Potsdam-Mittelmark: Geld stinkt nicht
Die WGT hofft auf bis zu 25 Euro Ersparnis pro Haushalt durch die Biotonne. Andere lehnen sie ab
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Die WGT hofft auf bis zu 25 Euro Ersparnis pro Haushalt durch die Biotonne. Andere lehnen sie ab Von Volker Eckert Region Teltow - Man spricht inzwischen schon von der „zweiten Miete“ – der Anteil der Betriebskosten steigt. Mitverantwortlich dafür sind in den vergangenen Jahren nicht zuletzt die Müllgebühren gewesen. Und sie werden weiter steigen. In Potsdam-Mittelmark gibt es jetzt eine Möglichkeit, dem ein wenig entgegenzusteuern: die Bio-Tonne. Doch das Echo ist nicht wie erhofft, auch Wohnungsgesellschaften sind zurückhaltend – auf Kosten der Bewohner, wie Thomas Wendenburg von der APM sagt. Der mittelmärkische Abfallbetrieb APM hatte im Vorjahr auch der Teltower Wohnungsbaugenossenschaft (TWG) angeboten, die Biotonne in einem Testlauf auszuprobieren. Ohne Erfolg, wie Vorstandsmitglied Torsten Lippert auf PNN-Anfrage bestätigt: „Die Mitglieder wünschen das nicht.“ Sie würden Belästigung durch Geruch und Ungeziefer befürchten. Lippert verweist auch auf ähnliche schlechte Erfahrungen in Berlin. Allerdings sind dort nach Angaben der BSR rund 70000 braune Tonnen im Einsatz. Drei bis vier der 192-Liter-Tonnen seien im vergangenen Jahr probeweise vor Häusern der TGW aufgestellt worden, so Lippert, aber auf Ablehnung bei den Mietern gestoßen. Somit wird es auch für die andern 2200 TGW-Wohnungen keine Biotonne geben. Lippert sieht darin ohnehin kein Einsparpotential: „Die Leute trennen schon sehr bewusst, da fällt ohnehin nicht mehr viel Restmüll an.“ Thomas Wendenburg APM sieht das anders. Eine 120-Liter-Biotonne schlägt nach seinen Angaben mit 3,10 Euro zu Buche, eine graue Tonne dieser Größe dagegen kostet 5,17 Euro. Hinzu kommt: Preissteigerungen sind schon angekündigt, der Grund ist eine EU-Richtlinie, die Vorbehandlung und Weiterverwertung des Abfalls vorschreibt und im Juni in Deutschland greift. Deshalb war der von der APM angebotene Testlauf bei Wilhelm Prögel, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Teltow (WGT), sehr willkommen. Auch bei den Mietern sei die Aktion „eingeschlagen“, und ist deshalb auf alle rund 1600 Wohnungen im Besitz der Gesellschaft ausgeweitet worden. Von schlechte Erfahrungen mit Gestank oder falsch eingeworfenem Müll hat Prögel noch nicht gehört. Die APM verspricht, mit ihrem neuen Fahrzeug die Tonnen bei der Entleerung zu reinigen. Von Ökologie sei von seiten der Mieter nicht die Rede gewesen, sagt Prögel: „Es geht ums Geld.“ Zwar könne er erst nach dem Jahresabschluss sagen, wieviele graue Tonnen eingespart werden. Berechnungen hat die WGT aber schon einmal angestellt. Für eine 50-Quadratmeter-Wohnung in einem Haus mit hohem Müllaufkommen sieht sie ein Sparpotential von 25 Euro in diesem Jahr. Die Berechnungen werden laut Prögel dadurch erschwert, dass die Menge in Häusern gleicher Größe sich manchmal stark unterscheide. Woran das im Einzelfall liege, sei schwer zu sagen. Tendenziell würden ältere Menschen aber weniger Müll produzieren. Bei einem durchschnittlichen Müllaufkommen lagen die Müllkosten im vergangenen Jahr für eine 50-Quadratmeter-Wohnung bei rund 100 Euro. Für das laufende würden nach WGT-Berechnungen ohne Biotonne rund 135 Euro anfallen, mit der braunen Tonne dagegen nur 120 Euro. 192 der großen 240-Liter-Biotonnen sind zurzeit nach APM-Angaben im Kreis aufgestellt, weitere circa 500 kleinere. Zurzeit noch nicht angeschlossen an das System ist auch die Gewog in Kleinmachnow. Aber auch hier hat man von den möglichen finanziellen Vorteilen gehört. Bei der Geweog startet der Testlauf mit einigen Biotonnen am 1. Mai. Nach Auskunft von Jana Preßler, Leiterin der Hausverwaltung, „ist der Wille definitiv da, auf diesem Weg die Kosten zu senken“. Wenn der Test positiv verlaufen sollte, werde die Tonne allen über 2700 Wohnungen in Kleinmachnow und Bergholz-Rehbrücke zur Verfügung gestellt.
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