• 1:2-Niederlage gegen Werder Bremen: 1. FC Union verliert den Tag der Elfmeter – ein Fan die Nerven

1:2-Niederlage gegen Werder Bremen : 1. FC Union verliert den Tag der Elfmeter – ein Fan die Nerven

Der 1. FC Union verpasst den zweiten Sieg nach einem hektischen Spiel mit drei Elfmetern. Auf der Tribüne kommt es zu einer hässlichen Szene.

Unions Marvin Friedrich (rechts) lieferte sich umkämpfte Duelle mit Bremens Niclas Füllkrug.
Unions Marvin Friedrich (rechts) lieferte sich umkämpfte Duelle mit Bremens Niclas Füllkrug.Foto: dpa

Es gibt Fußballspiele, die beginnen wie ein Montagmorgen mit kaputtem Wecker. Für Christopher Trimmel und Christopher Lenz dürfte sich das Bundesliga-Heimspiel ihres 1. FC Union gegen Werder Bremen genau so angefühlt haben. Keine zwei Minuten waren gespielt, da grätschte erst Kapitän Trimmel fürchterlich ins Leere, bevor Lenz per Brust viel zu kurz auf Torwart Rafal Gikiewicz zurücklegte, woraus ein Foulelfmeter und die Bremer Führung resultierten. Schlechter starten kann man kaum.

Viel besser wurde es auch nicht mehr. Nach über 96 Minuten inklusive drei Elfmetern und heftigen Diskussionen um den Videobeweis verloren die Berliner 1:2 (1:1). Es war ein Spiel, das giftig begann und gegen Ende immer nervöser wurde. Auf der Haupttribüne verlor ein Union-Fan nach Spielende völlig die Nerven und bespuckte einen Mitarbeiter der Bremer Presseabteilung. Umstehende Anhänger zerrten den spuckenden Unioner schließlich weg. Äußern wollte sich das Opfer zu dem Vorfall nicht.

Wüst ging es teilweise auch auf dem Platz zu. Unions Innenverteidiger Neven Subotic sah kurz vor Spielschluss Gelb-Rot. Vorausgegangen war ein hartes Einsteigen gegen Leonardo Bittencourt an der Seitenauslinie und ein Disput mit Claudio Pizarro. "Die Schulter und der Po haben ein bisschen was abbekommen, aber entscheidend ist, dass wir drei Punkte geholt haben", sagte Bittencourt. "Ich unterstelle Neven nichts, er ist nicht der Typ, der irgendjemanden weh tun möchte", die Werbebande sei bei Union eben näher am Spielfeld als woanders. "Da knallt man dann halt mal dagegen", sagte Bittencourt. Dramatisch sei das nicht.

Das Spiel war es schon eher. Denn kurz nach Subotic musste auch Werders Nuri Sahin wegen Zeitspiels vom Platz. Fußball gespielt wurde in der Schlussphase ohnehin kaum noch. "Was mich am meisten nervt, sind die letzten zehn Minuten, in denen eigentlich nur noch diskutiert wurde", sagte Unions Trainer Urs Fischer. "Am Schluss muss sich jeder an die eigene Nase fassen, auch der Schiedsrichter." Der Unparteiische Tobias Welz gab insgesamt keine gute Vorstellung ab.

Ins zweite Heimspiel in Folge starteten die Berliner nach dem 3:1-Heimsieg gegen Borussia Dortmund personell nahezu unverändert. Lediglich Christian Gentner durfte im defensiven Mittelfeld anstelle Manuel Schmiedebachs beginnen. Bevor Gentner aber seine Qualitäten einbringen konnte, lagen die Berliner schon 0:1 zurück – und das ziemlich unnötig.

Trimmel missachtete die Lehrmeinung, wonach gute Verteidiger nur im absoluten Notfall zur Grätsche ansetzen und sprang gegen den flinken Leonardo Bittencourt im Mittelfeld ins Leere. Der Bremer nutzte den freien Raum über links kommend, flankte ins Zentrum und fand Unions Lenz, der den Ball auf Torwart Rafal Gikiewicz verlängerte; nur geriet das Rückspiel zu kurz. Bremens Davy Klaassen drängte dazwischen, Lenz und Gikiewicz nahmen ihn in die Zange: Elfmeter. Schiedsrichter Tobias Welz blieb trotz vierminütiger Videobeweispause bei seiner Meinung, die sich hernach als falsch herausstellte. Klaassen fiel nur allzu leicht. "Ich frage mich wirklich, wieso man sich die Bilder nochmal anschaut", grantelte Fischer später. Klaassen war es egal, er überwand Gikiewicz, der am scharf geschossenen Ball noch dran war, glücklich zur Führung. Seinen Jubel zelebrierte der Bremer vor Unions Fanblock, der mit fliegenden Bierbechern antwortete.

Nach knapp einer Viertelstunde antwortete Union auch auf dem Rasen. Werders Christian Groß streckte seinen Ellenbogen im Sechzehner gen Ball, was den Stadionbesuchern zwar nicht auffiel, dem Videoassistenten im Kölner Keller aber schon. Wieder schaute Referee Tobias Welz sich die Bilder an, kurz darauf durfte Unions Stürmer Sebastian Andersson vom Punkt ran. Er verwandelte sicher zum 1:1.

Da stand es dann 1:1. Sebastian Andersson (M.) erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich.
Da stand es dann 1:1. Sebastian Andersson (M.) erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich.Foto: dpa

So hätte es eigentlich munter weitergehen können, nur wurde das Spiel bis zur Pause zunehmend ereignisärmer. Wenige Minuten nach der Pause waren dann alle wieder hellwach, es gab den dritten Elfmeter. Daran hatten Gikiewicz und Trimmel Schuld. Erst flutschte dem Torhüter ein Rückpass durch, was einen Bremer Eckball zur Folge hatte. Dann zupfte Trimmel am Trikot von Gebre Selassie. Der nächste Strafstoß, den Klaassen aus seiner Sicht ins linke Eck schoss, wohin auch Gikiewicz sprang und parierte.

Das Heimpublikum tollte, Unions Spieler auch, doch Bremens Coach Kohfeldt animierte seine Elf zum Weitermachen. Brust raus, zeigte er an. Sein Team gehorchte direkt. Sahins Eckball drückte Niclas Füllkrug per Kopf zur erneuten Gästeführung ins Tor.

Gikiewciz pariert glänzend gegen Eggestein

Das Spiel blieb so krampfhaft und hektisch wie Union fehleranfällig. Bremen war die bessere Mannschaft mit den klareren Torchancen, obschon Fischer mit Sebastian Polter (für Anthony Ujah), Akaki Gogia (für Sheraldo Becker) und Suleiman Abdullahi (für Gentner) frische Offensivkräfte einsetzte. Nach 75 Minuten aber hätte Johannes Eggestein aus kurzer Distanz auf 3:1 erhöhen müssen, Gikiewicz parierte glänzend.

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Für Union vergaben Marius Bülter und Sebastian Polter beste Möglichkeiten zum Ausgleich, ehe Schiedsrichter Welz erst Subotic und kurz darauf Sahin des Feldes verwies. Die sechs Minuten Nachspielzeit waren nach wilden 90 gerechtfertigt, halfen den Berlinern aber nicht. Andersson trat in zentraler Position nach Gogias Zuspiel etwas überhastet gegen den Ball – wenig später war Schluss und Unions zweite Saisonniederlage unter „Schieber, Schieber“-Rufen der Fans besiegelt.

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