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Tim Bendzko war am Samstag Stargast des Stadtwerkefests.
© Thilo Rückeis

Sänger Tim Bendzko im Interview: „Ich fühle mich als Potsdamer“

Der Sänger lebte drei Jahre lang in Potsdam, am Wochenende trat er hier erstmals auf. Ein Gespräch über Heimat und die Folgen der Pandemie.

Von Kay Grimmer

Tim Bendzko, das Konzert am Lustgarten war Ihr erstes Konzert in Ihrer Wahlheimat Potsdam. Inzwischen sind Sie aber schon wieder weiter gezogen?
Ja, ich bin schon wieder etwas weiter gezogen, ins Brandenburgische. Aber ich fühle mich immer noch als Potsdamer. Seit dem Umzug nach Potsdam vor drei Jahren war es der erste Auftritt hier. 

Mit welchen Gefühlen tritt man in der Stadt auf, die bis vor kurzem Heimat war?
Das ist aufregend. Ich fahre ja hier am Lustgarten fast jeden Tag vorbei. Der Auftritt ist irgendwie abgefahren, weil ich vor jetzt drei Jahren abends zu Hause in Potsdam lag und versuchte zu schlafen und die ganze Zeit Adel Tawil singen hörte … 

Das war beim letzten Stadtwerkefestival.
Genau. Er hat relativ spät gespielt (lacht). Und da habe ich dann aus Spaß gedacht: Nächstes Jahr muss ich hier auftreten. Dann war es wirklich lustig, dass für das Stadtwerkefest 2020 die Anfrage kam. Zu Hause zu spielen ist irgendwie immer besonders. Die ganze Familie ist da und man macht sich dann viel mehr einen Kopf als bei jedem anderen Konzert.

Tim Bendzko trat erstmals in Potsdam auf.
Tim Bendzko trat erstmals in Potsdam auf.
© Thilo Rückeis

Tim Bendzko hat also noch immer einen familiären Anlaufpunkt in Potsdam?
Ein Teil der Familie wohnte sowieso in Potsdam, es ist also nicht so, dass ich vorher noch nie Potsdam war. Gerade zu Babelsberg habe ich einen Bezug. 

War das 2019 auch ein Grund, sich für Potsdam als Wahlheimat zu entscheiden?
Das war ein superguter Nebeneffekt natürlich, dass auch Familie vor Ort war. Aber eigentlich war es ein totaler Zufall, dass ich hergezogen bin. Ich war einmal zufällig hier, weil ich hier spazieren gehen wollte. Ich fand es einfach schön hier. Bis dahin wohnte ich auf der anderen Seite von Berlin in Rüdersdorf. Ein bisschen später suchte ich dann eine Wohnung – und nach Wohnungsbesichtigungen in Berlin dachte ich: Nee, Berlin, das wird nix. Ich habe dann im Internet gesucht, drei Wohnungen in Potsdam gefunden, bei einer angerufen – hingefahren, angeguckt, eingezogen. 

Gibt es spezielle Orte in Potsdam, die für Sie hier wichtig sind?
Der Neue Garten ist immer gerne gesehen. Ansonsten bin ich jeden zweiten Tag im Restaurant Zanotto, da ist es auch immer gut. Also wenn man mich in Potsdam irgendwo treffen will, dann da. 

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Was macht Potsdam für Sie aus?
Es ist die perfekte Kombination aus ein bisschen Großstadt-Feeling – aber nicht zu viel. Ich habe alles hier, was ich brauche. Wenn ich shoppen gehen will, kann ich das hier. Es gibt gute Restaurants und die Anbindung ist auch gut. Und das in Kombination mit den ganzen Parks und wie das alles aussieht – Potsdam ist eine der schönsten Städte, die ich kenne. 

Musikalisch geht es für Sie jetzt nach zwei Jahren Zwangspause durch Corona weiter. Werden die Live-Konzerte jetzt alle nachgeholt, wie der Auftritt beim Stadtwerkefest, der ja schon 2020 stattfinden sollte?
Diesen Sommer holen wir Konzerte nach, die draußen stattfinden. Es sind ganz wenige Konzerte in diesem Jahr neu dazugekommen. Und alles, was drinnen stattfinden sollte, wird nicht nachgeholt. 

Am Freitag kam Bendzkos neuer Song „Das Leben wieder lieben“ raus.
Am Freitag kam Bendzkos neuer Song „Das Leben wieder lieben“ raus.
© Thilo Rückeis

Immer noch wegen der Unsicherheit, wie mit der Pandemie umgegangen wird?
Wegen der Unsicherheit, wie das weitergeht. Ich glaube, das dauert auch noch eine ganze Weile, bis sich das wieder sortiert hat. Wenn man sich die sozialen Medien anschaut, sieht es ja eigentlich so aus, als gebe es mit den riesigen Veranstaltungen wie Rock am Ring oder Rock im Park, Coldplay hier, Rolling Stones da, eine heile Welt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wenn bei uns einer in der Band Corona bekommt, können wir nicht spielen. Bei jedem Konzert haben wir noch am Tag vorher keine vollständige Crew, weil es einfach kein Personal mehr gibt.  

Verarbeiten Sie diese Zeit auch musikalisch?
Am Freitag kam mein neuer Song „Das Leben wieder lieben“ raus. Das bezieht sich schon auf dieses Gefühl, dass man die letzten zwei Jahre hatte. Ich habe das Gefühl, dass es eine Vorschau sein könnte auf das, was uns vielleicht in zehn Jahren erwartet: Dass wir bloß noch auf die Handys gucken und uns nur noch digital begegnen. Insofern war es eigentlich ganz gut, dass man das bei der Pandemie vor Augen geführt bekommen hat, worauf wir da zusteuern. Und ich habe den Eindruck, dass einigen klar geworden ist, dass wir das nicht wollen. Es wäre doch schön, wenn wir uns dieses Gefühl erhalten. 

Das Gespräch führte Kay Grimmer

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