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Bedrohte Schönheit. Trotz Klimawandel ist der Park Sanssouci Potsdams größter Touristenmagnet – was sich auch in vielen Spenden niederschlägt. Dank einer Zuwendung der Studiengemeinschaft Sanssouci konnte jetzt die Marmorkrone am Brunnen im Oranierrondell, nahe der Bildergalerie, restauriert werden.

© Manfred Thomas

Landeshauptstadt: Sanssouci als Steppenlandschaft?

Potsdams Welterbe bekommt die Folgen des Klimawandels zu spüren. Internationale Experten wollen heute im Schloss Glienicke darüber diskutieren, wie man gegensteuern kann

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Sanssouci - Der Klimawandel bedroht von Jahr zu Jahr mehr das Unesco-Welterbe der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft. „Hitze, Trockenheit und Wetterextreme machen den Gärten immer mehr zu schaffen“, sagt der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Michael Rohde.

Unter dem Motto „Steppe oder Moor? Sanssouci und die Folgen des Klimawandels“ wollen am heutigen Mittwoch Experten aus aller Welt im Schloss Glienicke über die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen auf historische Gärten diskutieren. Neben Rohde nehmen unter anderem Fachleute des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der University of Sheffield, der Technischen Universität Berlin und des Bundes für Umwelt und Naturschutz daran teil.

Der Klimawandel ist auch ein Aspekt einer neuen Ausstellung mit dem Titel „Paradiesapfel“, die vom 18. April bis zum 31. Oktober 2014 an verschiedenen Stationen im Park Sanssouci gezeigt wird. Ergänzend soll es eine Schau in den Römischen Bädern geben, die beleuchtet, welche Bedeutung Gärten für die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert hatten und wie sich die Haltung im Laufe der Zeit veränderte. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Programm: So soll es Experten- und Familienführungen, Jogging- und Fitnesstermine geben, hinzukommen Gartenseminare und Diskussionsreihen. Es ist das erste Mal, dass die Schlösserstiftung die Themen historische Gartenkunst und Klimawandel miteinander in Verbindung bringt.

Vor allem im Park Sanssouci sind die saftig grünen Wiesen und die alten Bäume mit dichtem Laub nach Ansicht der Stiftungsexperten perspektivisch gefährdet. „Wir machen uns ernste Sorgen, ob wir die Nachpflanzungen zur Bewahrung der Parkbilder auch künftig bewältigen können“, sagte Rohde. Auf vielfältige Umwelteinflüsse mussten die Gärtner schon immer reagieren. Doch seit etwa zehn Jahren nehmen die Auswirkungen des Klimawandels zu: Es wird wärmer. „Immer mehr Pflanzenschädlinge wandern ein und vermehren sich stark. Die Bäume leiden unter Stress, sterben ab“, erklärte der Gartendirektor. Ulmen, Eschen und Rotbuchen, neuerdings aber auch Eichen seien besonders gefährdet.

Die Baumbestände sind mittlerweile rund 200 Jahre alt. Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) hatte eine einzigartige Parklandschaft konzipiert. Raumbildung und Sichtbeziehungen waren sorgfältig aufeinander abstimmt. Einzeln gepflanzte Bäume auf weiten Wiesen, Baum-Gruppen und dichte Gehölzbestände sollten wie ein Landschaftsgemälde wirken.

Damals sei aber von Klimawandel noch keine Rede gewesen, betonte Rohde. „Unsere Parkleiter und Gärtner pflanzen und schneiden, forschen und dokumentieren, denken in Nachhaltigkeit und Kontinuität.“ Aber spezielle Nachpflanzungen seien immer schwieriger. „Und: Wir können die historisch gepflanzten Baumarten nicht einfach durch trockenresistente Akazien oder Platanen ersetzen“, betonte er. Die künstlerisch geplante Wirkung sei nicht zu vergleichen.

„Wir brauchen belastbare Aussagen von Fachexperten aus Hochschulen und Instituten: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf historische Gärten? Welche Handlungsmaßnahmen werden empfohlen?“, sagte der Gartendirektor. Die Stiftung ziehe Experten der Naturwissenschaften, Landschaftsarchitekten, aber auch der Agrar- und Ingenieurs-Wissenschaften zu Rate. Gudrun Janicke

Die Expertendiskussion „Steppe oder Moor? Sanssouci und die Folgen des Klimwandels“ findet heute von 17 bis 18.30 Uhr im Berliner Schloss Glienicke statt. Der Eintritt ist frei.

Gudrun Janicke

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