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6:0-Sieg gegen Wolfsburg : Der FC Bayern und die Abteilung Attacke

Beim 6:0-Sieg des FC Bayern gegen Wolfsburg überzeugen die aussortierten Nationalspieler. Franz Beckenbauer findet Joachim Löws Verhalten "fragwürdig".

Wieder glücklich. Thomas Müller (l.) und Mats Hummels hatten nach dem 6:0-Sieg wieder was zu lachen.
Wieder glücklich. Thomas Müller (l.) und Mats Hummels hatten nach dem 6:0-Sieg wieder was zu lachen.Foto: dpa

Das Wort zum Samstag kam von einem aktuellen Nationalspieler. „Ich verspüre nicht nur als Fußballer, sondern generell als Deutscher eine unheimliche Dankbarkeit für die Drei“, sprach Leon Goretzka und begründete seine Ausführungen wie folgt: „Sie haben mir unheimlich viele schöne Stunden bereitet, auch als Fan der deutschen Nationalmannschaft, und für uns alle den WM-Titel geholt“, ergänzte der Profi des FC Bayern. Wenn er daran zurückdenke, an die glorreiche Nacht von Rio de Janeiro an jenem 13. Juni 2014, dann bekomme er jetzt noch eine Gänsehaut.

Bei Joachim Löw, dem Fußball-Nationaltrainer, dürfte es sich ähnlich verhalten – jedenfalls dann, wenn es um Erinnerungen an besagte Nacht geht. In der Bewertung der Drei – namentlich Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels – sieht Löw die Sache ein wenig anders, wie er einer breiten Öffentlichkeit in dieser Woche mitgeteilt hat. Und obwohl der Bundestrainer am Nachmittag gut 300 Kilometer weiter westlich in Freiburg und nicht auf der Ehrentribüne des FC Bayern Platz nahm, war seine Entscheidung nach dem Bundesliga-Punktspiel zwischen dem deutschen Rekordmeister und den Sportsfreunden vom VfL Wolfsburg Gegenstand diverser Nachfragen.

Joshua Kimmich: "Das sieht wieder nach dem FC Bayern München aus"

Nicht nur Goretzka äußerte sich nach dem 6:0 (2:0)-Kantersieg der Bayern gegen wehrlose und überforderte Niedersachsen, der den Münchnern die Tabellenführung einbrachte. „Wir sind jetzt da, wo wir hinwollten, auf Tabellenplatz Nummer eins. Dort wollen wir weiterhin bleiben. Aber es ist noch nichts gelaufen“, kommentierte Bayern-Trainer Niko Kovac zunächst das Tagesgeschäft. Zur Causa der aussortierten Nationalspieler befand der Coach: „Die Art und Weise, wie sie es umgesetzt haben in positive Energie, das spricht für sie als Spieler, Menschen und Charaktere.“ In der Tat war ihre Demission zumindest angesichts der Leistung von Samstag schwer nachzuvollziehen. Vier Tage vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool am Mittwoch in München erzielten Serge Gnabry, Robert Lewandowski (2), James Rodríguez, Thomas Müller und Joshua Kimmich vor 75.000 Zuschauern die Tore. „Jetzt haben wir die letzten beiden Spiele auch in einer Art und Weise gewonnen, bei der man sagen kann, das sieht wieder nach dem FC Bayern München aus“, sagte Kimmich.

Obendrein durfte sich Lewandowski über einen Rekord freuen: Der Pole kürte sich mit seinem 196. Bundesligatreffer vor Claudio Pizarro (195) zum besten ausländischen Torschützen der Bundesliga-Geschichte. Tor Nummer 197 legte Lewandowski in der Schlussphase nach. „Ich bin sehr stolz auf das, was ich gemacht habe“, sagte er hinterher.

Uli Hoeneß: "Zu Jogi Löw werde ich mich nach dem Liverpool-Spiel mal äußern"

Damit war der sportliche Teil des Abends erledigt – und es ging weiter um die Herren Löw, Hummels, Boateng und Müller. Manuel Neuer etwa äußerte sich erstmals zum Ende der DFB-Karriere seiner drei Weltmeisterkollegen von 2014. Der 32-Jährige wählte dabei betont diplomatische Worte. „Die Spieler waren enttäuscht, so eine Entscheidung gesagt zu bekommen. Das kann ich verstehen. Aber andererseits ist ein Trainer auch dazu da, Entscheidungen zu treffen“, sagte Neuer.

Auch Franz Beckenbauer äußerte sich zu der Thematik. „Das sind ja drei äußerst verdiente Spieler, vielleicht hätte man da einen anderen Weg finden können“, wird der Ehrenpräsident des FC Bayern München in der „Bild am Sonntag“ zitiert. „Ein ordentliches Abschiedsspiel wäre der richtige Rahmen gewesen oder etwas in der Form. Aber ihnen einfach zu sagen, sie kommen nicht mehr dran, das ist ein bisschen fragwürdig“, sagte Beckenbauer. „Ich hätte es wohl anders gemacht, menschlicher!“

Bayern-Präsident Uli Hoeneß sah dies offenbar ähnlich. „Zu Jogi Löw werde ich mich nach dem Liverpool-Spiel mal äußern. Ich möchte die Ruhe, die wir uns jetzt hier erarbeitet haben, bis nach dem Liverpool-Spiel erhalten – und dann sehen wir weiter“, sagte er. Spätestens am Mittwoch dürfte Hoeneß in den Modus schalten, der ihm seit Jahren am liebsten ist: Attacke. (Tsp/dpa)

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