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Landeshauptstadt: Präsidentin Bachelet lebte einst Am Stern Staatsoberhaupt Chiles heiratete in Potsdam

Mehr als ein viertel Jahrhundert ist es inzwischen her, dass eine junge Medizinstudentin im Exil vor den politischen Verhältnissen in ihrer Heimat ausgerechnet Am Stern eine Wohnung bezog. Michelle Bachelet heißt sie, geflohen mit Mutter Angela über Australien in die DDR, nachdem ihr Vater Alberto als General unter Salvador Allende 1973 vom Pinochet-Regime zu Tode gefoltert wurde.

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Mehr als ein viertel Jahrhundert ist es inzwischen her, dass eine junge Medizinstudentin im Exil vor den politischen Verhältnissen in ihrer Heimat ausgerechnet Am Stern eine Wohnung bezog. Michelle Bachelet heißt sie, geflohen mit Mutter Angela über Australien in die DDR, nachdem ihr Vater Alberto als General unter Salvador Allende 1973 vom Pinochet-Regime zu Tode gefoltert wurde. Präsidentin Chiles ist sie, seit die Sozialistin am Sonntag die Stichwahl gewann.

Michelle Bachelet und ihre Mutter Angela wurden wegen ihres sozialistischen Engagements im Widerstand verhaftet und gefoltert. Sie flohen im Mai 1975 in die DDR, in der sich die Führung der Sozialistischen Partei niedergelassen hatte. Nun werden Archive aufgesucht, um das Kapitel Potsdam im Leben der Präsidentin zu füllen. In der früheren Bezirksstadt soll sie den Architekturstudenten Jorge Dávalos geheiratet und in einer Klinik in Babelsberg gearbeitet haben. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, hieß es gestern, wird von der Hochzeit nichts ans Tageslicht dringen. Es sei denn, ein Verwandter oder sie selbst würde beim Standesamt der Stadt Potsdam nachfragen. Die Gesetze des Datenschutzes lassen es nämlich nicht zu, dass Akten des Standesamtes – selbst über Tote oder Personen der Zeitgeschichte – geöffnet werden. Dabei ist sich die Potsdamer Verwaltung sicher, die Akten zu haben. Denn seit 1974 würde jede Hochzeit in Potsdam dokumentiert und aufbewahrt. Auch in zwei Kliniken der Stadt sind die Archive bemüht worden, bislang jedoch ohne Erfolg. Einziges Ergebnis: jüngere Mitarbeiter hätten von ihren älteren Kollegen einen historischen Abriss der Klinik erhalten, wie im Oberlinhaus. Auf dem Gelände der heutigen orthopädischen Klinik war früher ein Bezirkskrankenhaus. Sie könnte also hier gearbeitet haben, hieß es gestern. Doch die Akten dazu lägen in den Archiven des Klinikums Ernst von Bergmann. Erste Nachforschungen dort blieben ebenfalls erfolglos, die Suche in den Karteikarten sei jedoch noch nicht bemüht worden, hieß es.

„Es war ein bescheidenes, aber angenehmes Leben“, wurde Mutter Angela Bachelet vor Jahren in anderen Zeitungen zitiert. Wunderbare Erinnerungen habe sie „an die Solidarität vieler Personen, die mich damals in Deutschland aufgenommen haben“, habe Michelle Bachelet gesagt. Es sei eine gute Zeit gewesen, „aber wir haben Chile sehr vermisst.“ Als sie 2004 in Chile Margot Honecker kennen lernte, bedankte sie sich für die damalige Hilfe der DDR-Führung. 1979, ein Jahr nach Geburt ihres Sohnes in Leipzig, kehrte sie mit ihrer Mutter in die Heimat zurück, schloss ihr Studium ab, wurde Kinderärztin, stieg 1995 in die Parteiführung der Sozialisten auf, wurde 2000 Gesundheits- und danach Verteidigungsministerin.jab

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