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Mehr Müll, mehr Arbeit: Unrat im Sommer im Neuen Garten. 
© Andreas Klaer

Mehr Müll, beschädigte Bäume: Schlossgärten im Überlebenskampf

Stiftungschef Christoph Martin Vogtherr warnt vor „toxischer Mischung“ aus Klimawandel und Übernutzung für Potsdams Gärten. Er brachte aber auch gute Nachrichten mit in den Hauptausschuss.

Potsdam - Mit dramatischen Worten hat der Generaldirektor der Potsdamer Schlösserstiftung vor bleibenden Schäden für die Welterbeparks der Stadt gewarnt, ausgelöst durch eine „toxische Mischung“ aus Klimawandel und Übernutzung. „Wir wissen nicht, wie viel von den Gärten das nächste Jahrzehnt überlebt“, sagte Christoph Martin Vogtherr am Mittwochabend im Hauptausschuss der Stadtverordneten bei seinem jährlichen Bericht vor dem Gremium.

In allen Bereichen der Parks Sanssouci und Babelsberg und des Neuen Gartens seien bereits bei tausenden Bäumen bleibende Schäden zu sehen – vor allem durch die Dürreperioden der vergangenen Jahre. Optisch zeige sich das, wenn im Sommer die Baumkronen immer durchsichtiger würden. Dazu komme, dass die Gärten in den Lockdown-Zeiten, in denen sie durchgängig geöffnet waren, auch mehr genutzt wurden – mit der Folge, dass laut Stiftungschef auch mehr Müll liegen geblieben ist. 

Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Potsdamer Schlösserstiftung.
Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Potsdamer Schlösserstiftung.
© Sebastian Gabsch

Das führe zu Mehrarbeit, besonders für die ohnehin mit der Baumpflege zusätzlich belasteten Gärtner. Dieser andauernde Stresstest sei personell ein zunehmendes Problem. Denn für viele Mitarbeiter sei es „schwer zu sehen, dass am Abend das kaputt gemacht wird, was sie tagsüber geschaffen haben“. Einige hätten deswegen um Versetzung gebeten.

Zahl der Ordnungskräfte wurde erhöht

Als mögliche Gegenmaßnahmen nannte Vogtherr neue Techniken bei der Bewässerung. Derzeit müsse die Stiftung ein überaltertes Brauchwassersystem nutzen. Auch habe man die Zahl der Ordnungskräfte in den Parks schon leicht erhöht und versuche das auch weiter. „Dies allein wird das Problem aber nicht lösen.“ Ebenso müsse die Stiftung mehr für die Verletzlichkeit der unter dem Schutz der Unesco stehenden Anlagen sensibilisieren, sagte Vogtherr. In diesem Zusammenhang wünsche er sich aber auch in und mit der Stadt ein stärkeren gemeinsamen Geist für dieses Welterbe. „Hier wäre noch mehr möglich“, betonte der Stiftungsdirektor.

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Er hatte allerdings auch gute Nachrichten. Mit Hilfe des Masterplans zur Rettung der preußischen Schlösser und Gärten, aufgelegt vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, würden im Bereich Potsdam in den nächsten Jahren 155 Millionen Euro für Baumaßnahmen in die Hand genommen. Unter anderem nannte Vogtherr die Sanierung des Cecilienhofs, der wieder einen Hotel- und Restaurantbetrieb erhalten soll. 

Sanierung des Neuen Palais steht an

Im Park Babelsberg wolle man den südlichen Teil deutlich besucherfreundlicher gestalten. So soll unter anderem der Eingangsbereich nahe der Humboldtbrücke erneuert werden. Als weitere Großprojekte nannte er die Sanierung des Neuen Palais und der Römischen Bäder im Park Sanssouci, der an der Historischen Mühle ein neues Besucherzentrum erhalten soll.

Insgesamt habe es bei der Stiftung durch Corona einen Besuchereinbruch in den Schlössern gegeben – das habe man auch durch den vermehrten lokalen Tourismus nicht ausgleichen können, sagte Vogtherr. Bei der Digitalisierung sei die Stiftung schneller vorangekommen als gedacht. So gebe es bereits digitale Schnitzeljagden durch die Anlagen, Ende des Jahres sei ein Online-Spiel für Kinder zum Park Babelsberg geplant. 

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