
© Andreas Klaer
Landeshauptstadt: Schöne Schwarmzeit
Die Potsdamer Imker produzieren im Jahr etwa zehn Tonnen Honig. Die Varroamilbe haben sie im Griff
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Ende Mai ist eine schlechte Zeit für spontane Besuche bei Klaus Seliger. Lieber wäre es dem 47-jährigen Mitarbeiter des Potsdamer Grünflächenamts, man würde sich im Herbst für sein Hobby interessieren. Denn jetzt ist Schwarmzeit.
Vier bis sechs Wochen dauert die Phase der natürlichen Vermehrung der Bienen, aufpassen müsse er dann, dass sie ihm nicht abhauen. Wenn ihm so ein Bienenvolk entwischt, mit Proviant im Honigmagen, dann bedeutet das unter Umständen auch einen Verlust von bis zu zehn Kilogramm Honig. Dennoch sei das ein schönes Schauspiel, kommt der Imker selbst ins Schwärmen: „Morgens, wenn die Bienen sich vor dem Bienenhaus in Aufbruchstimmung sammeln“, sagt Seliger. Dann muss er schnellstens ein paar Drohnenwaben vernichten und Platz schaffen für neuen Honig, sagt der Hobbyimker und Vorsitzende des Imkervereins Groß Potsdam, Klaus Seliger.
20 Völker der Rasse Carnica hat er in seinem Bienenhaus im Garten hinterm Haus zu stehen. Bis zu 80 000 Bienen gehören im Sommer zu einem Volk. Jedes Volk liefert im Jahr 30 bis 40 Kilogramm Honig. „Dieses Jahr könnte es etwas weniger werden wegen des langen Winters“, befürchtet Seliger. Aber in wenigen Wochen wird es Honig geben, dann schleudert er die erste Tracht. Rapshonig wird das wohl sein. Raps blüht jetzt überall. Die Familie freut sich schon, derzeit ist das Lager leer. „Wir verbrauchen im Jahr bestimmt 50 Gläser, wir backen mit Honig, er kommt in den Tee. Und auf dem Frühstückstisch stehen immer verschiedene Sorten, weiß, gelb, dunkel“, sagt seine Frau Beate Seliger. Sie kümmert sich um das Abfüllen, die Vermarktung und den Verkauf.
Der Durchschnittsdeutsche verzehrt im Jahr ein Kilogramm des Naturprodukts. An Familie Seligers Hausfront hängt, wie bei so vielen Imkern im Land, ein Hinweisschild, dass es hier Honig vom Erzeuger gibt. Seligers haben es gern, wenn bei ihnen geklingelt wird, sich die Käufer für ihr Produkt interessieren, Fragen stellen. Dann gibt es gleich eine Führung zu den Bienen. Das sei schließlich der Sinn vom Hofverkauf, dass der Kunde über die Herkunft des Produkts Bescheid weiß. Nur etwa 25 Prozent der Gesamtverbrauchs, schätzt Seliger, werden in Deutschland erzeugt, der Rest zumeist aus den USA und Kanada eingeführt. „Da wissen Sie aber nicht, was drin ist, Antibiotika beispielsweise, oder ob die Bienen auf Feldern mit genmanipulierten Pflanzen waren“, sagt er.
Die 55 Imker in Potsdam und Umland haben durchschnittlich acht Völker, manche betreiben die Sache mit den Bienen seit Jahren, andere sind neu dabei. Eigentlich laufe es gut mit dem Nachwuchs, sagt der Vorsitzende. Neumitgliedern werde auf Wunsch ein Pate zur Seite gestellt, damit der Einstieg leichter gelingt. Ein bisschen Kleingeld muss man allerdings einplanen, die Grundausrüstung kostet, eine Honigschleuder beispielsweise 2000 Euro. Für ihr Bienenhaus brauchten die Seligers sogar eine Baugenehmigung.
Mit der Imkerei hat Klaus Seliger vor 16 Jahren angefangen. Sein Vater war Imker, immer gab es Bienen, auch wenn sie ihn erst als Erwachsenen wirklich interessierten. So sei das manchmal, sagt seine Frau, wer das als Kind kennenlernt, komme vielleicht später wieder. Seit Jahren betreuen die Vereinsmitglieder auch aus diesem Grund eine Imker-Arbeitsgemeinschaft an der Rosa-Luxemburg-Grundschule. Und im Botanischen Garten Potsdam bieten Mitglieder ein Programm zum Thema Honigbienen im Rahmen des Grünen Klassenzimmers an. Den Vereinsmitgliedern, die aus allen Alters- und Berufsgruppen kommen, empfiehlt Seliger die regelmäßige Teilnahme an den Vereinssitzungen. Da finde man die geballte Fachkompetenz, sagt er, das sei besser als jeder Crashkurs für künftige Imker. Denn natürlich haben auch die Potsdamer Imker mit Problemen zu kämpfen. Die Milbe Varroa Destructor habe den Bestand der Bienen im Verein im letzten Jahr um etwa zwölf Prozent dezimiert. „Man bekommt das aber in den Griff“, so Seliger. Er hat im Winter mit Ameisensäure behandelt, jetzt im Frühjahr nutzt er die Tatsache, dass die Drohnenbrut weitaus häufiger von den Milben befallen ist. Die muss dann einfach regelmäßig aussortiert und entsorgt werden. Biologische Milbenbekämpfung.
Etwa zehn Tonnen Honig kommen jedes Jahr bei den Vereinsmitgliedern zusammen. Der Honig aus der Stadt ist dabei nicht schlechter als der vom Land. „Hier blühen Obstbäume und Robinien, Linden, Ahorn“, sagt Seliger, „die Trachtgrundlage in Potsdam ist sehr gut“. Sorgen macht er sich eher über über die Verödung der Landschaft. Immer nur Raps und Getreide, das laugt den Boden aus, sodass mit Düngemitteln und Pestiziden gearbeitet werden muss. Für Bienen ist das nicht gut. Doch genau das geschieht unmittelbar vor seiner Haustür, sagt er, und weist hinüber zum Zaun. Die Bienen aber fliegen bis zu drei Kilometer weit.
Am kommenden Sonntag um 15 Uhr findet im Botanischen Garten ein Programm zum Thema „Wildbienen und Honigbienen“ statt. Mitglieder des Imkervereins zeigen außerdem, wie man Honig schleudert.
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