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Keine Lücke. Durch die Straße Am Neuen Garten wälzt sich tagsüber eine stete Blechlawine. Nicht nur für Kinder ist es schwer, zum Treffpunkt Freizeit zu kommen. 
© Manfred Thomas

Potsdamer Nahverkehrsplan: Weite Wege zum Treffpunkt Freizeit

Nach Kritik: Stadt prüft bessere Anbindung der Freizeitstätte. Beschwerden wegen Verkehrssicherheit.

Das Rathaus prüft eine bessere Anbindung des Potsdamer Treffpunkts Freizeit an den öffentlichen Nahverkehr. Dies geschehe im Rahmen der laufenden Fortschreibung des Potsdamer Nahverkehrsplans, sagte eine Stadtsprecherin den PNN jetzt auf Anfrage: „Die Ergebnisse stehen aber derzeit noch aus.“

Anlass für die Anfrage bei der Stadt sind aktuelle Beschwerden aus dem beliebten Freizeitzentrum, das an der stark befahrenen Straße Am Neuen Garten gelegen ist. Der Ärger bezieht sich auf die seit Jahren unbefriedigende Anbindung an den Nahverkehr und mögliche Gefahren für die Nutzer durch mangelhafte Verkehrssicherheit vor Ort. „Wir tragen die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen, die unsere Einrichtung besuchen und möchten, dass sie gefahrlos durch den Straßenverkehr zu uns kommen“, sagte der Leiter der Freizeitstätte, Uwe Rühling, den PNN.

Gefahr für Hortkinder

Erst Mitte vergangenen Monats sei ein Hortkind vor dem Treffpunkt von einem Fahrzeug mit dem Fahrrad abgedrängt worden und auf den Gehweg gestürzt: „Wir haben große Sorge, dass es aufgrund der Verkehrssituation zu einem Unfall kommt mit noch größeren Folgen.“ Auch ältere Nutzer des Hauses beklagten die schlechte Erreichbarkeit, so Rühling. Dabei soll das derzeit einzige von der Bundesregierung geförderte Mehrgenerationenhaus in Potsdam gerade auch Senioren ansprechen.

So liegt die nächste Haltestelle an der Alleestraße/Birkenweg und wird tagsüber nur alle 20 Minuten vom Bus 603 bedient, der vom Hauptbahnhof bis tief in die Nauener Vorstadt fährt. „Und der schmale einseitige Gehweg dort ist mit einem Kinderwagen nicht begehbar“, ärgert sich Rühling. Regelrecht gefährlich, auch durch viele Lastkraftwagen, sei es in der schmalen Straße für Radfahrer, zumal dort nur nachts Tempo 30 ausgewiesen sei. „Und der Lkw-Verkehr nimmt immer dann signifikant zu, wenn es Stau auf der Autobahn gibt – die Strecke wird dann als Abkürzung zwischen Potsdam-Nord und der A115 genutzt“, hat Rühling beobachtet.

Nutzer des Hauses sind unzufrieden

Es geht um viele Besucher: Pro Tag würden rund 300 Nutzer in dem von der Stadt mit mehr als 500.000 Euro geförderten Haus gezählt, vor allem Grundschulkinder und Familien. Schon seit Jahren mache man immer wieder auf die Situation aufmerksam: Bei einer Umfrage im Haus hätten schon vor fünf Jahren rund 70 Prozent der Nutzer von einer mittelmäßig bis schlechten Anbindung gesprochen, was auch ein Hindernis für eine regelmäßigere Nutzung sei. „Und bei einer besseren Verkehrsanbindung müssten weniger Kinder mit dem Auto gebracht werden“, sagte Rühling mit Blick auf den Wunsch der Stadt nach weniger Autoverkehr. Diese Aussagen seien auch in verschiedenen Gremien kommuniziert worden. Das einzige, was sich bisher tat, war eine vor einigen Jahren aufgestellte Fußgängerampel, „was wirklich eine Verbesserung war“, wie auch Rühling sagt.

Dabei bleibt es wohl aber auch. Für ganztägig Tempo 30 gebe es keine gesetzliche Grundlage, machte die Sprecherin deutlich. Die Geschwindigkeitsreduzierung in der Nacht sei nur wegen den zu hohen Lärmemissionen möglich gewesen, hieß es. Tagsüber würden die dann geringeren Grenzwerte nicht verletzt. Nach Sicherheitsanalysen habe man vor Jahren die Ampel aufgestellt, so die Sprecherin. Angaben zu weiteren Planungen machte sie nicht. In dem Bereich gebe es keine auffällig hohen Unfallzahlen, hieß es aus dem Rathaus.

Verkehr könnte weniger werden, sagt das Rathaus

Auch der Verkehr entlang der Alleestraße und der Straße am Neuen Garten sei mit 23.000 Fahrzeugen pro Werktag seit Jahren relativ konstant, so die Sprecherin. Der Lkw-Anteil liege rechnerisch unter zwei Prozent. Dieser könnte nach Einschätzung der Bauverwaltung weiter sinken: Mit der Fertigstellung des Ausbaus der Autobahn 10-Süd werde diese Route deutlich attraktiver als die Strecke durch die Innenstadt. „Zudem gilt ab Juli dieses Jahres auch eine Lkw-Maut auf allen Bundesstraßen, nicht nur auf Autobahnen“, so die Sprecherin. Daher kostet es dann für Lastwagenfahrer auch Geld, wenn sie durch Potsdam abkürzen – was diese Strecke dann noch unattraktiver macht, so die Hoffnung im Rathaus.

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Der 1952 eröffnete Treffpunkt Freizeit ist eine der bekanntesten Freizeitstätten der Stadt und war zu DDR-Zeiten ein Pionierhaus. Im Jahr 2000 schien das Ende besiegelt, nachdem die Stadtverordneten den Abriss beschlossen hatten. Allerdings sorgte ein von den Linken initiiertes Bürgerbegehren mit 26 000 Unterschriften für den Erhalt und die Sanierung. Zunächst in Trägerschaft der Malteser Werke, folgte nach Querelen und Kritik an deren Arbeit 2011 ein Trägerwechsel zur halbkommunalen Kubus gGmbH, die das Haus in ruhige Fahrwasser steuerte. Die Kubus betreibt auch das Bürgerhaus am Schlaatz, den Jugendclub Alpha und das Kindermusiktheater Buntspecht

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