Landeshauptstadt: Traum FABRIKANTEN
CORNELIA BÜTTNER, 52arbeitet alsSOLO-HARFENISTINim Deutschen Filmorchester BabelsbergAndere Orchestermusiker kennen ihr Programm Monate im Voraus – für Cornelia Büttner drehen sich die Uhren deutlich schneller: „Ich gehe morgens zum Dienst und weiß nicht, was ich zu spielen habe“, sagt die 52-jährige Potsdamerin. „Fest steht nur: Abends muss die Produktion fertig sein.
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CORNELIA BÜTTNER, 52
arbeitet als
SOLO-HARFENISTIN
im Deutschen Filmorchester Babelsberg
Andere Orchestermusiker kennen ihr Programm Monate im Voraus – für Cornelia Büttner drehen sich die Uhren deutlich schneller: „Ich gehe morgens zum Dienst und weiß nicht, was ich zu spielen habe“, sagt die 52-jährige Potsdamerin. „Fest steht nur: Abends muss die Produktion fertig sein.“ Seit 2005 ist Cornelia Büttner Solo-Harfenistin beim Deutschen Filmorchester Babelsberg – sie mag ihren Job. „Die Harfe löst unheimlich viel Stimmung aus“, sagt sie.
Deutschlands einziges professionelles Filmorchester war im Kino zuletzt unter anderem in „Wickie und die starken Männer“ oder bei dem in Babelsberg entstandenen Action-Drama „Ninja Assassins“ zu hören, auch bei TV-Serien wie dem ZDF-Dauerbrenner „Traumschiff“ oder dem RTL-Mehrteiler „Sturmflut“ sorgen Büttner und ihre rund 60 Kollegen für die passende Untermalung. Neben der Filmmusik sind Open-Air-Konzerte und CD-Produktionen mit Künstlern wie Manfred Krug, Rammstein oder Nena zweites Standbein des Orchesters. Eine Spezialität sind die Film-Live-Konzerte, bei denen die Babelsberger Stummfilmaufführungen live begleiten.
Der ganz normale Arbeitsalltag im historischen Tonstudio in der Medienstadt Babelsberg beginnt um 10 Uhr. Cornelia Büttner ist allerdings meist schon eine Stunde vorher da. „Dann kann ich in Ruhe einstimmen“, erklärt sie. Die 47 Harfensaiten sollen schließlich perfekt klingen – „jeder falsche Ton ist zu hören“. Wenn um zehn Uhr endlich die Noten aufs Pult kommen – „viele Komponisten arbeiten noch bis zuletzt daran“ –, muss es schnell gehen: Die Harfenistin richtet sich die Noten ein, notiert Fingersätze und den Einsatz der Pedalen. „Bei der Harfe ist das besonders wichtig“, erklärt sie. Mit sieben Pedalen, die in jeweils zwei Stufen getreten werden können, ändert sie die Stimmung des Instruments.
Höchstens einen Probedurchlauf gibt es, dann geht das Rotlicht an: Aufnahme. Vom Film selbst sieht die Musikerin bei der Einspielung nichts – nur der Dirigent verfolgt das Leinwandgeschehen auf dem Monitor. Damit alle Musiker das Tempo halten, bekommen sie über einen Ohrstecker den Takt mit einem „Klick“ vorgegeben. Konzentration auf den Punkt ist gefragt, damit das Arbeitspensum bis 17 Uhr erledigt ist. „Wir sind ein sehr eingespieltes Team“, sagt Cornelia Büttner.
2005 kam sie zum Filmorchester. Vorher spielte die gebürtige Schwerinerin in der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam, die 2000 aufgelöst wurde. Danach stand die Mutter zweier Töchter als Freiberuflerin unter anderem mit der Staatskapelle Dresden auf der Bühne – und war Aushilfe beim Filmorchester.
Mittlerweile kann Cornelia Büttner nicht mehr ins Kino gehen, ohne ein besonders aufmerksames Ohr für die Musik zu haben. Ihre persönlichen Höhepunkte mit den Filmorchester waren die Aufführung des Babelsberger Stummfilmklassikers „Metropolis“ 2006 in London – und ein Auftritt mit dem Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord 2010 in München. „Ein tolles Konzert mit einer Musikerlegende“, schwärmt die Harfenistin. Bald soll es eine Fortsetzung geben: Mit dem Briten ist eine CD-Produktion geplant.Jana Haase
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