Kultur: Statuen erleben
„Götter, Musen und Monarchen“ – eine Hörführung von Zenitar Media
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Marita Müller ist unterwegs im Marmorpalais. Auf ihren Fersen sind gut zwanzig Besucher und hören der Schlossführerin zu. Die Kunsthistorikerin erzählt über die Geschichte, über die Bewohner des Schlosses und seine Kunstwerke. Marita Müller möchte so anschaulich wie möglich über preußische Historie und darüber hinaus informieren. Seit 1997 führt sie Gäste, jung und alt, durch Potsdams berühmte Gartenanlagen und Schlösser. Die langjährigen Erfahrungen haben sie gelehrt, wie man am besten und interessantesten Wissen an den Mann und an die Frau bringt. Aber auch an die Kinder, denn für sie hat sie spezielle Angebote konzipiert.
Bei einem geführten Spaziergang durch den Park Sanssouci war auch Karin Trägenap-Kunze von Zenitar Media dabei. Sie begeisterte sich an Marita Müllers Erzählungen, so dass sie ihr vorschlug, gemeinsam mit der Potsdamer Medienfirma eine Reihe von Hörführungen durch den Park Sanssouci herauszugeben.
Dieser Tage nun ist die erste Hör–CD bei Zenitar Media mit einer gesprochenen Führung erschienen. Marita Müller, die den Text geschrieben hat, entführt den Hörer zu „Göttern, Musen und Monarchen“. Dabei lässt sie den Skulpturenschmuck am Schloss Sanssouci, an der Großen Fontäne, an der Puttengalerie, am Obeliskportal oder am Parterre vor den Neuen Kammern lebendig werden.
Die angenehm warme Stimme von rbb-Sprecher Detlef Bruns geht mit dem Spaziergänger von Ort zu Ort, von Statue zu Statue. Ohne Schnörkel hat Marita Müller den Text verfasst, ganz sachlich, jedoch kenntnisreich erzählt sie über die marmornen Figuren. Ganz wenig, vielleicht zu wenig, erfährt man in der gut zweistündigen Führung etwas über die Künstler, die die Skulpturen schufen. Umso mehr aber über die mythologischen Quellen und Hintergründe, nach denen die Plastiken entstanden sind. Und das ist allemal spannend zu hören. Sie gehören zum Skulpturenprogramm König Friedrichs des Großen.
Da ist beispielsweise das zu Füßen der Weinbergterrassen liegende Parterre mit der Großen Fontäne. Die rings um das Bassin aufgestellten Statuen gehören zu den wertvollsten Bildwerken im Park Sanssouci. Auf fast jedem Foto, das von den Weinbergterrassen mitsamt dem Schloss Sanssouci „geschossen“ wird, ist eine der Plastiken zu finden. Am häufigsten die Göttin der Schönheit Venus und der Götterbote Merkur. Alle sind Arbeiten französischer Künstler. Als Leiter des neu gegründeten Königlichen Bildhauerateliers berief Friedrich II. 1747 mit Francois Gaspard Adam einen Franzosen nach Berlin. Es gab auch Geschenke des französischen Monarchen Ludwig XV. von Frankreich an Friedrich. Die Einzelgestalten stellen Gottheiten dar, bei den Gruppendarstellungen handelt es sich um die personifizierten vier Elemente.
Auch bei den Sandsteinfiguren am Obelisk-Portal erfährt der Betrachter viele interessante und aufschlussreiche Details von Marita Müller. Die Frisuren von antiken Kaisern und Kaiserinnen werden genauso bedacht wie die Kurzinformationen über die Hohenzollern am Beispiel des Oranierrondells. In ihm sind die Büsten des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und seiner Frau Louise Henriette, die aus dem Haus der Oranier stammt, aufgestellt – eine Hommage an wichtige verwandtschaftliche Beziehungen. Natürlich wird man zum Musen- und Entführungsrondell geführt.
Sicherlich waren im 18. Jahrhundert niemals so viele Menschen in den Gärten wie heute, so dass die damaligen Spötter nicht ganz unrecht hatten, in Potsdam finde man mehr Statuen als Menschen. Heinrich Heine schrieb, dass er sich in Potsdam befand, um „in ungestörter Einsamkeit die schöne Sonne zu genießen. Ich kam dort mit keinem Menschen in Berührung, und mein ganzer Umgang beschränkte sich auf die Statuen, die sich im Park Sanssouci befanden.“
Mit der neuen Hör-CD kann man sich ganz allein auf den Weg zu den Figuren machen, ihre Schönheiten bewundern und von ihnen lernen. Marita Müller und Zenitar Media haben es ermöglicht.
Götter, Musen und Monarchen, Eine Hörführung vom Schloss Sanssouci durch den Lustgarten, Zenitar Media Potsdam, 9,80 Euro, erhältlich im Internationalen Buch.
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