Verein zu Wort. „Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass sich ein Jugendspieler unseres Vereins am gestrigen Nachmittag schwer verletzt hat“, hieß es unter anderem auf der Webseite des Vereins. Nach aktuellem Kenntnisstand sei es zu einer Explosion eines außerhalb des Sportplatz gefunden Feuerwerkskörpers gekommen, den der Spieler in der Hand hielt. „Der gesamte Verein wünscht von Herzen viel Kraft, Zuversicht und eine bestmögliche Genesung.“ Präsident Christopher Wittke zeigte sich bestürzt. „Ich kenne den Jungen persönlich.“  

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Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 15.50 Uhr auf dem Sportplatzgelände in der Ziolkowskistraße. Das Areal liegt mitten in einem Plattenbaustadtteil. An einer Seite schließt sich eine Einfamilienhaussiedlung an. Auf der anderen Seite befindet sich die Schwimmhalle und der Schulcampus.

Wie die Polizei auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte, sollen zwei Kinder im Alter von zwölf und 13 Jahren hinter einem Fußballtor einen apfelsinengroßen Gegenstand gefunden haben. Offenbar zündete der Zwölfjährige den Gegenstand an, wodurch der mutmaßlich illegale Böller unmittelbar detonierte. Der Junge erlitt schwere Verletzungen im Gesicht und an der Hand.

Kugelbomben sind in Deutschland nur für staatlich geprüfte Pyrotechniker zugelassen (Symbolbild).

© dpa/Sebastian Kahnert

Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz

Besucher des nahe gelegenen Sportlerheims hörten die Explosion. Dort fand am Nachmittag das zehnte Jubiläum des Vereinslokals „Zum Kicker“ statt. Gäste kümmerten sich um beide Kinder und leiteten Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. Kurz darauf übernahmen die alarmierten Rettungskräfte, ehe der Zwölfjährige ins UKB geflogen wurde. Der 13-Jährige blieb den Polizeiangaben zufolge körperlich unverletzt.

Besucher des Sportlerheims eilten zum Unfallort, um dem verletzten Jungen zu helfen.

© Andreas Klaer/Andreas Klaer

Die Kriminalpolizei suchte die Umgebung nach Spuren ab und befragte Zeugen. Die Einsatzkräfte stellten Fragmente eines pyrotechnischen Knallkörpers sicher. Die Art und der ursprüngliche Umfang des Böllers konnten noch nicht festgestellt werden. Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet.

Einen Tag später ist es vor Ort äußerst ruhig – ganz im Gegensatz zu den vergangenen Tagen. Bei Schneeregen, zwei Grad und böigem Wind sind kaum Menschen draußen unterwegs. Keiner hat von der verhängnisvollen Explosion am Vortag etwas mitbekommen. Ein Paar kann sich erinnern, den Rettungshubschrauber gehört zu haben. Der Zugang zum Sportplatz ist verschlossen, ebenso das Vereinslokal. Auf dem großen Rasenplatz sind Reifenspuren erkennbar. Ob sie von einem Fahrzeug der Polizei oder des Rettungsdienstes stammen, ist unklar.

Auf den Wegen und in den Grünanlagen um den Sportplatz liegen noch die Hinterlassenschaften der Silvesternacht: halbverkohlte Böllerreste, Sektflaschen, Verpackungsmüll aller Art – dazwischen könnte auch die mutmaßliche Kugelbombe gelegen haben. (mit dpa)

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