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as Humboldt-Gymnasium feiert seinen 200. Geburtstag. 
© Andreas Klaer

Humboldt-Gymnasium feiert Jubiläum: Wo Otto Lilienthal Abitur machte

Das Potsdamer Humboldt-Gymnasium beging seinen 200. Jahrestag. Die Schule setzt weiter auf Bildungsideale des Namensgebers. Davon profitierten bereits einige prominente Absolvent:innen.

Von Erik Wenk

Potsdam - Handelsschule, Gewerbeschule, Realschule, Oberschule, Gymnasium – die Liste der Schultypen, in denen das Potsdamer Humboldt-Gymnasium im Laufe der Zeit existiert hatte, ist so lang wie seine Geschichte. Nach wie vor versucht man in der 1822 eröffneten Schule die Ideale des Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt zu leben, also eine ganzheitliche Allgemeinbildung in allen Wissenschaften und Künsten, aus der sich dann die eigene Persönlichkeit entwickeln kann. Am Donnerstag feierte die Schule ihr 200. Jubiläum mit einem Festakt, bei dem auch Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und die ehemalige Schulleiterin Carola Gnadt zu Gast waren. „Diese Schule hat einen besonderen Ruf, und das hat etwas mit ihrer langen Tradition zu tun“, sagte Schubert.

Die Gründung der Schule ist ein direktes Ergebnis der von Humboldt angestoßenen Bildungsreform in Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Der Bedarf an Schulen für das Bürgertum war groß, und so eröffnete 1822 die „Königliche Handwerksschule“ im damaligen Civil-Waisenhaus Potsdam. 1853 wurde sie zur „Königlichen Provinzial-Gewerbeschule“, mittlerweile in einem eigenen Gebäude in der Straße Am Kanal 62. Der Unterricht war vielfältig: Neben Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik gab es auch Fächer wie Modellieren, Entwerfen, Feldmessen und Baukonstruktion.

Ursprünge als Handwerksschule werden wachgehalten

Eine Tradition, der sich die Schule bis heute verpflichtet fühlt: Während an den meisten Regelschulen bereits ab der 7. Klasse eine Spezialisierung mit Wahlpflichtfächern einsetzt, findet dies am Humboldt-Gymnasium erst ab der 9. Klasse statt. „Es geht darum, dass sich die Schülerinnen und Schüler in allen Bereichen frei entfalten können und ausprobieren können, wo ihre Stärken liegen“, sagt Schulleiter Lutz Blum. Auch die Ursprünge als Handwerksschule werden im gegenwärtigen Schulbetrieb wachgehalten: Es gibt eine große Holzwerkstatt und einen Technikbereich, in den Fluren und auf den Höfen zeugen zahlreiche künstlerische Arbeiten aus Metall, Holz oder Keramik von der Kreativität der Schüler:innen.

Schulleiter Lutz Blum.
Schulleiter Lutz Blum.
© privat

Viele von ihnen wüssten das Konzept sehr zu schätzen, sagt Blum: „Ich höre immer wieder, dass sie sich durch diese umfassende Bildung gut auf das Leben vorbereitet fühlen.“ Immerhin hat die Schule auch einige prominente Absolvent:innen hervorgebracht, etwa den Luftfahrtpionier Otto Lilienthal (Abitur 1866), den Dichter Peter Huchel oder Marion Gräfin Dönhoff, die einst Chefredakteurin der „Zeit“ war. Ein ehemaliger Schulleiter schaffte es sogar zum brandenburgischen Bildungsminister: Holger Rupprecht (SPD).

Sommer-Ausflug mit allen Schüler:innen und 50 Lehrer:innen

Das Gymnasium feiert sein 200-jähriges Bestehen mit vielen Aktionen: Statt eines großen Schulfestes hat sich die Leitung dafür entschieden, im Sommer mit allen 700 Schüler:innen und den 50 Lehrer:innen einen Ausflug zu machen: Mit einem Sonderzug will die Schule nach Wolfsburg fahren und dort die Autostadt und das interaktive Museum „Phaneo“ besuchen. Außerdem will die Schule „200 guten Taten“ vollbringen: Bereits stattgefunden hat eine Müllsammeltour im Wald und die Gestaltung der Weihnachtsfeier im Obdachlosenheim der Arbeiterwohlfahrt Potsdam. In jüngster Vergangenheit sind Spendenaktionen für ukrainische Geflüchtete dazugekommen.

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Den Namen „Humboldt“ trägt die Schule übrigens erst seit 1947: Im Krieg war das Gebäude Am Kanal durch Bomben zerstört worden, 1954 zog man in den heutigen Standort an der Heinrich-Mann-Allee, wo sich zuvor das Institut für Lehrerbildung befunden hatte. 1991 wurde die Oberschule Gymnasium.

2016 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet

Mittlerweile hat die Schule einen hervorragenden Ruf, jedes Jahr gibt es doppelt so viele Bewerbungen wie Plätze. 2016 wurde das Gymnasium mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. „Wir haben uns seitdem viel mit den anderen Preisträgern ausgetauscht und geschaut, was an anderen Schulen gemacht wird“, sagt Blum. Vor allem bei der Digitalisierung und beim individuellen Lernen habe man sich weiterentwickelt: So gibt es im Schuljahr mehrere Lernberatungstage, bei denen die Schüler:innen ihre Entwicklung reflektieren können. Zudem können Schüler:innen Fächer in ihrem eigenen Tempo absolvieren: Blum berichtet von einer Neuntklässlerin, die den Matheunterricht der zehnten Klasse besucht und dort erfolgreich ihre Prüfung geschrieben hat.

Das Humboldt-Gymnasium ist äußerst gefragt. 
Das Humboldt-Gymnasium ist äußerst gefragt. 
© Johanna Bergmann

In Sachen Digitalisierung hat das Gymnasium einige neue Konzepte auf den Weg gebracht, doch es hakt an der Hardware: 2021 hatte die Schule mit dem Helmholtz- und dem Hannah-Arendt-Gymnasium den Vorschlag gemacht, im großen Stil iPads anzuschaffen, um einen möglichst papierlosen Unterricht zu ermöglichen. Im städtischen Bildungsdezernat reagierte man jedoch verhalten. „Es laufen derzeit Gespräche“, sagt Blum. Am 17. Mai wollen die Gymnasien den Vorschlag erneut im Bildungsausschuss vorstellen.

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