Kultur: Eine Schuld die bleibt
Am Montag stellt Dirk Brauns seinen Roman „Im Inneren des Landes“ vor
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Zwei Männer stehen sich gegenüber. Plötzlich löst sich ein Schuss. Als die Polizei eintrifft, ist unklar, wo die beiden sind und wer auf wen geschossen hat. In alle Richtungen wird ermittelt. Was mit den Männern passiert ist, bleibt zunächst offen, denn die Geschichte, die im sachlichen Ton einer Polizeimeldung beginnt, wird nun 24 Stunden vor der Auseinandersetzung weitergeführt. In den Perspektiven wechselnd erzählt Dirk Brauns in seinem Debütroman „Im Inneren des Landes“ mit vielen Rückblicken die Geschichten der beiden Männer Stefan Brenner und Ingo Kern bis zu ihrem schicksalhaften Zusammentreffen.
Sein Roman, den Dirk Brauns am Montag in Potsdam vorstellt, spielt hauptsächlich in Eggesin. Das Dorf im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns wurde in der DDR von der Nationalen Volksarmee (NVA) zum Garnisonsstandort der 9. Panzerdivision ausgebaut. Die Panzerdivision hatte eine Heeresstärke von 8750 Mann in Friedenszeiten, im Ernstfall von über 12 000. Für viele Wehrpflichtige stand Eggesin als Synonym für Schikane und Brutalität der Armeeausbildung.
Stefan Brenner und Ingo Kern haben als NVA-Soldaten in Eggesin gedient: Brenner als Wehrpflichtiger, Kern, der wegen seiner Führungserfahrung heute in der Personalabteilung der Deutschen Bahn arbeitet, als Stasi-Major. Ingo Kern will ein neues Leben mit seiner jüngeren Kollegin beginnen und trennt sich von seiner Frau. Doch nach einem Besuch bei seiner schwer kranken Mutter, auf der Rückfahrt nach Eggesin, kommen Erinnerungen an seine Armeezeit hoch.
Stefan Brenner lebt mit seiner Familie im Ruhrgebiet und arbeitet als Autohaus-Prüfer. Als er den Auftrag erhält, ein Autohaus in Eggesin zu überprüfen, versucht er diesen mehrmals vergeblich abzugeben, denn er wollte nie mehr nach Eggesin zurück kommen. Während seines Werdienstes wurde sein Freund und Kamerad Victor erhängt im Waschraum einer Baracke gefunden. Brenner glaubte nicht an einen Selbstmord und beschuldigte seinen Truppenführer Kern. Doch Brenner ist machtlos, denn keiner glaubte ihm. Um darüber hinwegzukommen hatte er eine Aussprache mit Ingo Kern vereinbart, doch da tat Kern so, als ob er sich nicht an Victor erinnern kann. Er behauptete sogar, dass er sehr stolz sei, weil in seiner Zeit als Truppenführer niemand starb.
Bei seiner Dienstreise nach Eggesin versucht Brenner nun erneut den Tod seines Freundes und die Schatten der Vergangenheit zu überwinden. Er besucht die Kaserne und andere Orte. Dort kommt es zu schicksalhaften Begegnungen, bei denen auch die verlassene Frau von Kern eine Rolle spielt. Am Ende überrascht er Kern abends in seinem Haus. Ein jahrelanger Konflikt eskaliert, es kommt zum mysteriösen Schuss.
Zwei so unterschiedliche Männer, die durch den Tod eines Menschen verbunden sind, werden gezwungen, sich ihrer NVA-Vergangenheit zu erinnern. Eine Geschichte über unbeantwortete Fragen und ungelöste Konflikte. Fakt ist: Schuld bleibt, auch wenn Zeit vergeht! Spannend wie ein Krimi und nahezu poetisch geschrieben erzählt Dirk Brauns diese Geschichte. Ann-Kathrin Möllers
Dirk Brauns liest am Montag, dem 4. Februar, um 20 Uhr in der Buchhandlung Victoriagarten, Geschwister-Scholl-Straße 10. Der Eintritt kostet 6, ermäßigt 4 Euro
Ann-Kathrin Möllers
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